Rettung von Krisen-Staat Zypern verkündet Hilfspaket, Troika widerspricht

Das nächste Kapitel der Euro-Rettung - oder doch nicht? Auch Zypern verkündet, dass EU und Internationaler Währungsfonds auf der Insel einspringen werden. Es soll um mehr als 17 Milliarden Euro gehen. Allerdings herrscht nun Verwirrung - die Helfer dementieren, dass schon alles klar ist.

Der nächste Euro-Staat erhält ein Rettungspaket - zumindest reklamiert die zyprische Regierung eines für sich. Nach langen Verhandlungen hat sie sich eigenen Angaben zufolge mit Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) geeinigt. Am Freitagnachmittag solle es in Brüssel bekanntgegeben werden, sagte ein Regierungssprecher.

Die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF widersprach allerdings: Man habe sich bislang nicht mit der Regierung in Nikosia auf die Bedingungen für ein Rettungspaket geeinigt. Es habe zwar Fortschritte gegeben, weitere Verhandlungen in den kommenden Wochen seien aber nötig, teilte die Troika mit.

Die Regierung Zyperns unterrichtete Parteispitzen und Gewerkschaften nach eigneen Angaben bereits über die Bedingungen des Abkommens. Besonders die Gewerkschaften befürchten harte Einschnitte, welche der Staat den Helfern im Gegenzug zusagen muss. Allerdings muss ein Hilfspaket erst von den nationalen Parlamenten der Euro-Zone abgenickt werden.

In zyprischen Regierungskreisen war am Donnerstag von einem Hilfspaket im Volumen von 17,5 Milliarden Euro die Rede gewesen. Das entspräche nahezu der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes von 18 Milliarden Euro. Investoren am zyprischen Aktienmarkt reagierten euphorisch, der Leitindex sprang um mehr als acht Prozent in die Höhe.

Zyperns Wirtschaft leidet unter einer tiefen Rezession. Dem drittkleinsten Euro-Mitglied macht vor allem die enge Verflechtung mit dem Krisenherd Griechenland zu schaffen. Banken des Inselstaates halten viele griechische Schuldtitel, die immer mehr an Wert verloren haben und im Falle einer griechischen Pleite wertlos wären. Außerdem gilt der Finanzsektor des Landes als aufgebläht und riskant - manche Beobachter fürchten einen Kollaps wie in Island 2008. Neben den Verhandlungen mit der EU versucht Zypern der BBC zufolge auch, einen Kredit von Russland zu bekommen. Über die Insel werden viele Geldströme von und nach Russland abgewickelt. Fast fünf Prozent der Einwohner sind Russen.

Erst am Mittwoch hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Landes gleich um zwei Noten herabgestuft. Obwohl sie das ganze Staatsgebiet für sich beansprucht, umfasst die Republik Zypern faktisch nur den Süden des Landes. Nordzypern, das von der Staatengemeinschaft nicht anerkannt wird, ist finanziell von der Türkei abhängig, die diesen Teil 1974 besetzte.