Reinhold Achatz Siemens-Forschungschef wechselt zu Thyssen-Krupp

Thyssen-Krupp hat erneut einen prominenten Manager von Siemens abgeworben. Der Forschungschef des Münchner Technologiekonzerns, Reinhold Achatz, wechselt nach Informationen der SZ nach Essen. Seit Wochen machen Spekulationen die Runde, die beiden Industriekonzerne könnten enger zusammenrücken. Beide Unternehmen dementieren aber einen Zusammenhang.

Von Caspar Busse

Ein weiterer prominenter Siemens-Manager wechselt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung zum Thyssen-Krupp-Konzern: Reinhold Achatz, 57, bisher Leiter der gesamten Forschungsabteilung bei Siemens, geht in gleicher Funktion zum 1. April nach Essen. Die brisante Personalie wurde am Mittwoch bei Siemens intern verkündet.

Reinhold Achatz, hier auf einem Foto von 2009, ist bislang Forschungschef des Technologiekonzerns Siemens. Anfang April wechselt er in gleicher Funktion zu Thyssen-Krupp.

(Foto: Siemens AG)

Achatz arbeitete bisher direkt unter dem Siemens-Vorstand, zu seinem Bereich zählen 5800 Mitarbeiter. Er ist seit 2006 verantwortlich für die gesamten weltweiten Forschungsaktivitäten des Konzerns. Ein Siemens-Sprecher teilte der SZ dazu mit: "Dies ist eine rein persönliche Entscheidung von Herrn Achatz, der seine weitere berufliche Karriere außerhalb von Siemens verfolgen wird."

Personalwechsel zwischen den beiden Dax-Unternehmen sind besonders heikel. Auch Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger, seit Januar 2011 im Amt, war von Siemens gekommen. Gerhard Cromme ist Vorsitzender des Aufsichtsrats beider Konzerne. Zuletzt gab es auch immer wieder Spekulationen, Siemens und Thyssen-Krupp könnten enger zusammenrücken und planten möglicherweise mittelfristig einen Zusammenschluss.

Beide Konzerne weisen die Gerüchte zurück. Auch die Personalie Achatz sei kein Indiz für ein Zusammenrücken. "Es ist Unsinn, in diesen Wechsel eine firmenstrategische Entscheidung hineinlesen zu wollen", heißt es in Siemens-Kreisen. Achatz soll in seiner neuen Funktion bei Thyssen-Krupp direkt an Konzernchef Hiesinger berichten, heißt es.

Reinhold Achatz arbeitet bereits seit 1980 für Siemens, er heuerte als Software-Ingenieur an, war dann in verschiedenen Siemens-Bereichen tätig, erhielt sogar die Auszeichnung "Siemens Top Innovator" und ist Mitglied des deutschen Wissenschaftsrats. Seit Oktober 2006 ist er Forschungschef.

Der Bereich soll nun umgebaut werden. Der zuständige Siemens-Vorstand Klaus Helmrich will die Kompetenzen neu verteilen. Achatz würde damit an Einfluss verlieren. Auch deshalb soll er sich zu einem Wechsel zu Thyssen-Krupp entschieden haben. Hiesinger will Thyssen-Krupp zu einem weltweit tätigen Technologiekonzern umbauen und damit unabhängiger von der sehr schwankungsanfälligen Stahlkonjunktur machen. Achatz könnte dafür wertvolle Unterstützung geben.