Renault Ärger mit den Abgaswerten

Produktion in Slowenien. Renault weist Betrugsvorwürfe zurück.

(Foto: Oliver Bunic/Bloomberg)
  • Bei Renault wurde bislang keine Betrugsssoftware gefunden.
  • Allerdings hat eine Untersuchung ergeben, dass manche Renault-Fahrzeuge Grenzwerte für den Ausstoß von CO2 und Stickoxid überschreiten.
Von Leo Klimm, Paris

Nach Volkswagen hat auch Konkurrent Renault Ärger wegen der Abgaswerte seiner Dieselmotoren: Die französische Behörde für Betrugsbekämpfung DGCCRF hat im Zuge von Ermittlungen zum VW-Skandal an drei Renault-Standorten Razzien durchgeführt - unter anderem am Konzernsitz in der Nähe von Paris.

Die Durchsuchungen fanden schon vergangene Woche statt, wurden aber erst am Donnerstag durch Informationen von Gewerkschaftern bekannt. Renault bestätigte die Razzien, bestritt jedoch Betrügereien: Die Ermittlungen hätten "keinen Hinweis auf die Existenz von Manipulationssoftware in den Fahrzeugen von Renault" ergeben.

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Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal bestätigte dies am Donnerstagabend. Allerdings habe eine von ihr angeordnete Untersuchung ergeben, dass manche Renault-Fahrzeuge Grenzwerte für den Ausstoß von CO2 und Stickoxid überschritten. Dennoch habe sie "volles Vertrauen" in das Unternehmen. Ganz anders die Finanzmärkte: Die Renault-Aktie verlor am Donnerstag zeitweise 23 Prozent an Wert.

Nach der Stellungnahme des Konzerns und der Ministerin schloss der Titel den Tag mit einem Minus von 10 Prozent. Offenkundig fürchten die Anleger eine Ausdehnung des VW-Dieselskandals auf Renault. Der Gewerkschaft CGT zufolge konzentrierte sich die Razzia im Technikzentrum von Lardy südlich von Paris auf den Bereich "Typenzulassung und Motorenkontrolle". Die Ermittler hätten die Computer mehrerer Führungskräfte beschlagnahmt. Ein Vertreter der Gewerkschaft CFDT berichtete, er habe am Mittwoch von der Unternehmensführung keine Antworten auf Fragen zu den Durchsuchungen erhalten.

Viele Modelle werden untersucht

Die Ermittlungen bei Renault laufen im Rahmen einer breiteren Untersuchung von hundert Modellen verschiedener Hersteller, die Royal nach Bekanntwerden des VW-Skandals veranlasst hat. Nach ersten Stichproben im Herbst will sie garantieren, dass nicht weitere Autobauer die Kunden und Behörden hinsichtlich des Diesel-Ausstoßes ihrer Fahrzeuge täuschen.

Renault erklärte am Donnerstag, die Durchsuchungen durch DGCCRF hätten lediglich dazu gedient, erste Erkenntnisse der von Royal eingesetzten Sonderkommission endgültig zu bestätigen. Der Hersteller kooperiere "in vollem Umfang" mit der Kommission. Der deutsche Renault-Partner Daimler bestätigte die Darstellung: Die in einigen Modellen der Daimler-Tochter Mercedes eingesetzten Geräte enthielten keine Software zur Abgasmanipulation.

Daimler kooperiert nicht nur beim Autobau mit Renault, sondern hält auch einen Anteil am Konzern. Noch stärker ist die Verflechtung von Renault mit dem japanischen Hersteller Nissan, an dem die Franzosen fast die Hälfte der Anteile besitzen: Viele Fahrzeuge von Renault und Nissan basieren auf der selben Technik. Auch der französische Staat hat erhebliche finanzielle Interessen. Er hält 20 Prozent der Renault-Aktien und befindet sich so in einer Doppelrolle, die in einen Interessenkonflikt münden könnte.

Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hatte nach Bekanntwerden des VW-Skandals versichert, Frankreichs Autohersteller hätten keine Tricks nötig. Die französische Industrie sei Spitze bei schadstoffarmen Dieselmotoren. Auch am Donnerstag beschwichtigte er: Der Fall Renault sei mit Volkswagen nicht vergleichbar. Ende November war Renault schon einmal ins Zwielicht geraten. Die Deutsche Umwelthilfe sprach von einem "auffälligen Muster" bei Tests am Renault Espace mit 1,6-Liter-Dieselmotor. Der Wagen überschritt in Tests Stickoxid-Grenzwerte. Renault konterte, alle Modelle entsprächen den vorgegebenen Werten - und äußerte Zweifel am Testverfahren der Umwelthilfe. Nun aber bestätigte Royal Grenzwertverletzungen bei Fahrzeugen von Renault und zwei nicht näher benannten nicht-französischen Autobauern.

Peugeot Citroën, Frankreichs größter Autohersteller, erklärte am Donnerstag, bei ihm seien alle Diesel-Überprüfungen ohne auffälliges Ergebnis geblieben. Dennoch verlor auch die Peugeot-Aktie im Sog von Renault deutlich.