Reichtum Vermögen der Deutschen groß wie nie

Der Reichtum trotzt der Krise: Das Geldvermögen der Deutschen wächst zusammengezählt auf einen neuen Rekordstand. Doch die Angst vor dem Crash drückt das Wachstum.

Mitten in der europäischen Schuldenkrise sind die Menschen in Deutschland so reich wie nie zuvor - zumindest zusammengerechnet. Im Frühjahr addierte sich das Geldvermögen aller privaten Haushalte nach Zahlen der Bundesbank auf die Rekordsumme von 4,8 Billionen Euro. Angesichts der Krise schichteten allerdings immer mehr Deutsche ihr Geld in Anlagen mit geringerem Risiko und geringeren Zinsen um, hieß es.

Geparkt wird das Vermögen laut Bundesbank derzeit vor allem auf Giro- und Tagesgeldkonten - oder als Cash-Reserve. Bargeld und Sichteinlagen der Deutschen stiegen im zweiten Quartal um 25,5 Milliarden Euro, außerdem kauften die Anleger Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Euro. Auch Versicherungen stehen hoch im Kurs, die Ansprüche stiegen um knapp 12,5 Milliarden Euro.

Sparbriefe, Investmentzertifikate sowie festverzinsliche Wertpapiere wie Staats- oder Unternehmensanleihen wurden dagegen verkauft. Mit der Umschichtung des Geldes in vermeintlich risikoarme Anlageformen mit geringeren Zinsen riskierten die Sparer, dass die Inflation das Ersparte langsam auffresse, so die Bundesbank.

Die sinkende Risikobereitschaft sei ein Grund, warum sich das Vermögenswachstum im Frühjahr deutlich abgegremst habe, schreibt die Bundesbank. Im Vergleich zum ersten Quartal stieg das Vermögen nur um 0,2 Prozent. Als weiteren Grund für die Abschwächung nennt die Notenbank die erheblichen Kursverluste an den Kapitalmärkten von April bis Juni, die das Vermögen der Deutschen um rund 30 Milliarden Euro geschmälert hätten.

Im langfristigen Vergleich wächst das Vermögen der Deutschen aber weiterhin deutlich. Im Vergleich zu 2011 lagen die Ersparnisse zuletzt rund 101,5 Milliarden oder 2,2 Prozent höher. Vor 20 Jahren hatte das Vermögen der privaten Haushalte noch einen Wert von 1,9 Billionen Euro, vor zehn Jahren waren es 3,6 Billionen Euro.

In die Statistik gehen Vermögen aus Bankeinlagen, Wertpapieren oder Ansprüchen aus Versicherungen ein; Immobilien oder Vermögensgegenstände wie Autos oder Kunst sind nicht enthalten.

Die Verschuldung der privaten Haushalte nahm nach den Angaben im zweiten Quartal 2012 nur leicht zu. Per Saldo wurden Kredite von knapp 7 Milliarden Euro aufgenommen, vor allem für den Wohnungsbau, berichtete die Bundesbank. Damit haben die Deutschen Schulden in Höhe von 1,6 Billionen Euro.