Rede des EZB-Chefs in Davos Euro-Retter Draghi macht Europa Hoffnung

Ist das Ende der Krise in Sicht? Mario Draghi gibt sich beim Treffen der Wirtschaftslenker in Davos erstaunlich zuversichtlich: Schon im Sommer könnte die Konjunktur wieder anziehen, sagt der Chef der Europäischen Zentralbank. Doch da gibt es noch ein großes "Aber".

Von Lutz Knappmann, Davos

Mario Draghi macht den Ländern der krisengeplagten Euro-Zone Hoffnung: Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnet ab Mitte dieses Jahres mit einer Belebung der Konjunktur. "Alles deutet darauf hin, dass sich die finanziellen Bedingungen substanziell verbessern werden", sagte Draghi beim Weltwirtschafsforum in Davos.

Ohne großes "Aber" kommt allerdings auch Draghi nicht aus: Allzu großer Optimismus sei nicht angebracht, so der EZB-Chef. "Wir sind leider in einer Situation, in der wir zwar positive Ansteckungseffekte an den Finanzmärkten und bei Finanzkennzahlen haben, aber wir sehen noch nicht, dass das auch auf die Realwirtschaft ausstrahlt."

Draghi erfährt in diesen Tagen viel Lob von Politikern und Wirtschaftsführern. Kaum ein Statement zur Entwicklung der europäischen Wirtschaft kommt ohne den Hinweis aus, dass Draghi und die EZB die richtige Strategie gewählt hätten, um Vertrauen in die Stabilität Europas zurückzugewinnen. "Das Vertrauen kehrt zurück, auch durch die Politik der EZB", sagte etwa Lufthansa-Chef Christoph Franz der Süddeutschen Zeitung. "EZB-Chef Mario Draghi hat das Richtige getan", sagte auch Deutsche-Bank-Ko-Chef Anshu Jain.

Selbst Jens Weidmann, der streitbare Chef der Deutschen Bundesbank, fand zuletzt lobende Worte für Draghi - obwohl er als einer der erbittertsten Gegner der EZB-Strategie gilt, Anleihen von Krisenstaaten aufzukaufen und die Märkte mit massig frischem Geld zu stützen.

"2013 wird ein Jahr des Vollzugs"

Um klammen Banken wieder Handlungsspielraum zu geben, hatte ihnen die EZB im vergangenen Jahr in zwei milliardenschweren Schritten zinsgünstige Kredite gewährt - und sie damit förmlich mit Liquidität überschüttet. Zur Senkung der Zinslast für Krisenstaaten hatte die EZB zudem begonnen, Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt aufzukaufen - und zugesagt, das in unbegrenztem Maße weiter zu tun, sofern sich die betroffenen Staaten auf strenge Reformprogramme einlassen. Kritiker wie Weidmann sehen darin die Grenze zur direkten Staatsfinanzierung berührt, die der EZB verboten ist - und warnen davor, dass sich zu hohe Schulden nicht durch die Aufnahme neuer Schulden kurieren ließen.

Doch seit Draghis Ankündigungen haben sich die Finanzmärkten beruhigt. Die Zinsen für Anleihen der Krisenstaaten haben spürbar nachgelassen. In Davos kann sich der EZB-Präsident daher nun den Applaus für seine Politik abholen.

"2013 wird ein Jahr des Vollzugs", sagte Draghi. Die eingeführten Maßnahmen und Reformen müssten nun konsequent umgesetzt werden, damit sie helfen können. Wie vor ihm schon Bundeskanzlerin Merkel, Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde und viele andere Redner in Davos, mahnte auch Draghi, die europäischen Staaten dürften in ihren Bemühungen nicht nachlassen, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. "Wir werden dann eine Erholung sehen, wenn die nationale Regierungen den Schuldenabbau und vor allem die begonnenen Strukturreformen voranreiben."