Razzia bei Panzerschmiede Justiz ermittelt gegen deutsche Rüstungskonzerne

Ein Leopard 2 bei einem Manöver

(Foto: Peter Steffen/dpa)
  • Dubiose Geschäfte des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann in Griechenland beschäftigen die Justiz. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen.
  • Nach Recherchen von SZ, NDR und WDR verfolgen die Ermittler die Panzerschmiede auch auf Bitten aus Athen.
  • Die Razzia bei KMW ist nicht der einzige Schlag gegen die deutsche Rüstungsindustrie: Wegen Beihilfe zur Bestechung hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen 13 meist frühere Beschäftigte von Rheinmetall und Atlas erhoben.
Von Klaus Ott und Tasos Telloglou, Athen

Die letzte Erfolgsmeldung des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann (KMW) fiel bescheiden aus. Norwegen kaufte je vier Simulatoren für den Schützenpanzer CV90 und den Kampfpanzer Leopard 2. Frank Haun, Chef der in München und Kassel ansässigen Waffenschmiede, würde wohl lieber echte Kettenfahrzeuge mit Kanonen verkaufen.

Doch große Rüstungsexporte fallen zunehmend schwerer, seitdem sich Wirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel gegen deutsche Waffen in aller Welt sperrt. Auch macht die internationale Konkurrenz Haun mehr und mehr zu schaffen. Der "Verdrängungswettbewerb wird spürbar härter", klagte der KMW-Chef vor längerer Zeit. Einziger Lichtblick für den Rüstungsbetrieb: Die Ukraine-Krise, die das Interesse an Panzern wieder steigen lässt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Geldwäsche in Millionenhöhe

In dieser Woche ist Hauns Job noch sehr viel schwieriger geworden. Die Staatsanwaltschaft München I hat Krauss-Maffei Wegmann durchsucht - wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen beim Verkauf des Leopard 2 im vergangenen Jahrzehnt für fast 1,7 Milliarden Euro nach Griechenland.

Die in Wirtschaft und Industrie gefürchteten Strafverfolger haben ein Verfahren wegen des Leopard 2 eingeleitet. Und sie haben nach Recherchen von SZ, NDR und WDR die Panzerschmiede auch auf Bitten aus Athen gefilzt. Die dortige Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bestechung und Geldwäsche in Millionenhöhe, sowohl beim Leopard 2 wie auch bei der Panzerhaubitze PzH 2000.

Dieses Artilleriesystem hatte KMW im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls nach Griechenland geliefert, für 190 Millionen Euro. Bei beiden Geschäften sollen staatliche Rüstungseinkäufer und Militärs in Hellas geschmiert worden sein. KMW hat das früher wiederholt dementiert. Der KMW-Sprecher war am Freitag nicht erreichbar.

Die Razzia bei Krauss-Maffei Wegmann ist nicht der einzige Schlag in dieser Woche gegen die deutsche Rüstungsindustrie, der es sowieso nicht gut geht. Die Staatsanwaltschaft in Athen hat wegen Beihilfe zur Bestechung Anklage erhoben gegen 13 meist frühere Beschäftigte von Rheinmetall und Atlas. Rheinmetall hatte über die Bremer Tochterfirma Defence Electronics vor Jahren das Luftabwehrsystem Asrad für 150 Millionen Euro nach Griechenland verkauft.

Atlas, eine Bremer Tochter von Thyssen-Krupp und Airbus, half bei der Modernisierung von U-Booten deutscher Produktion. Zu der Zeit, als Schmiergeld geflossen sein soll, hatte Atlas noch dem britischen Konzern BAE gehört, bevor Thyssen-Krupp und die Airbus-Gruppe die Bremer Firma übernahmen.