Von Thomas Öchsner und Nikolaus Piper

Zittern um Opel: Scheitern die Rettungsgespräche, müsste der Autokonzern wohl Insolvenz anmelden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur aktuellen Situation des Unternehmens.

Warum ist der Opel-Gipfel in Berlin gescheitert?

Opel, AP

Bangen um Opel: Scheitern die Gespräche mit Magna und Fiat, müsste das Unternehmen wohl Insolvenz anmelden. (© Foto: AP)

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Die amerikanische Regierung und der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) haben für die Bundesregierung völlig überraschend einen zusätzlichen Finanzbedarf von 350 Millionen Euro für Opel angemeldet. Als Überbrückungskredit nötig wären damit 1,85 Milliarden statt wie bisher vereinbart 1,5 Milliarden Euro. Der von staatlichen Banken in Deutschland zur Verfügung gestellte und mit staatlichen Bürgschaften abgesicherte Kredit sollte dazu dienen, den angeschlagenen Autobauer befristet finanziell abzusichern, um Zeit für eine langfristige Lösung zu gewinnen. Mit dem Finanzierungsloch steht auch die Treuhandlösung - die befristete Übernahme von Opel durch einen unabhängigen Treuhänder - wieder auf der Kippe. Sie wäre die Zwischenlösung bis zur Übernahme von Opel durch einen privaten Investor.

Geht es nicht auch um fehlende Sicherheiten?

Ja, die Amerikaner wollten einerseits Geld für Opel aus Deutschland, boten aber andererseits keine Sicherheiten, dass das deutsche Geld nicht versickert oder in die USA abfließt. Die Bundesregierung will aber das Risiko, dass die staatlichen Garantien fällig werden, so gering wie möglich halten. "Wir müssen bei einer Brücke auch das andere Ufer sehen", sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Es bleibe wichtig, "dass wir Steuergelder nicht versemmeln". Finanzminister Steinbrück sagte, wenn die Regierung einen Überbrückungskredit gewähre, sei vorher zu klären: "Wem gehört das Konto? Und wo liegt das Konto?"

Wie wahrscheinlich ist jetzt eine Insolvenz von Opel?

Noch geben sich zum Beispiel Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) optimistisch, dass bei der neu eingesetzten Verhandlungsrunde am Freitag eine Lösung gefunden wird. Die Bieter für Opel, der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna und der italienische Autobauer Fiat, seien "sehr daran interessiert, eine solche Vereinbarung abzuschließen", sagte Koch. Scheitern die Gespräche, sei die Gefahr einer Insolvenz von Opel sehr hoch, sagten mehrere Teilnehmer des ersten Spitzentreffens. Angeblich droht Opel und seiner britischen Schwestermarke Vauxhall in diesem Jahr ein Verlust vor Zahlung von Steuern in Höhe von etwa 2,2 Milliarden Euro.

Was würde bei einer Insolvenz von Opel passieren?

Dann würde zunächst ein vorläufiger Insolvenzverwalter bei Opel die Regie übernehmen. Aber auch dieser benötigt Geld, um das Unternehmen fortzuführen. Er wäre damit ebenfalls auf die Mithilfe von Bund, Ländern und staatlichen Banken angewiesen. Die Opel-Mitarbeiter bekämen in diesem Fall anstelle von Lohn und Gehalt für maximal drei Monate Insolvenzgeld aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Rechtsanwaltskanzlei Clifford Chance soll bereits an einem Plan für eine Insolvenz des Autobauers arbeiten. Dazu sei ein Team von Experten bereits vor dem Spitzentreffen zusammengezogen worden, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Clifford Chance ist seit längerem für GM tätig.

Welche Chancen und Risiken bietet eine Insolvenz von Opel?

Barbara Beutler, Vorstandsmitglied des Verbands Insolvenzverwalter Deutschlands, sieht in einer Insolvenz "die Chance für einen Neustart und eine nachhaltige Sanierung". Sie räumt aber auch ein, dass eine Insolvenz kurzfristig mit Umsatzeinbrüchen verbunden sei. Die Kunst bestehe darin, die Schwachstellen in dem Unternehmen schnell zu beseitigen und neue Umsätze zu erzielen. Der Automobilexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer hatte bereits Anfang der Woche gewarnt, dass bei einer Insolvenz der Verkauf um 30 bis 40 Prozent zurückgehen könne. Insgesamt würden Opel damit Umsatzeinbußen von vier Milliarden Euro in einem halben Jahr drohen.

Im zweiten Teil: Warum die Amerikaner nur mit drittklassigen Vertretern nach Deutschland kamen - und wie die Chancen für eine Rettung von Opel stehen.

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