Recherchen der "Sunday Times" Hat die Royal Bank of Scotland Kunden ausgenommen?

Dunkle Machenschaften bei der Royal Bank of Scotland?

Schwere Vorwürfe gegen die Royal Bank of Scotland: Das Geldinstitut soll Kunden bewusst in die Schuldenfalle getrieben haben, um billig an deren Immobilien zu gelangen. Die Bank wehrt sich gegen die Anschuldigungen.

Gegen die krisengeschüttelte Royal Bank of Scotland (RBS) sind neue schwere Vorwürfe erhoben worden. Sie soll Mittelständler, die bei ihr Kredite genommen hatten, bewusst in die Überschuldung getrieben - und sich dann deren Immobilienwerte zum Schleuderpreis unter den Nagel gerissen haben. Das berichtete die Sunday Times nach einer zweimonatigen Untersuchung.

Die Bank wies die Vorwürfe umgehend zurück. Ihre Global Restructuring Group (GRG), zuständig für Risikokredite, habe lediglich versucht, finanziell gefährdete Firmen vor allem aus der Baubranche wieder auf die Beine zu stellen, sagte ein Sprecher. "Nicht in allen Fällen ist dies gelungen."

Großbritanniens Wirtschaftsminister Vince Cable übergab den Fall den zuständigen Behörden der Bankenaufsicht. Die Zeitung hatte sich bei der Recherche den Wirtschaftsfachmann Lawrence Tomlinson als unabhängigen Berater genommen. Er sagte der Sunday Times: "Es gibt eine riesige Menge an Hinweisen, die darauf hindeuten dass die RBS gesunde, gut gehende Betriebe in finanzielle Schwierigkeiten gestürzt hat und dann sich ihre Werte zum Nutzen ihres eigenen Immobilien-Imperiums angeeignet hat."

Die in der Finanzkrise zu rund 80 Prozent verstaatlichte Royal Bank of Scotland gilt als schwierigster Sanierungsfall in Großbritannien. Sie war in jüngster Zeit in alle Skandale um Fehlverhalten von Banken verstrickt. Die RBS-Banker sollen an der Affäre um manipulierte Libor-Zinssätze, an der Falschberatung von Kreditkunden bei Kreditausfallversicherungen sowie an der Manipulierung von Devisenkursen beteiligt gewesen sein.