Reden wir über Geld Intendant Barrie Kosky: "Ich allein wäre furchtbar im Umgang mit Geld"

Bis 2022 dauert Barrie Koskys Amtszeit in Berlin noch. Er findet, dass er sein Geld wert ist.

(Foto: dpa)

Als Intendant achtet Barrie Kosky in der Komischen Oper genau auf die Ticketpreise - und profitiert dabei von einer alten Einwanderer-Weisheit.

Von Christian Mayer und Verena Mayer

Barrie Kosky ist Unterhaltungskünstler, Regisseur, Musiktheaterzauberer - und humorbegabter Wahl-Berliner. Seit 2012 ist der gebürtige Australier Intendant der Komischen Oper in Berlin und das Publikum hat ihn genauso wie die Kritiker längst ins Herz geschlossen. Seine erfolgreichste Inszenierung, Mozarts "Zauberflöte", vermarktet Kosky von dort aus inzwischen sogar weltweit.

Ums Geld allein geht es ihm aber nicht. Er pflege einen kooperativen Führungsstil, sagt Kosky im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, und habe den Ehrgeiz, möglichst Menschen aus allen Bildungs- und Einkommensschichten in sein Haus zu locken. Die Karten für die Komische Oper dürften deshalb keinesfalls so teuer werden wie in Madrid oder London, denn "dann kommen nur noch Zuschauer, die sich solche Mondpreise leisten können, und man muss Star-Theater machen wie an der Mailänder Scala". Irgendwann sei das dann "nicht nur elitär, sondern künstlerisch irrelevant".

"Bang for the Buck"

Die deutschen Kultursubventionen verteidigt der Opern-Macher, betont aber ausdrücklich, dass er sein Geld auch wert ist: Man kriege an der Komischen Oper eben "Bang for the Buck", eine richtig gute Show. Und dafür müsse man gar nicht unbedingt Unsummen ausgeben: "Kunst wird nicht besser, wenn das Scheckbuch offen ist", sagt Kosky. "Meine besten Arbeiten entstanden, wenn einer sagte: Barrie, wir haben kein Geld für dies und das, wir müssen das anders lösen." Als Spross einer russisch-ungarisch-jüdischen Familie und als Sohn eines Pelzhändlers habe er die typische Einwanderer-Weisheit schlechthin sowieso mit der Muttermilch aufgesogen: Dass man es auch ohne Geld zu etwas bringen kann. Auch wenn er selbst über sich sagt: "Ich allein wäre furchtbar im Umgang mit Geld."

Bis 2022 dauert seine Amtszeit in Berlin noch, solange will er alles geben, 16 Stunden am Tag. "Oper ist ein Gesamtkunstwerk", sagt er. "Mit einem Orchester, Chor, Sängern, Kostümen und Bühnenbildern, die oft zehn Jahre oder länger halten müssen. Eine opulente Form. Oper bedeutet: ganz oder gar nicht. Ein bisschen Oper gibt es nicht."

Lesen Sie das ganze Interview mit Barrie Kosky hier mit SZ Plus:

"Wir sind hier kein dekadenter Haufen"

Der Intendant der Komischen Oper in Berlin, Barrie Kosky über faire Eintrittspreise und einen 16-Stunden-Tag. Interview von Christian Mayer und Verena Mayer mehr ...