Reaktion auf Tarifverhandlungen Ärzte wollen Konkurrenz zu Verdi

Der Marburger Bund erwägt, in Konkurrenz zu Verdi eine Gesundheitsgewerkschaft zu gründen. "Wir müssen uns von der Diktatur von Verdi befreien", sagte der Chef der Ärzte-Vereinigung, Frank Ulrich Montgomery.

Von Ulrich Schäfer

Montgomery reagiert mit seinem Vorstoß auch auf den Tarifabschluss, den die Dienstleistungsgewerkschaft am Dienstag voriger Woche mit den kommunalen Kliniken geschlossen hat. Er warf Verdi vor, den "Billigheimer" an den Krankenhäusern zu machen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft habe für ihre Mitglieder zu wenig herausgeholt. Dies hätten mittlerweile auch viele Pflegekräfte, Schwestern und andere nicht-ärztliche Beschäftigte erkannt. "Wir erhalten hier schon jetzt sehr viel Zuspruch. Wir werden uns daher mit der Idee einer neuen Gesundheitsgewerkschaft befassen, sobald der aktuelle Tarifkonflikt vorbei ist", sagte der Vorsitzende der ärztlichen Ständevereinigung der Süddeutschen Zeitung.

Montgomery sagte, es gehe nicht darum, den Marburger Bund für andere Beschäftigte zu öffnen. Rund um den Marburger Bund könnten sich aber die übrigen Klinik-Beschäftigten sammeln. Dem Marburger Bund gehören schon jetzt 105.000 der 140.000 Krankenhaus-Ärzte an.

Verdi verrät genaue Mitgliedszahl nicht

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vertritt mehrere tausend Ärzte und zudem einen Teil der übrigen Krankenhaus-Bediensteten; wie viele Beschäftigte bei ihr Mitglied sind, verrät die Dienstleistungsgewerkschaft allerdings nicht.

Verdi hatte sich am Dienstag mit den kommunalen Arbeitgebern auf einen neuen Tarifvertrag für deren Krankenhäuser verständigt. Demnach sollen die Gehälter der Beschäftigten insgesamt um 4,5 Prozent steigen, wobei Ärzte durchschnittlich zehn Prozent mehr erhalten; an einzelnen Kliniken können die Gehälter sogar um bis zu zwanzig Prozent steigen - vorausgesetzt, dies lässt sich durch regionale Besonderheiten begründen.

Der Marburger Bund war an den Verhandlungen für die 400.000 kommunalen Beschäftigten, darunter 70.000 Ärzte, nicht beteiligt und erkennt den Tarifabschluss nicht an.

Keine "Streiks light" mehr

Die Ärzte-Vereinigung will die Proteste an den kommunalen Krankenhäusern daher in den nächsten Tagen ausweiten. "Die Zeit der Streiks light ist jetzt vorbei. Die Arbeitgeber haben die Botschaft immer noch nicht verstanden", sagte Montgomery.

Verdi zeigte sich am Wochenende von den Plänen für eine neue Gesundheitsgewerkschaft nicht sonderlich beeindruckt. "Man darf sich über die Euphorie schon wundern. Von tarifpolitischen Erfolgen des Marburger Bundes kann doch bisher keine Rede sei", sagte ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft.