Reaktion auf Atomausstieg Eon plant Job-Kahlschlag

Eon reagiert auf den raschen Atomausstieg massiver als erwartet. Deutschlands größter Energiekonzern plant einen rabiaten Stellenabbau: Bis zu 10.000 Jobs könnten nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wegfallen. Die Gewerkschaften pochen auf bestehende Verträge.

Von Markus Balser

Der Energieriese Eon steht nach dem beschleunigten Atomausstieg in Deutschland offenbar vor einem drastischen Stellenabbau. Nach Information der Süddeutschen Zeitung erwägt das Unternehmen den Abbau von bis zu 10.000 Stellen weltweit - mehr als zehn Prozent der gesamten Belegschaft.

Damit würde der Sparkurs des Konzerns viel härter ausfallen als bisher bekannt. Zuletzt war nur von der Streichung einiger hundert Stellen die Rede. Möglicherweise werde der Aufsichtsrat des Konzerns bereits auf seiner Sitzung Anfang der kommenden Woche über entsprechende Szenarien informiert, verlautete weiter.

Das Düsseldorfer Unternehmen wollte die Angaben am Freitag nicht kommentieren. "Infolge der erheblich veränderten Rahmenbedingungen prüft Eon derzeit mögliche Anpassungen der Strategie und der Aufstellung des Unternehmens", sagte ein Sprecher lediglich. "Entscheidungen sind noch nicht gefallen."

Eon ist mit zuletzt 85.000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 93 Milliarden Euro Deutschlands größter Energiekonzern. Das Unternehmen leidet unter den Folgen der Energiewende, die Eon vor allem wegen des beschleunigten Atomausstiegs Milliardenausfälle einbrockt. Gleichzeitig fehlen dem Konzern wegen eines gigantischen Schuldenbergs von zuletzt 45 Milliarden Euro die Mittel für den Ausbau erneuerbarer Energien.

Der Konzern sieht sich deshalb zu radikalem Sparen gezwungen. Der bevorstehende Stellenabbau könne alle Bereiche und Regionen des Konzerns betreffen, hieß es. Etwa ein Drittel der Stellen könnte dabei auf Deutschland entfallen, erwarten Betriebsräte. "Dass ein Stellenabbau kommt, ist sicher, es geht nur noch um die Frage, wie groß die Zahl wird", sagte ein Vertreter einer bei Eon einflussreichen Gewerkschaft am Freitag.

Gewerkschaften rechnen mit dem Schlimmsten

Die schlimmsten Szenarien gingen von einer fünfstelligen Zahl betroffener Jobs aus, hieß es auch in Gewerkschaftskreisen. Der Abbau von Personal im vierstelligen Bereich gelte bereits als wahrscheinlich. Das träfe den Konzern in seinen Grundfesten, hieß es. "Auch wenn da nicht sofort Kündigungen rausgehen und vieles über die Fluktuation gelöst würde", sagte ein Arbeitnehmervertreter.

Die Gewerkschaft Verdi forderte den Eon-Vorstand dazu auf, Zusagen zu Standortgarantien und Arbeitsplätzen einzuhalten. In einem Schreiben an ihre Mitglieder wies die Organisation darauf hin, dass noch bis Ende 2012 betriebsbedingte Kündigungen der mehr als 30.000 Beschäftigten von Eon in Deutschland ausgeschlossen seien. "Wir gehen unverändert davon aus, dass die vereinbarten Regelungen zu den bekannten Maßnahmen Bestand haben", so das Papier.

Der seit Mai 2010 amtierende Eon-Chef Johannes Teyssen plane einen breit angelegten Umbau der Konzernstruktur, hieß es im Konzern weiter. Teyssen hatte bereits im Herbst vergangenen Jahres die Macht der bislang weitgehend eigenständig agierenden Töchter wie Eon Ruhrgas in Essen oder Eon Energie in München beschnitten.

Mit der Neuordnung solle die Zentralisierung im Unternehmen weiter gehen. Mehrere Töchter sollen den Informationen zufolge formell aufgelöst und in einer neuen Deutschland AG gebündelt werden. Sie soll das Eon-Inlandsgeschäft betreiben. Dazu soll die Münchner Tochter Eon Energie umgewandelt werden. Das bislang von ihr gesteuerte Osteuropa-Geschäft werde künftig aus der Düsseldorfer Zentrale gesteuert.