Reden wir über Geld mit Robert Schmucker "Diktatoren fangen keinen Krieg an"

Raketenexperte Robert Schmucker

(Foto: Claus Schunk)

Robert Schmucker ist Deutschlands bekanntester Raketenforscher. Mit Triebwerken kennt er sich aus wie kein Zweiter - auch wenn ihn das um ein Haar das Leben gekostet hätte.

Von Hans von der Hagen, Dieter Sürig und Vivien Timmler

Dass Robert Schmucker sein Leben ganz in den Dienst der Rakete gestellt hat, zeigt sich schon im Flur seiner Firma am Münchner Gärtnerplatz. Dort stehen einige handliche Triebwerke, und zu jedem von ihnen kann Schmucker eine Geschichte erzählen. "Das hier ist ein russisches", sagt der Raketenforscher und streichelt ein Gewirr aus Metall. Es stammt von einer Flugabwehrrakete. Die Russen hätten ganz wunderbar leichte Triebwerke gebaut. "Und das existiert ja alles noch: Die haben nichts weggeworfen." Tausende von Triebwerken lagerten noch in den Depots. Wer gute Verbindungen oder viel Geld habe, könne sich da sicher etwas beschaffen.

Auf einem kleinen Tischchen liegt eine Zeitschrift - Raumfahrt Concret heißt sie. Die Titelgeschichte hat Schmucker zusammen mit einem Kollegen geschrieben: "Nordkoreas Raketenprogramm - Bedrohung oder Bluff?" Die Antwort gibt er im Interview mit der SZ: "Diktatoren fangen keinen Krieg an, zumindest keinen, der ihnen persönlich gefährlich wird. Jeder von denen will doch leben, denen geht es doch gut." Wenn er Nordkoreas Raketen auf Bildern sehe, dann erkenne er nur alte Bekannte aus russischer oder gar sowjetischer Produktion - mehr nicht. "Wir wissen genau, was die leisten."

"Das sind ganz hinterfotzige Kerle"

Schmucker liebt es, scheinbar bedrohliche Szenarien auf einen harmlosen Kern zurechtzustutzen. Jeder blähe gerne Dinge auf, um etwas zu erreichen, sagt er. Nur beeindrucken lassen dürfe man sich davon halt nicht.

Wenn Schmucker eine neue Vorlesungsreihe an der Münchner Universität beginnt, zeigt er gerne ein Bild von Andreas Paul Weber, das ebenfalls in seinem Flur steht. Es heißt: "Der Gesprächskreis". Zu sehen sind Krähen, die in gemeinsamer Runde sitzen und reden. Die Krähen haben in ihr Gefieder Pfauenfedern eingebunden, tragen Dreschflegel, und eine Krähe bringt Stroh in den Raum. "In diesen Gesprächskreisen wird oft nur Stroh gedroschen", sagt Schmucker. Die Studenten sollten ruhig wissen, wie es später im Berufsleben zugehen werde. Er gebe ihnen dann auch immer gleich eine Warnung mit auf den Weg: Besonders vorsichtig sollten sie bei Menschen sein, die behaupteten, sie seien für Kritik sehr offen. "Das sind ganz hinterfotzige Kerle."

Im Interview mit der SZ erzählt Schmucker, woran man schon vor dem großen Knall erkennt, wenn bei einem Raketenstart etwas schief geht, warum Waffeninspektionen mitunter einem Charlie-Chaplin-Film gleichen, was er von Fahrstühlen in den Weltraum hält - und wie sehr ihm früher seine Legasthenie zu schaffen machte.

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