Der nordrhein-westfälische Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers nutzt die Debatte über die Renten-Erhöhung, um mit dem Vorschlag der Mindestrente Aufmerksamkeit zu erzeugen. Doch die Idee geht in die falsche Richtung.
Ratlose Politiker erkennt man gemeinhin an ihren Fragen. Je mehr Fragen sie stellen, desto weniger Antworten geben sie meist. Dem flüchtigen Zuhörer gaukeln sie damit Kompetenz vor. Vielleicht tröstet sie auch, dass die Fragen immerhin klüger klingen als die der Kollegen der andern Parteien. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat seine Ratlosigkeit dieser Tage einmal anders dokumentiert.
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Rüttgers gibt mit seiner Forderung nach einer Mindestrente eine Antwort auf ein Problem, das als massenhaftes Phänomen noch nicht existiert und von dem keiner genau weiß, wie es in Zukunft aussehen wird: Altersarmut. Sein Plan: Jeder, der 35 Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse gezahlt hat, soll eine Rente bekommen, die etwa 15 Prozent höher ist als die Sozialhilfe im Alter, die Grundsicherung. Im Gegensatz zur bestehenden Regel will er die Dauer der Arbeit belohnen und weniger ihren Ertrag. Das hört sich gut an. Doch ist seine Antwort falsch - egal wie die Zukunft aussieht.
Zunächst einmal suggeriert Rüttgers, dass Altersarmut bereits jetzt weit verbreitet ist, oder sie es in naher Zukunft sein wird. Das ist ein geläufiger Irrtum, weil in Diskussionen zur Finanzlage der Senioren meist nur von den Zahlungen aus der gesetzliche Rente die Rede ist. Entscheidend ist aber das gesamte Einkommen - und das ist höher. So verfügen 40 Prozent der Haushalte mit Menschen zwischen 65 und 75 Jahren über 1500 bis 2600 Euro im Monat. 15 Prozent haben sogar mehr als 3600 Euro. In der Gruppe der 60- bis 65jährigen hat gut ein Drittel der Haushalte mehr als 3600 Euro. Damit soll nicht geleugnet werden, dass es arme alte Menschen gibt. Betroffen sind vor allem Frauen über 75. Dennoch: Im Durchschnitt geht es den Rentnern derzeit besser als vielen anderen.
Zweitens: Rüttgers hat recht, wenn er sagt, dass es in Zukunft deutlich mehr arme Alte geben wird. Bedroht sind im Wesentlichen drei Gruppen. Zum einen Arbeitnehmer, die dauerhaft von absoluten Niedriglöhnen leben müssen und entsprechend wenig in die Rentenversicherung einzahlen können. Die zweite Gruppe umfasst Menschen, die zudem über lange Zeit ihres Berufsleben arbeitslos waren. Schließlich trifft es Selbstständige, die als Subunternehmer arbeiten und dabei so wenig verdienen, dass sie nicht für ihre Absicherung im Alter sparen können oder wollen, sogenannte Solo-Selbständige. Weil das Rüttgers-Modell sich aber an den Beitragsjahren orientiert, würde es zwei der drei Problemgruppen gar nicht helfen. Weder die Solo-Selbständigen noch die Langzeitarbeitslosen zahlen schließlich 35 Jahre lang in die Rentenkasse ein.
Drittens: Rüttgers' Vorschlag verletzt eine entscheidende Grundregel des Systems, das Äquivalenzprinzip. Das bedeutet: Für jeden eingezahlten Euro gibt es eine entsprechende Rente als Gegenleistung. Die betroffenen Rentner bekommen also deshalb wenig, weil sie wenig eingezahlt haben. Armen Menschen aus der Not zu helfen, zählt aber nicht zu den Aufgaben der Rentenkasse. Dafür ist die Sozialhilfe da. Rüttgers' Plan würde das System überfordern und die Renten noch mehr nach der Kassenlage ausrichten.
Viertens: Mit der Konzentration auf die Jahre missachtet Rüttgers auch eine andere Facette des Äquivalenzprinzips: Die eingezahlte Summe zählt. Egal ist, wie lange einer dafür braucht. Nach Rüttgers erhielte ein Rentner mehr Geld, wenn er in 35 Jahren eine niedrige Summe eingezahlt hat. Dieses Plus bekäme nicht, wer für den gleichen Betrag nur 25 Jahre gebraucht hat. Gerecht ist das nicht. Zudem lädt das Modell des CDU-Politikers dazu ein, von findigen Finanzplanern ausgenutzt zu werden. Ein Arzt zum Beispiel könnte seine Frau pro forma 35 Jahre lang in seiner Praxis anstellen, zu einem geringen Gehalt und niedrigen Beiträgen. Würde ihre Rente dann aufgestockt, entstünde eine Rendite, mit der sonst nur Hedge-Fonds kalkulieren.
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(SZ vom 24.04.2008/mel)
Gysi gegen Lafontaine
Ja, den Welthandel gab es schon immer, dank der immer besser werdenden Verbindung, der Öffnung neuer Märkte und den sich daraus erschließenden Möglichkeiten für Geschäftsmänner wächst der markt schneller als das soziale System. das müssen die entsprechenden Länder wohl noch lernen, dass Wachstum nicht automatisch Wohlstand für alle bedeutet. Insofern ist Europa denen weit voraus. Global agierende Unternehmen sind faktisch dazu gezwungen, sich die billigsten Möglichkeiten zu Nutze zu machen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ich betrachte es allgemein als Zeit des Wandels, für alle Beteiligten. Momentan sieht es so aus, als ob das Raubtier Kapitalismus seinen Beutezug unbeeindruckt durchzieht, ich denke aber, wenn man merkt, dass allgemeine Kaufkraft sinkt, da Bevölkerungen schlicht kein Geld zum Ausgeben haben, dieses Raubtier ganz schnell gezähmt wird, weil eigener Reichtum alleine nichts bringt.
Das mag jetzt alles pathetisch klingen, aber 1. wird es kaum weltweit wirksame Gesetze geben, die sich alle Regierungen gemeinsam auf die Fahne schreiben, 2. muss sich der markt selbst regulieren und zwar dahingehend, dass es wirtschaftlich unsinnig ist, einfach nur auszubeuten, was auszubeuten möglich ist.
Nichtsdestotrotz bedarf es hierzulande entsprechende Änderungen, um ein Maß an Gerechtigkeit herbei zu führen. Solidarität muss teilweise erzwungen werden, teilweise muss dem Menschen klar sein, dass ein leben mit H4 kein Ziel sein kann und der Staat nicht für das eigene Auskommen verantwortlich sein kann.
Richtig. Darum heist es ja auch Generationenvertrag.
Was, so wie es medienwirksam getrommelt wird, nicht stimmt ist der Schluß die Renten sind nicht sicher, da es immer mehr Pensionisten gibt.
Um die Jahrhundertwende kamen auf einen Erbwerstätigen mehr Personen ohne Einkommen als jetzt. Wenn man jetzt den Anstieg der Produktivität berücksichtig kann man wahrlich nicht davon sprechen, dass zuwenig aktive Erwerbstätige zuvielen nicht aktiven gegenüber stehen.
An und für sich paradox: Die Produktivität steigt und die Realeinkommen sinken. Ein Schelm der böses dabei denkt.....
Guido Bohsern vergisst, daß ursprünglich der Rentenvertrag darauf beruhte, daß Kinder erzogen wurden. Es genügt nicht, daß jemand nur Beiträge gezahlt hat, sondern es müssen Beiträge UND Kinder erzogen werden. Das heutige Rentensystem ist in einer Schieflage, weil nur diejenigen eine gute Rente erhalten, die lange und viel einzahlen konnten. Das sind in der Regel Männer und Kinderlose. Wer Kinder hatte, war im Westen benachteiligt, denn er konnte nicht arbeiten UND Kinder erziehen. Die Rahmenbedingungen waren hierzu einfach nicht da. Infolgedessen werden Rentner bzw. Rentnerinnen mit Kindererziehungsleistung benachteiligt. Vergessen wird auch, daß die monetäre Investitionen in Kinder (pro Kind 70.000,- ) gleichwertig ist mit der Renteneinzahlung, denn gäbe es diese Nachkommenr nicht, bekämen die jetzigen Rentner kein Geld.
Die Gesellschaft kann sich auf Dauer nicht eine privilegierte Gruppe mit höchsten Rentenansprüchen leisten und eine billige, unterprivilegierte Gruppe mit niedrigsten Rentenansprüchen, die für die Produktion von Humankapital zuständig ist.
Unabhängig davon ob die Klimaerwärmung auf den Menschen zurück zu führen ist oder nicht, dürfte sich unser Klima gerade ändern.
Wie auch immer. Wenn die größten CO2-Verursacher USA, Indien und China bei diesem Projekt nicht mitmachen, empfinde ich das Vorhaben als sinnlos. Da können unsere Politiker noch so laut die Werbetrommel rühren, aus der Sicht von China oder den USA besteht die Welt eben nicht nur aus Europa - ganz im Gegenteil.
Seitens so manchem Politiker muss eine partielle Demenz vorgelegen sein, als sie für die Umsetzung dieser Ziele gestimmt haben. Demenz insoferne, dass das Geld das hier als Strafe bereits von vornherein feststand (wie kann man solche Vorgaben manchen?!?), von jemand erwirtschaftet werden muss. Aber für so manchem Politiker wächst Geld auf Bäumen....
Grundsätzlich wäre die Idee ja richtig. Egal ob es jetzt Auswirkungen auf den Klimawandel hat oder nicht, macht es schon Sinn die Luft nicht weiter zu verpesten. Aber bitte doch mit mehr Verstand und Rücksicht auf die realen Gegebenheiten.
Was glauben Sie, wohin uns der CO2 Zertifikatehandel führen wird?
(1) Es werden etliche Händler dieser CO2 Börse alleine durch Ihre Anwesenheit stinkreich. Aber das ist nicht der Punkt.
(2) Gratis emittierte Zertifikate werden wie jetzt beim Strom den Endverbraucher teuer zu stehen kommen, aber das ist auch nicht der Punkt. Alleine die Verwaltung und der Handel dieser Zertifikate ist hochbezahlter Aufwand, der Produkte teurer machen wird.
(3) Produkte aus Ländern, die sich nicht dem Handel anschließen (wie sicherlich China) werden beim Import mit CO2-Strafsteuern belastet werden.
(4) Folge: Der "zivilisierte" Teil der Welt schottet sich gegen den "unzivilisierten" Teil ab, unsere Preise für bestimmte importlastige Produktgruppen werden steigen (müssen) und unsere Exporte durch Gegenmaßnahmen der betroffenen Länder sinken.
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