Von Kristina Läsker

Der Hamburger Anlagenbauer Repower sucht Wachstum auf dem Meer und in den USA. Die Konkurrenz aus Fernost wird schärfer.

Die Kunden schieben ihre Bestellungen immer wieder auf, die Konkurrenten kämpfen, die Investoren knausern - doch der Windenergiekonzern Repower gibt sich angriffslustig. Der Hamburger Hersteller werde in Deutschland weiter wachsen und Arbeitsplätze aufbauen, sagte Tulsi Tanti, Vorstandschef des indischen Mutterkonzerns Suzlon im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

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Windparks auf hoher See sollen's richten. (© Foto: dpa)

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Der Energiemanager rechnet damit, dass Repower ebenso wie die Branche nach einem momentanen Zwischentief von 2011 an "jährlich um 20 Prozent" zulegen werde. Bei einem solchen Marktwachstum dürfe "üblicherweise die Zahl der Arbeitsplätze um zehn Prozent steigen", versprach Tanti.

Der hanseatische Windturbinenbauer beschäftigt 1400 Menschen hierzulande, für den Mutterkonzern Suzlon arbeiten weitere 150 Menschen in Deutschland. Die Suzlon-Gruppe ist mit einem Marktanteil von 12,5 Prozent der drittgrößte Windenergie-Konzern der Welt und will bis 2015 weiteres Terrain erobern - bis zu einem Marktanteil von 20 Prozent. Zunächst aber steht Repower ein schwieriges Jahr bevor: Nach einem langen Aufschwung stagnierte der globale Markt zuletzt auf dem Niveau von 30 Milliarden Euro und dürfte nach Expertenmeinung weiter schwächeln, weil das Geld der Investoren nur zäh fließt.

Investitionsbereitschaft schwindet

Wegen der stockenden internationalen Klimaverhandlungen fehlt vielen Financiers ein klarer Rechtsrahmen - und so erlahmt ihre Bereitschaft, in grüne Technologien wie Windkraftwerke und Solaranlagen zu investieren. Anbieter wie Repower müssen sich somit für Verteilungskämpfe in Stellung bringen. "Der Markt ist heiß umkämpft", sagte auch Tanti.

Er erwartet, dass schon bald chinesische und koreanische Hersteller in die amerikanischen und europäischen Märkte dringen werden und den globalen Anbietern wie Vestas, General Electric, Siemens oder Suzlon das Geschäft erschweren. Allerdings geht Tanti nicht davon aus, dass die Zahl der Anbieter sinkt: "Ich erwarte keine größeren Zusammenschlüsse oder Fusionen."

Wie die Solarfirmen Solar Millenium, Q-Cells und die Bosch-Tochter Aleo Solar hat auch Suzlon angesichts der tiefen Umbrüche in der Branche zuletzt den Chef seines Windturbinenbauers ausgetauscht. Spätestens im Herbst soll der Leiter der Siemens-Windsparte, Andreas Nauen, den Repowerchef Per Hornung Pedersen ersetzen. "Andreas Nauen soll aus dem Mittelständler Repower ein globales Unternehmen machen", sagte Tanti. Nauen kenne sich "mit Großkonzernen und globalen Unternehmenskulturen" aus.

Zusätzliche Stärken

Pedersen, der als erfahrener Windenergiemanager gilt, soll trotzdem im dann fünfköpfigen Vorstand bleiben und sich um Marketing und Vertrieb kümmern. Das ist ungewöhnlich. Tanti widersprach allerdings der Deutung, er habe Pedersen degradiert: "Wir ergänzen den Vorstand mit zusätzlichen Stärken", sagte er. Pedersen selbst sei "einverstanden mit der Entscheidung und verstehe die Interessen der Firma". Es sei "sehr klar", dass dieser nicht kündigen werde. In der Branche gilt es als ausgemacht, dass Nauen vor allem dabei helfen soll, für Repower mehr rentable Großprojekte auf hoher See zu ergattern. "Für die europäischen Märkte bieten die zusätzlichen Off-Shore-Windparks die größten Chancen", sagte Tanti.

Das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr dürfte aber schwächer ausgefallen sein als geplant. "Aufgrund des schwachen Marktumfeldes sind wir im Vergleich zum Vorjahr eher geringfügig gewachsen", sagte Tanti. Es gebe eine wachsende Unsicherheit, weil Kunden Projekte verschieben - auch wegen des harten Winters, wie Repower bereits im Februar mitgeteilt hatte. Allerdings hatte der Vorstand damals an der Prognose von einem Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro und einer Gewinnmarge (Ebit) von 7,5 Prozent festgehalten. Dieses Ziel könnte Repower verfehlen. Im Herbst lag der Auftragsbestand bei 607 Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von 1,4 Gigawatt. Das waren etwa 100 Anlagen weniger als vor einem Jahr.

Kräftiges Wachstum

Diese Situation habe sich zuletzt gebessert, sagte Tanti: "Unsere Auftragsbücher sind so gut gefüllt, dass wir im nächsten Jahr ein kräftiges Wachstum erwarten." Zulegen will der Konzern mit neuen Bestellungen aus Süd- und Osteuropa, den USA und Kanada: "Repower plant kurzfristig keine Zukäufe, wir wollen aus eigener Kraft wachsen." In fünf Jahren, so lautet zumindestens die Vision von Tulsi Tanti, soll seine Gruppe dann in 40 statt bisher 20 Ländern weltweit Windanlagen verkaufen.

Nicht äußern wollte sich Tanti zu der ausstehenden Übernahme der restlichen Repower-Aktien. Der Energiekonzern Suzlon aus Pune hält gut 90 Prozent an dem börsennotierten Anlagenbauer. In der Finanzbranche heißt es, dass die Inder in naher Zukunft weitere Anteile übernehmen wollen. Sobald der Mehrheitseigner 95 Prozent der Aktien hält, darf er die restlichen Aktionäre in einem so genannten Squeeze-Out-Verfahren hinausdrängen. Vor allem zwei US- Hedgefonds hätten dies zuletzt blockiert, um den Preis hochzutreiben, heißt es. Suzlon hatte die Mehrheit an Repower vor 2007 nach einem Bieterkampf mit dem französischen Atomkonzern Areva erworben.

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(SZ vom 9.4.2010/wolf)