Reaktion auf Hygienemängel McDonald's kauft keine Hühner mehr von Wiesenhof

Der Hygieneskandal für Wiesenhof hat Konsequenzen: Großabnehmer McDonald's hat einen Abnahmestopp verhängt - zumindest vorerst. Hühnerfleisch für Produkte wie die Chicken McNuggets stammt teilweise von dem Unternehmen, dessen Geflügelproduktion die Behörden teilweise stillgelegt hatten.

Von Silvia Liebrich

Die Hygienemängel bei Deutschlands größtem Geflügelproduzenten Wiesenhof haben die Fast-Food-Kette McDonald's aufgeschreckt. "Wir haben unsere Lieferanten angewiesen, kein Fleisch mehr von Wiesenhof zu beziehen", sagte ein McDonald's-Sprecher am Freitag der Süddeutschen Zeitung. Grund für diese Entscheidung ist nach seinen Worten die Schließung einer Schlachterei durch die Behörden in Sachsen-Anhalt. Ein Sprecher von Wiesenhof wollte den Abnahmestopp zunächst nicht bestätigen. "Wir würden das aber sehr bedauern", fügt er hinzu.

Lebensmittelkontrolleure hatten die Schlachterei Möckern am Montag überraschend geschlossen. Die festgestellten Hygienemängel sind nach Angaben der Behörden inzwischen beseitigt. Seit Mittwoch läuft die Produktion wieder. Was genau beanstandet wurde, wollten die Behörden aber bislang nicht preisgeben.

McDonald's ist damit der erste Großabnehmer, der auf die Hygieneprobleme bei Wiesenhof reagiert. Der Abnahmestopp sei befristet, sagte der McDonald's-Sprecher weiter. "Wir wollen Wiesenhof Zeit geben, die Vorfälle gründlich aufzuklären." Damit sprach er auch ähnliche Vorwürfe aus der Vergangenheit an. Die Schlachterei in Möckern war schon vor einem Jahr in den Schlagzeilen geraten. Damals berichtete der Stern von Schwarzschimmelbefall an Wänden und Decken und über Probleme in der Kühlkette. Laut Wiesenhof sind diese Probleme inzwischen beseitigt. Kritiker werfen Wiesenhof außerdem Tierquälerei und Antibiotika-Missbrauch in der Geflügelhaltung vor. Wiesenhof weist das zurück.

20 Tonnen pro Woche von Wiesenhof

McDonald's bezog nach eigenen Angaben bislang etwa drei Prozent seines in Deutschland verkauften Geflügelfleisches von Wiesenhof. Das klingt erst einmal nach wenig, macht aber gemessen am hohen Verbrauch immerhin 20 Tonnen pro Woche aus - hochgerechnet auf ein Jahr sind das mehr als 1000 Tonnen. "Sobald Wiesenhof glaubhaft darlegen kann, dass berechtigte Beanstandungen aus der Vergangenheit künftig ausgeschlossen werden können", wolle McDonald's prüfen, ob Wiesenhof wieder als Vorlieferant zugelassen werde, hieß es.

Das Hühnerfleisch für Produkte wie Chicken McNuggets bezieht der Schnellrestaurant-Betreiber nicht direkt von Wiesenhof, sondern über seinen Zwischenhändler OSI Food Solutions, der sich den strengen Hygienestandards von McDonald's unterworfen hat. Der McDonald's-Sprecher betonte aber auch, dass bei eigenen Kontrollen bisher keine Hinweise auf Hygienemängel bei Wiesenhofprodukten gefunden worden seien.

Ziel des Abnahmestopps sei es, einen Imageschaden für McDonald's durch die Vorwürfe gegen Wiesenhof zu verhindern, so der Firmensprecher. Auch die Hamburger-Braterei wurde in der Vergangenheit von Verbraucherschützern wegen der Qualität von Big Mac und Co. immer wieder kritisiert. Nach früheren Angaben von Wiesenhof waren im Werk Möckern Mängel in der Bratfertiglinie beanstandet worden. In dem Teil der Produktion werden geschlachtete Tiere untersucht und ausgeweidet. Wiesenhof zufolge handelte es sich um kleinere technische Mängel, die bei einem Umbau des Betriebs aufgetreten seien. Wiesenhof hatte auf Druck der Behörden eingewilligt, die Kühlanlage umzugestalten.

Der Schlachtbetrieb in Möckern ist auch im Visier der Staatsanwaltschaft Magdeburg. Dabei geht es um eine möglicherweise fehlende Betriebsgenehmigung und zu Unrecht bezogene EU-Subventionen in Millionenhöhe. Wiesenhof bestreitet diese Vorwürfe.