Erstmals gibt Infineon eigene Finanzprobleme zu - gleichzeitig gibt es neue Verhandlungen über die Zukunft von Qimonda.
Europas zweitgrößter Chipkonzern Infineon warnt im Ringen um die Rettung der Tochter Qimonda erstmals vor eigenen Finanzproblemen. "Unsere Liquidität schmilzt ab. Wir sind in der Tendenz in einer ähnlichen Situation wie Qimonda", sagte Vorstandssprecher Peter Bauer bei einer Protestaktion von Qimonda-Mitarbeitern am Freitag in München. Der Infineon-Tochter geht das Geld aus. Ohne eine rettende Finanzspritze steht sie unmittelbar vor der Pleite.
"Unsere Liquidität schmilzt ab", sagt Infineon-Chef Peter Bauer. (© Foto: ddp)
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Infineon hatte infolge der Probleme seiner Tochter zuletzt dramatische Verluste erlitten. Der Dax-Konzern mit vier Milliarden Euro Umsatz und weltweit etwa 30.000 Beschäftigten hatte seinen Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr verzehnfacht. Die Liquidität des Konzerns war stark abgeschmolzen. Zugleich muss das Unternehmen 2009 Kurzfristkredite in Höhe von gut 200 Millionen Euro zurückzahlen und 2010 eine Wandelanleihe über 600 Millionen Euro begleichen. Neben der Krise der Tochter leidet Infineon auch unter der schwachen Nachfrage wichtiger eigener Kunden aus der Autobranche und der Industrie. Der Umsatz werde im ersten Quartal um 30 Prozent einbrechen, warnte Bauer am Freitag. Ob sich das Blatt danach wie erhofft wende, sei ungewiss.
Bayern schaltet sich ein
Ein Sprecher von Infineon sagte zur Warnung Bauers, der Infineon-Chef habe mit seiner Äußerung nicht vor einer akuten Gefährdung des eigenen Konzerns warnen, sondern lediglich die angespannte "Gesamtsituation" schildern wollen. Infineon befinde sich zwar in schwierigen Märkten, aber das Unternehmen sei nicht in seiner Substanz gefährdet, so der Sprecher.
Derweil rückt eine Insolvenz der Tochter Qimonda näher. Hunderte Mitarbeiter waren am Freitag in einem Protestmarsch aus Sorge um ihren Arbeitsplatz zum Vorstandstrakt der Infineon-Zentrale marschiert und hatten von der Infineon-Führung lautstark mehr Engagement bei der Rettung der Tochter gefordert. Bewacht von Sicherheitskräften lehnte Bauer erneut eine höhere Finanzspritze für Qimonda ab. Ein erstes Hilfspaket war zu Wochenbeginn gescheitert. Sachsen hätte Qimonda ein Darlehen von 150 Millionen Euro gewährt, falls Infineon den gleichen Betrag in bar zugeschossen hätte. Das hatte Infineon abgelehnt.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung haben beide Seiten trotz zuletzt heftiger Auseinandersetzungen neue Verhandlungen über die Rettung aufgenommen. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen habe es am Donnerstag ein fünfstündiges Spitzentreffen hochrangiger Vertreter von Infineon, Qimonda und dem sächsischen Wirtschaftsministerium gegeben, verlautete aus Konzernkreisen. Dabei habe die Landesregierung eine Teilverstaatlichung von Qimonda ausgeschlossen. Sachsen werde sich nicht mit dem Kauf von Aktien an Qimonda beteiligen, hieß es weiter.
"Keine Zusagen, keine Versprechen"
Die Wirtschaftsminister von Bayern und Sachsen, Martin Zeil (FDP) und Thomas Jurk (SPD), wollten noch am Freitag in einem Telefonat über Hilfe für das Unternehmen beraten, wie eine Sprecherin des bayerischen Wirtschaftsministeriums sagte. "Der Freistaat Bayern steht in direktem Kontakt mit Qimonda. Wir werden Unterstützungsmaßnahmen prüfen und dabei unsere Spielräume im Interesse der Arbeitsplätze und des wichtigen Unternehmens so weit wie möglich ausschöpfen. Ein tragfähiges Fortführungskonzept hängt von den Beiträgen aller Beteiligten ab", ließ Zeil mitteilen.
Die erhoffte Hilfe des Bundes bleibt derweil offenbar aus. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) seien bislang keine entsprechenden Signale gekommen, hieß es aus Verhandlungskreisen. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hätten über das Thema gesprochen und vereinbart, dass sich ihre Mitarbeiter den Fall ansehen. "Aber es gibt keinerlei Zusagen, es gibt keine Versprechen", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Freitag.
Viel Zeit bleibt nicht im Ringen um eine Rettung. Die Mitarbeiter von Qimonda fürchten, dass sie schon bald auf der Straße stehen. "Die finanzielle Situation ist dramatisch", verlautete am Freitag in Konzernkreisen. Die Insolvenz sei keine Frage von Wochen, sondern von Tagen. "Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist zwölf", sagte auch Betriebsratschef Jakob Hauser. In einem offenen Brief wiesen die Betriebsräte auf die führende Technologie des Konzerns hin. Qimonda liege im Vergleich zu Wettbewerbern sehr gut im Rennen und verdiene eine Chance.
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(sueddeutsche.de/dpa-AFX/tob/mel)
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Qimonda musste (besser: sollte) von Anfang an die überzähligen Infineon-Mitarbeiter übernehmen. Und zu Glauben, das wäre lange her ist ein Märchen. Bi sin den November diesen Jahres wurde das Spielchen betrieben?
Frage: "Warum schiebt Infineon Mitarbeiter zu Qimonda ab, obwohl der Laden partout nicht läuft und schon mehr Mitarbeiter als Aufträge hat. Gleichzeit ist Infineon Miteignetümer."
Dieses Spielsystem wurde unter Siemens eingeführt und Sachsen bzw. die EU haben immer brav gezahlt. Es entshet dabei eine nicht enden wollende Lust die gut geheizten Zentralen der Firmen Siemens, Infineon und Qimonda mindesten. zu belagern. Aber dazu müßten sich alle auf den Weg machen. Das Ziel heißt immer geich: München.
...wenn ich sowas lese, fängt es an zu kochen.
Diese Finanzspritze kann Infineon evtl. selber den Hals kosten. Dann stehen zusätzliche 20000 Mitarbeiter auf der Straße. Bei ca. 500 mio Minus von Qimonda pro Quartal ist das Geld zusammen mit der Spritze aus Sachsen innerhalb von 1-2 Monaten verpufft. Und Qimonda steht keinen Deut besser da als jetzt, da jegliche Strategie, um das Geschäft profitabel zu machen, fehlt. Qimonda ist damals komplett schuldenfrei und mit einer Milliarde Startkapital von Infineon ausgegliedert worden. Es ist jammerschade, eines der einstigen Vorzeigeprojekte deutscher Ingenieurskust den Bach runtergehen zu sehen, aber gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen ist der falsche Weg.
dpa meldet:
"Sachsen sieht im Zusammenhang mit Rettungsbemühungen um die Infineon -Tochter Qimonda in Dresden keine Informationsdefizite. "Aus sächsischer Sicht haben die Gutachter von Arthur D. Little und Price Waterhouse Coopers gute Arbeit geleistet", sagte der Sprecher des sächsischen Finanzministeriums, Stephan Gößl, am Donnerstag auf Anfrage. "Von Unregelmäßigkeiten haben die Gutachter nicht berichtet." "
Also: keine "Luftbuchungen."
Auch eine Art der Verhandlung.
150? Nein! Dann nicht! Äh, 75? Mal sehen...