Ratingagentur Moody's stuft Großbritannien herab

Die Ratingagentur Moody's hat Großbritannien die Bestnote für die Kreditwürdigkeit entzogen. Die Agentur stufte das Land von AAA auf Aa1 herab. Schuld daran ist auch der Sparkurs der Regierung.

Die Ratingagentur Moody's hat Großbritannien das Spitzenrating bei der Kreditwürdigkeit entzogen. Die Agentur senkte angesichts der rasant steigenden Verschuldung die Bewertung von AAA um eine Stufe auf Aa1. Damit können neue Kredite für das Land potenziell teurer werden, weil Geldgeber einen höheren Risikoaufschlag verlangen könnten. Die USA und Frankreich haben im Zuge der Finanzkrise ihre AAA-Note bereits verloren. Allerdings hatte dies bei beiden Ländern keine größeren Auswirkungen auf die Kreditkosten. Deutschland hingegen besitzt noch immer das Spitzenrating.

Moody's erklärte am Freitagabend nach US-Börsenschluss, die britische Rückstufung erfolge auch wegen der anhaltenden Schwäche bei den mittelfristigen Wachstumsperspektiven des Landes. Dies werde sich wohl auch noch einige Jahre hinziehen. Das liege an der Weltwirtschaft und den Folgen des Sparkurses von Regierung und Unternehmen. Gleichwohl mache die grundsätzlich vorhandene Wirtschaftskraft des Landes und der politischer Wille eine finanzielle Konsolidierung in Großbritannien möglich. Der Ausblick für das neue Rating Aa1 sei jedenfalls stabil.

Harsche Erinnerung an die Schuldenprobleme

Großbritanniens Finanzminister George Osborne erklärte, die Herabstufung sei eine harsche Erinnerung daran, wie ernst die Schuldenprobleme des Landes seien. Die neue Benotung werde die Entschiedenheit der Regierung verdoppeln, die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Mitte Januar hatte bereits die Ratingagentur Fitch und Mitte Dezember die Agentur Standard & Poor'serklärt, Großbritannien könne sein Spitzenrating verlieren. Als Grund hatte S&P unsichere Wachstumsaussichten für das Königreich angeführt. Großbritannien steckte zuletzt von Ende 2011 bis zum zweiten Quartal 2012 in der Rezession.

Im vergangenen Sommer gelang dank der Olympischen Spiele in London ein Plus. Doch danach machten dem Land Produktionsausfälle in der Industrie und eine geringere Öl-Förderung in der Nordsee zu schaffen. Eis und Kälte lähmen zudem Einzelhandel und Bau.

Für Verunsicherung sorgen auch die Reformwünsche von Premierminister David Cameron, der Rechte von Brüssel nach London zurückverlagern will und dabei auf Widerstand bei den anderen EU-Staats- und Regierungschefs stößt. Die britische Währung fiel im Zuge dieser Unsicherheit auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahr.