Nachhaltigkeit Mythos 5: Behälter aus Glas sind besser als Konservendosen

Bei Mais, Kichererbsen oder passierten Tomaten gibt es im Supermarkt die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Verpackungen zu wählen. Aber was ist die bessere Wahl, Konservendose oder Glas?

(Foto: Jessy Asmus)

Die ernüchternde Antwort: keines von beidem. Am ökologisch vorteilhaftesten wäre ein Verbundkarton, wie das Heidelberger Ifeu-Institut im Jahr 2013 herausgefunden hat. Zwar war der Auftraggeber der Studie ein großer Hersteller genau solcher Verpackungen, das Ergebnis ist jedoch einleuchtend: Dosen aus Metall sind in der Herstellung sehr energieaufwendig. Und für die Gläser gibt es, anders als für Getränkeverpackungen, kein Mehrwegsystem. Es lässt sich zwar recyceln und einschmelzen, doch auch dieser Prozess ist energieintensiv. Einwegglas stuft auch das Umweltbundesamt als die umweltschädlichste Verpackung ein.

Wenn es nun aber im Supermarkt den Mais nur in Dosen oder Gläsern gibt? "In den meisten Umweltwirkungskategorien zeigt die untersuchte typische Weißblechdose etwas niedrigere Umweltlasten als die Einwegglasverpackung", sagt Frank Wellenreuther vom Ifeu-Institut. Allerdings sind die Dosen innen mit Epoxylacken beschichtet, um das Metall vor Korrosion zu schützen. In diesen Kunststoffen ist die umstrittene östrogenähnlich wirkende Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthalten, die auch in Lebensmittel übergehen kann. Als sich schwedische Journalisten vor einigen Jahren im Selbstversuch zwei Tage lang nur aus Konservendosen ernährten, stiegen die BPA-Werte in ihrem Urin um mehr als 4000 Prozent an.

Die EU hat BPA bei der Herstellung von Babyflaschen aus Kunststoff verboten. Das schwer zu beeindruckende Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht trotzdem keinen Grund zur Beunruhigung. Alle anderen greifen lieber zum Glas.

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