Renault und Opel werben in Frankreich auf Deutsch "Isch bin ein Berliner"

So ein sympathischer Franzose - und dann spricht er ausgerechnet die hässliche Sprache des Nachbarn! Renault wirbt in seinem Heimatland auf Deutsch. Der Spot ist eine Persiflage auf den durchaus selbstbewussten Werbefilm des deutschen Rivalen Opel.

Von Michael Kläsgen, Paris

Es gab Zeiten - sie sind noch gar nicht so lange her -, da sprachen Deutsche im Ausland nur halblaut. Sie wollten nicht erkannt werden. Zumindest in der Auto-Industrie ist es damit seit geraumer Zeit vorbei.

Nun setzt sogar der französische Hersteller Renault in seinem Heimatland auf die deutsche Sprache. Mit deutsch-französischem Kauderwelsch werden die eigenen Automobile in Szene gesetzt, und das in einem Land, das sich sehr gegen Sprach-Invasoren wendet und zum Beispiel Anglizismen bannt. Auf allen Fernsehkanälen Frankreichs ist derzeit ein sympathischer Franzose zu sehen, der halb auf Deutsch, halb auf Französisch die Vorzüge des neuen Mégane 3 anpreist, mit französischen Untertiteln.

Der Werbespot gipfelt im Spruch: "Isch bin ein Berliner." La berline, das ist das französische Wort für Limousine. Es geht um "Qualität auf französische Art". Das Ganze ist eine amüsante und leichtfüßige Persiflage - auf einen Werbefilm, mit dem Opel in Frankreich Furore gemacht hat.

Die Rüsselsheimer haben in Frankreich seit einem Jahr ganze Werbespots auf Deutsch gesendet. Die kommen nicht besonders schüchtern daher, sind aber glücklicherweise mit Selbstironie versehen. Der französische Ableger des Werbekonzerns McCann Erickson hat sich die Kampagne für bislang vier Modelle (Corsa, Zafira, Astra und Meriva) ausgedacht.

Jeweils geht es um die herausragende Qualität von Opel, was deutsche Betrachter verwundern mag. In Frankreich enden alle deutschen Opel-Spots mit einem feisten Kommentar in der Sprache Molières: "Es ist nicht nötig, Deutsch zu sprechen, um zu verstehen, dass dies ein echtes deutsches Auto ist." In Internetforen gilt der Satz: "Ich bin mélomane" (musikbegeistert) bereits als kultverdächtig. Wohl, weil er lautmalerisch eng verwandt ist mit "mégalomane" (größenwahnsinnig). Er folgt auf eine lange Hommage an die Musikanlage im neuen Mégane, die vom US-Hersteller Bose stammt.

Der Einsatz der Originalsprache im Ausland durch germanische Anbieter hat Tradition. VW pries einst in den USA - unübersetzt - das "Fahrvergnügen". Längst künden die Wolfsburger in aller Welt von "Das Auto", ganz so als gäbe es nur eins, das von Volkswagen. Die Konzerntochter Audi wiederum protzt auch fern der Heimat mit dem in Deutsch gehaltenen Slogan "Vorsprung durch Technik".

Aber das deutsche Duell zwischen Opel und Renault in Frankreich zeigt eine neue Dimension. Es hat gleichwohl einen ernsten Hintergrund: Der Rüsselsheimer Opel-Direktor für das Brand-Marketing mit dem undeutschen Namen Tomás Caetano sagt, die Kampagne habe alle Erwartungen weit übertroffen. Die Verkaufszahlen seien nach oben geschnellt, die Markenwahrnehmung habe sich in Frankreich um 300 Prozent verbessert.

Der Marken-Direktor hält die Replik Renaults auf den Erfolg von Opel für "unsouverän". Das Argument von Kritikern, wonach Opel als Teil von General Motors (Detroit) so deutsch nicht sei, lässt er nicht gelten. Opel-Autos würden größtenteils in Deutschland hergestellt. Eine Antwort auf die Reaktion von Renault hat Rüsselsheim schon parat. In ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen warnt Opel augenzwinkernd vor "Imitaten" seiner Werbung. Für die dort angepriesenen Autos könne man keine Verantwortung übernehmen. Die Wagen könnten aber gegen einen neuen Opel eingetauscht werden.

Behutsamst überarbeitet

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