Regierung berechnet Renten für Frauen Vom Minijob in die Altersarmut

Schon 2025 könnten zehn statt wie bisher zwei Prozent der Rentner so arm sein, dass sie staatliche Hilfe benötigen. Die meisten von ihnen werden ehemalige Minijobberinnen sein - sofern die Unternehmen nicht endlich die Potenziale der Frauen entdecken.

Ein Kommentar von Thomas Öchsner

Sie servieren Essen, räumen Regale ein, gehen putzen und haben eines gemeinsam: Millionen Frauen haben einen 400-Euro-Job. Viele bekommen nichts anderes, weil Firmen keine besseren Stellen anbieten. Viele wollen es aber auch so, angelockt vom Prinzip "netto gleich brutto". Im Ruhestand kann sich dies als verhängnisvoll erweisen, wie jetzt erneut Berechnungen der Bundesregierung nahelegen. Der Minijob droht für sie eine Brücke zur Altersarmut zu werden.

Sicher, man darf die Lage nicht dramatisieren. Die meisten Menschen werden auch in Zukunft im Alter mit einem anderen Partner zusammenleben und dadurch ein ausreichendes Haushaltseinkommen haben. Oder sie haben weitere Einkünfte oder besaßen eine Vollzeitstelle, die ihnen Anspruch auf eine halbwegs ordentliche Rente beschert. Trotzdem könnten schon 2025 zehn statt wie bisher gut zwei Prozent der Rentner so arm sein, dass sie staatliche Hilfe benötigen. Und das werden vor allem Frauen sein. Dazu trägt das sinkende Rentenniveau bei, aber eben auch Mini- und Teilzeitjobs, mit denen sich keine ausreichenden Ansprüche auf Altersgeld erwerben lassen.

Es ist erfreulich, dass immer mehr Frauen arbeiten. Ihre neuen Stellen sind jedoch meist keine Vollzeit- oder wenigstens Zwei-Drittel-Jobs, obwohl Umfragen zeigen, dass viele von ihnen mehr arbeiten wollen. Arbeitgeber sollten deshalb stärker als bisher die Potenziale von Frauen entdecken. Es muss mehr Geld in eine qualifizierte Kinderbetreuung fließen, damit Mütter guten Gewissens zur Arbeit gehen. Und die Bundesregierung muss endlich damit aufhören, 400-Euro-Jobs so wie bisher zu privilegieren. Das wäre das beste Programm gegen die weibliche Altersarmut.