Airbus will drei seiner Werke verkaufen - Grund genug für die Mitarbeiter, auf die Straße zu gehen. Französische und deutsche Gewerkschaften drohen mit weiteren Streiks.
Airbus-Chef Louis Gallois kündigte am Mittwoch an, die Werke in Laupheim, Varel (Deutschland) und Saint Nazaire Stadt (Frankreich) zu verkaufen. Darüber hinaus sucht Airbus für die Standorte Nordenham, Filton und Méaulte Investoren, will sich aber nur teilweise zurückziehen.
Nach der Bekanntgabe der Sanierungspläne legten Tausende Airbus-Arbeiter spontan die Arbeit nieder - wie hier in Colommiers nahe Toulouse. (© Foto: AP)
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In Nordenham soll ein finanzkräftiger Partner in die Kohlefasertechnologie investieren, die beim neuen A350 benötigt wird. Zudem sollen die Zentralen in den einzelnen Airbus-Ländern nur noch repräsentative Funktion haben und nicht mehr ins operative Geschäft eingreifen. Die wichtigste strukturelle Änderung ist, dass die insgesamt acht Kompetenzzentren in Europa auf vier reduziert werden. Dadurch will Gallois nationale Hierarchien abbauen und Airbus stärker in den Mutterkonzern EADS integrieren.
Heftige Proteste der Gewerkschaften
Französische und deutsche Gewerkschaften protestierten scharf gegen die Pläne und kündigten Streiks an. "Die Entscheidung ist in keiner Weise nachvollziehbar", sagte Michael Braun, Geschäftsführer der IG Metall in Ulm, zum Plan, das Werk in Laupheim zu schließen. "Es ist doch Irrsinn, einen solchen High-Tech-Standort aufzugeben und abzustoßen."
Die Belegschaften in den Werken Nordenham, Varel und Laupheim legten am Mittwochnachmittag die Arbeit nieder. Für den Freitag haben die Gewerkschaften außerordentliche Betriebsversammlungen an allen deutschen Standorten einberufen. Konzernbetriebsratsvorsitzender Rüdiger Lütjen erklärte in Toulouse: "Wir werden das Konzept so nicht akzeptieren. Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz."
Deutschland verliert 3700 Arbeitsplätze
In Deutschland sollen 3700, in Frankreich 3200, in Großbritannien 1600 und in Spanien 400 Stellen in der Produktion abgebaut werden. Zusätzlich sollen in der Verwaltung am Airbus-Sitz in Toulouse 1100 Jobs gestrichen werden.
Falls dies nicht durch freiwilliges Ausscheiden von Mitarbeitern möglich ist, behält sich Airbus vor, vom Jahr 2009 an auch betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. 5000 der zu streichenden Stellen sind bei Airbus direkt angesiedelt. Darüber hinaus werden Verträge von 5000 Zeitarbeitern nicht verlängert. Airbus beschäftigt europaweit etwa 55.000 Mitarbeiter.
Hamburg erhält zusätzliche Montagelinie
Trotz der Fertigungsprobleme beim A380 bleibt es bei der bisherigen Aufteilung zwischen vor allem deutschen, französischen und englischen Standorten. Die Endmontage des neuen A350 geht nach Toulouse. Die Kabinenausstattung für den A350 wird von Hamburg nach Toulouse verlegt. Im Gegenzug erhält das Hamburger Airbus-Werk eine zusätzliche Endmontagelinie für das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug A320. Dort soll ein neues Auslieferungszentrum entstehen.
In Toulouse sollen fortan nur noch 14 Modelle des A320 montiert werden. Auch die neue A320-Generation, die frühestens in acht Jahren auf den Markt kommen wird, soll in Hamburg gebaut werden. Der deutsche Co-EADS-Chef Tom Enders sagte, das Sanierungsprogramm sei eine gute Grundlage, um Airbus "aus dem Dreck zu ziehen". Weiter sagte Enders: "Wer dieses Programm ablehnt, kann genauso gut die weiße Fahne hissen und Boeing das Feld überlassen."
Die Bundesregierung zeigte sich zufrieden über die Lösung. "Die Lastenverteilung stellt sich sehr ausgewogen dar", sagte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Berlin. "Die deutsche Seite im Management hat gute Arbeit geleistet." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erkannte an, dass die Sanierung mit schweren Entscheidungen für die betreffenden Menschen verbunden sei. "Das bedauern wir", sagte Merkel. Gleichwohl sei die "Gleichverteilung von Chancen und Risiken" gewahrt.
(SZ vom 01.03.2007)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Die eigentilchen Probleme entstanden doch dadurch, dass die Zeitpläne für die Herstellung
des Produktes zu knapp gehalten waren, der Druck des Marktes. Das heisst doch aber,
dass die Planung durch das Management unzureichend waren. Was ist aber die
Konsequenz - sparen, Leute entlassen Lohnkosten drücken - und das trotz kräftiger
Steuersubventionen. Das Management streicht sich aber Millionen an Gehältern,
Bonis Aktienoptionen ein - toll. Es läuft wie immer millionschwere Restrukturierungesmassnahmen (dieser Begriff wird immer sehr nebulös eingesetzt) auf Kosten der Arbeitnehmer.
Das fügt sich gut in die "tiefgreifenden Reformen". Das Unternehmen "EADS "wäre ohne milliardenschwere Subventionen (Rüstungsaufträge) aus der Staatskasse gar nicht lebensfähig, das gleiche gilt für Boeing. Die EADS Tochter "Airbus" gäbe es überhaupt nicht ohne Initiative - und Gelder - des Staates. Nun "verdienen" diese Unternehmen im "freien" Wettbewerb anscheinend zu wenig. Die privaten Anteilseigner wollen eine höhere Rendite, also müssen Lohnkosten gedrückt werden. Mehr Arbeit für weniger Lohn, "Freisetzungen"
(hört sich doch besser an als Entlassung). Also erst mal Milliardensubventionen "für die Schaffung von Arbeitsplätzen" und jetzt abschieben zum Arbeitsamt, die Solidargemeinschaft der Beitragszahler darf zahlen und später dann Hartz IV, die Staatskasse, also wieder wir.
"Die Bundesregierung zeigte sich zufrieden über die Lösung." Wieder eine gelungene tiefgreifende Reform. BRAVO!