Von Antje Schweitzer

Eigenheimzulage hin oder her: Noch nie waren die Finanzierungsbedingungen für Bauherren so günstig wie heute

Wohneigentum bedeutet Lebensqualität, das mietfreie Heim die sichere Privatrente im Alter. Wer Grund und Boden heute solide finanziert, kann seine Zukunft in vollen Zügen genießen.

Heutige Monatsmiete im 1. Jahr in 10 Jahren in 20 Jahren in 30 Jahren
300 3.600 40.332 91.961 158.050
400 4.800 53.776 122.614 210.733
500 6.000 67.220 153.288 263.416
750 9.000 100.830 229.902 395.124
1.000 12.000 134.441 306.536 526.832
Alle Angaben in Euro; Mieterhöhungen von 2,5 Prozent pro Jahr einkalkuliert. Quelle: Deutsche Bank

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Wie eindrucksvoll! Rund 43 Prozent der Haushalte zwischen Kampen und Kempten leben in den eigenen vier Wänden. Wie kläglich! Mit dieser Eigentumsquote rangiert Deutschland im europäischen Vergleich weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. In Frankreich, Spanien oder Irland wohnen viel mehr Menschen im Eigenheim. Dafür ist in Deutschland die Quote derjenigen, die von einem Leben als Hausbesitzer träumen, enorm hoch. So belegen jährlich wiederkehrende Meinungsumfragen, dass rund achtzig Prozent der Mieter-Haushalte sich nichts so sehr wünschen wie das Haus am Stadtrand oder die Eigentumswohnung in Citylage. Allein: zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen oft Welten. Viele Deutsche, speziell junge Familien, scheuen die langfristigen finanziellen Verbindlichkeiten, die eigener Grund und Boden zwangsläufig mit sich bringen. Doch bei durchschnittlicher Miethöhe und nur moderatem Miettrend überweist man dem Hauswirt alles in allem rund mehrere hunderttausend Euro (siehe unten). Das Geld aber ist besser in die eigene Lebensqualität und das Familienvermögen investiert. Und schließlich kann die selbst genutzte Immobilie ein ganz wesentlicher Baustein der privaten Altersvorsorge sein, wie auch Bernd Katzenstein, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) meint: "Mit einer selbst genutzten Immobilie lässt sich im Ruhestand mietfrei wohnen und damit ein ganz erheblicher Teil an Lebenshaltungskosten einsparen."

Nach 30 Jahren schuldenfrei

Das Argument sticht. Wer beim Eintritt ins Rentenalter über entschuldetes Wohneigentum verfügt, kann allein durch die ersparte Miete einen Gutteil der immer größer werdenden Lücke zwischen Rente und vorherigem Nettoeinkommen schließen. Und er hat zugleich die Versicherung gegen wachsende Mietbelastungen mitgekauft. Mieten werden schneller steigen als Rentenzahlungen. Neben Unabhängigkeit, Sicherheit und einer sehr guten Altersvorsorgeform können Immobilienerwerber im langfristigen Durchschnitt mit einem stetigen Wertzuwachs von rund 1,5 Prozent jährlich für Haus oder Wohnung rechnen. Eines der wichtigsten Argumente, den Plan vom eigenen Haus nicht auf die lange Bank zu schieben: Baugeld ist aktuell beinahe rekordverdächtig preiswert. Ein Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung ist schon für rund vier Prozent effektiv zu haben. Das aktuelle Zinstief sorgt für Hochstimmung bei jenen, die sich zum Kaufen oder Bauen entschlossen haben. Tipp: Wer seinen Kredit erst in ein oder zwei Jahren braucht, kann mit Hilfe eines so genannten Forward-Darlehens die aktuell niedrigen Zinsen konservieren.

Weiterer Pluspunkt: Noch greift Vater Staat Häuslekäufern und Bauherren unter die Arme. Wer jetzt einen Bauantrag stellt oder einen Kaufvertrag unterschreibt, erhält bis 1250 Euro pro Jahr während des achtjährigen Förderzeitraums. Auch für Objekte aus zweiter Hand beläuft sich der jährliche Förderbetrag auf 1250 Euro. Hinzu kommen Fördergelder für den Nachwuchs (800 Euro pro Sprössling und Förderjahr). Gefördert werden Singles, deren Einkommen – "Summe der positiven Einkünfte" – im Erwerbs- und vorherigen Jahr 70 000 Euro nicht überschreitet. Für Verheiratete liegt die Einkommensgrenze bei 140 000 Euro. Mit jedem Kind in der Familie, für das es im Jahr des Einzugs Kindergeld gibt, steigt diese Einkunftsgrenze um 30 000 Euro.

Trotzdem will die wahrscheinlich größte Investition im Leben gut überlegt sein. Ohne Eigenkapitalpolster von etwa 20 Prozent des Kaufpreises sollten Bauoder Kaufwillige überhaupt nicht starten. Danach gilt es zu prüfen, ob im Budget genug Luft ist, die regelmäßigen Zins- und Tilgungsleistungen für das übliche Hypothekendarlehen zu tragen. Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, die Gebühren für den Notar und den Grundbucheintrag kommen zum reinen Kaufpreis beziehungsweise den Baukosten hinzu und müssen auch finanziert werden. Pluspunkt: Im Schnitt nach den ersten zehn Jahren, in denen die finanzielle Belastung von Immobilienerwerbern größer ist als bei vergleichbaren Mieterhaushalten, kehrt sich das Verhältnis zugunsten des Hauseigentümers um.

Entscheidend ist, dass man früh genug beginnt und bei der Finanzierung alles richtig macht. Bauherren und Käufer, die über ein gutes finanzielles Polster verfügen und in der Lage sind, mehr als das übliche ein Prozent Tilgung aufzubringen, sind pünktlich zur Rente schuldenfrei. Vorausgesetzt, sie bauen oder kaufen ihre eigenen vier Wände im Alter von 35 Jahren und tilgen jährlich zwei Prozent, gehört die Immobilie bei einem Nominalzinssatz von vier Prozent nach etwas mehr als 20 Jahren ihnen. Wer sich nur die Ein-Prozent-Tilgung leisten kann, ist bei gleichen Finanzierungsbedingungen nach knapp 36 Jahren schuldenfrei. Daher gilt: Eigenheim-Erwerber, die pünktlich zum Rentenalter ohne Zins und Tilgung auskommen wollen, müssen den Grundstein fürs Eigenheim bereits in jüngeren Jahren legen. Denn private Altersvorsorge braucht ihre Zeit. Wer seinen Altersruhesitz nicht auf Sand bauen will, verwirklicht seine Eigenheimpläne so früh wie möglich.

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(Süddeutsche Zeitung vom 25./26.06.2005)