Reden wir über Geld: "Tatort"-Kommissar Krassnitzer: "Ich habe viel Geld verschleudert"

Harald Krassnitzer mit seiner Frau Ann-Kathrin Kramer

(Foto: dpa)

Die Gage für den Tatort - sie ist für Harald Krassnitzer eine Art Grundeinkommen. Was zusätzlich für andere Rollen dazukommt, ist "die Butter, die Gurke und der Schnittlauch".

Von Harald Freiberger und Dieter Sürig

Der Wiener "Tatort"-Kommissar Harald Krassnitzer, 55, wurde in Grödig bei Salzburg geboren und lebt in Wuppertal. Zum Interview kommt er mit dem Auto von einem Dreh in Österreich nach München.

Der Mercedes-Oldtimer, Baujahr 1984, steht vor der Tür, er gehört einem Bekannten. Krassnitzer hat es gerade noch hergeschafft, irgendetwas ist ausgelaufen, "so eine Mischung aus Öl und Kühlwasser", sagt der Schauspieler zu Beginn des Gesprächs. Klingt nicht gut. Seine PR-Frau hat den ADAC schon verständigt.

Der Mercedes spielt immer wieder eine Rolle in dem Gespräch, in dem es um Geld und Gagen, um Rollen und Realität geht. "Ich habe viel Geld verschleudert, verschenkt, nicht eingefordert, nicht angelegt", sagt Krassnitzer. Er erzählt von seiner Kindheit: "Es war prekär und restriktiv, halt diese kleine Welt eines Arbeiters, geprägt von Ängsten."

Ein Musikinstrument sei unerschwinglich gewesen, ein Buch eine Verschwendung. Die PR-Frau kommt herein und gibt den neuen Zwischenstand bekannt: "Die wollen wissen, was is'n des für ein Mercedes?" "Ein 230E W124", antwortet Krassnitzer.

Der Schauspieler redet über seine Rolle als "Tatort"-Kommissar. Die Gage sei für ihn eine Art Grundeinkommen, was für andere Rollen draufkomme "die Butter, die Gurke und der Schnittlauch".

Eine halbe Stunde später der nächste Auftritt der PR-Frau: "Der ADAC ist gleich da. Sie fragen, was genau war." Krassnitzer sagt: "Sie sollen die Wasserpumpe nachschauen, vielleicht war es auch nur ein Schlauch. Auf jeden Fall ist die Batterieleuchte angegangen, es kam Wasser, dann hat's geraucht. Und er soll die Ölspur auf der Seite anschauen."

Das Gespräch dreht sich um den Spagat zwischen einem Theaterdarsteller in einem Sartre-Stück und dem "Bergdoktor", den Krassnitzer in der gleichnamigen TV-Serie verkörperte. Es geht darum, wie er sich am Theater in die Arbeit versenkte und den Blick für die Realität verlor: "Nach einer Vorstellung verlassen die Menschen das Theater und gehen ihrem Leben nach. Und du stehst da und sagst: Hey, Moment, ich bin ja Schauspieler, was ist denn jetzt mit mir."

Das sei der Punkt gewesen, wo er sich entschlossen habe, eine Psychoanalyse zu machen - "mit das Wertvollste, was ich in meinem Leben gemacht habe". Sie habe ihm geholfen, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln "und eine gewisse Gelassenheit dem Leben gegenüber".

Die braucht er am Ende des Gesprächs auch, denn mit dem Mercedes-Oldtimer ist nichts mehr zu machen. Die PR-Frau kommt und sagt: "Ich tu' es ungern, aber ich muss ihn jetzt entführen. Der Abschleppdienst kommt. Wir müssen runter, sonst wird sein Auto inklusive aller Dinge abgeschleppt." Krassnitzer räumt das Auto aus und fährt mit einem Mietwagen zurück.

Lesen Sie das Interview mit SZ-Plus:

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