Real Tarifverhandlung  scheitert

Die Handelskette droht, den Arbeitgeberverband zu wechseln. Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass Real künftige Beschäftigte schlecht bezahlt.

Die Warenhauskette Real lässt die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi platzen. Die Parteien könnten sich weder auf einen Haustarif für die gut 30 000 Beschäftigten einigen noch auf eine Reform des Flächentarifvertrages. Das gab Real am Dienstag bekannt. Bislang zahlt die Handelskette Tarifgehälter, die nach Angaben des Unternehmens bis zu 30 Prozent höher liegen als bei Einzelhändlern, die nicht nach Tarif bezahlen.

Der Streit wirkt sich auch auf die geplante Modernisierung der Handelskette aus. Real hatte ein Markthallen-Konzept entwickelt und ein erstes Warenhaus in Krefeld neu gestaltet, etwa mit mehr Gastronomie und einer Rösterei in der Filiale. Den Umbau könne man aber erst vorantreiben, argumentieren die Manager, wenn die Personalkosten von Real langfristig sinken. Darüber verhandelte der Mutterkonzern Metro seit zwei Jahren mit Verdi. Metro-Chef Koch spricht am Dienstag von einer "offenkundigen Blockadesituation".

Nun droht Real damit, den Handelsverband Deutschland (HDE) zu verlassen. Metro habe dafür Rahmenbedingungen geschaffen, teilt der Konzern mit. Stattdessen will Real dem kleineren Arbeitgeberverband AHD beitreten. Als Mitglied des AHD müsste Real Tarifverhandlungen nicht mehr exklusiv mit der Gewerkschaft Verdi führen. Die Handelskette könnte auf Kompromisse mit anderen Gewerkschaften hoffen. Dies gäbe Real die Möglichkeit, "modernere und flexiblere Tarifverträge zu verhandeln", teilte das Unternehmen mit. AHD hat bereits für andere Töchter des Metro-Konzerns Tarifverträge abgeschlossen.

Der Arbeitgeber betont, dass er die Gehälter seiner bestehenden Beschäftigten nicht senken wolle. "Es gilt Lohnkontinuität", sagt Real-Manager Henning Gieseke. Verdi befürchtet allerdings, dass die Handelskette künftige Beschäftigte um bis zu 40 Prozent schlechter bezahlen könnte als bisherige.