Reaktionen auf EZB-Entscheidung Freude bei Anlegern, Ärger bei Banken

  • Die EZB wird Staatsanleihen und andere Wertpapiere von Euro-Ländern ankaufen - in großem Umfang und über einen langen Zeitraum hinweg.
  • In der Folge erreicht der Dax ein Rekordhoch.
  • Deutsche Versicherungs- und Bankenverbände halten den Plan dagegen für unnötig und übertrieben.

Der Euro bricht ein

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat die Anleger nicht enttäuscht. Nach seiner Bekanntgabe, dass die EZB ab März bis September 2016 jeden Monat im Umfang von 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere von Euro-Ländern aufkaufen will, schnellte der Dax in der Spitze um ein Prozent nach oben - auf ein Rekordhoch von 10 399,67 Punkten. Der Euro brach hingegen um mehr als ein Prozent ein und fiel unter die Marke von 1,15 Dollar.

Die Reaktionen auf die Entscheidung der EZB gehen in eine klare Richtung, bei vielen stößt das Vorhaben der Zentralbank auf starke Kritik: Der Schritt der EZB ist eine Zumutung", sagte Alexander Erdland, Präsident des Versicherungsverbands GDV. Es sei ungewiss, ob das Programm der EZB wie erhofft zu mehr Investitionen und steigenden Preisen führe. "Sicher ist hingegen, dass weiterer Schaden für die Sparkultur in Deutschland angerichtet wird", so Erdland weiter. "Denn das Ankaufprogramm verstärkt den Druck auf festverzinsliche Wertpapiere, die eine Säule der privaten Altersvorsorge sind."

EZB kauft Staatsanleihen - die richtige Entscheidung?

Gegen alle Kritik wird die Europäische Zentralbank beginnen, Staatsanleihen von Euro-Ländern aufzukaufen. Sie will damit die Konjunktur anzuschieben, die Inflation anheizen und eine Deflation verhindern. Was halten Sie von Mario Draghis Entscheidung? Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Die großen deutschen Bankenverbände halten das EZB-Vorgehen ebenfalls für übertrieben. Die EZB dramatisiere die Preis- und Wirtschaftsentwicklung im Euroraum unnötig, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer. Es sei zu befürchten, dass das zusätzliche Geld vor allem in die Finanzmärkte fließe. Dadurch steige die Gefahr von Vermögenspreisblasen und fehlgelenkten Investitionen. Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, warf der EZB eine "aktionistische" Politik vor.

Die Unabhängigkeit der EZB steht auf dem Spiel

"Ich kann auf breiter Front keine wirklichen Deflationsgefahren erkennen, die es zu bekämpfen gilt", sagte auch Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Durch den Aufkauf von Staatsanleihen setze sich die Notenbank zudem immer mehr der Gefahr aus, nicht nur Geldpolitik zu betreiben, für die sie eigentlich zuständig ist. "Damit setzt sie ihre Unabhängigkeit aufs Spiel.

Fahrenschon fürchtet genau wie Bundesbankpräsident Jens Weidmann, dass durch das Vorgehen der EZB der Druck auf schwächelnde südeuropäische Länder sinkt, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen zu stärken. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Ulrich Grillo, äußerte sich ganz ähnlich: Er sagte, die EZB könne die Erholung im Euroraum nicht allein vorantreiben: "Nur konsequente Strukturreformen können die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken."