Rapper Marteria "Ich wär fast gestorben"

Statt Alkohol zu trinken und Drogen zu nehmen, geht Marteria jetzt lieber angeln - aber "extrem", wie er im Interview verrät.

(Foto: Paul Ripke/PR)

Der Rapper Marteria war komplett von der Bildfläche verschwunden, jetzt kommt er mit einem neuen Album zurück. Im Interview erzählt er von der schwersten Zeit seines Lebens - und vom Angeln.

Von Kristiana Ludwig und Vivien Timmler

Wenn ein erfolgreicher Musiker, dessen Album gerade erst mit Platin ausgezeichnet wurde, einfach so aus der Öffentlichkeit verschwindet, und zwar komplett, dann muss etwas vorgefallen sein. Dann liegt der Verdacht nahe, dass irgendetwas in seinem Leben gerade ganz und gar nicht so läuft, wie es laufen sollte.

Nun muss man dazu sagen, dass es im Fall von Marten Laciny, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Marteria, auch einfach hätte sein können, dass er sich gerade in Uganda, Angola oder Südafrika herumtreibt. Mit seinem besten Freund, dem "WM-Fotografen" Paul Ripke, spielt er das Länderpunkte-Spiel: Wer die meisten Länder bereist, gewinnt. Laciny und Ripke sind also etwa die Hälfte des Jahres unterwegs, um die Welt zu bereisen.

Nur war Marteria im Frühjahr 2015 nicht in Uganda, sondern im Krankenhaus. Akutes Nierenversagen, so die Diagnose. Dreieinhalb Wochen kämpften die Ärzte um sein Leben. "Ich wär fast gestorben", sagt er heute, nachdenklich, fast ehrfürchtig. "Ich hätte auch als schwerer Pflegefall enden können."

Seitdem hat sich im Leben des Rappers viel verändert. "Ich bin nach wie vor ein Wahnsinniger, ein Verrückter", sagt er. "Aber ich nehme keine Drogen mehr, kann keinen Alkohol mehr trinken." Auch seine Auftritte seien dadurch anders, sagt er, besser. "Ich hab jetzt viel mehr Kontrolle über das Publikum, bin viel mehr Boss."

Seine Fans konnten das gerade auf seiner ersten Tour mit dem neuen Album "Roswell" sehen, das am Freitag erscheint. Es war eine kleine Tour, durch jene Clubs, in denen er auch die ersten Konzerte seiner Karriere spielte: das Berliner Cassiopeia, das Münchner Backstage, das Zwischenbau in Rostock. Platz für nur wenige Hundert Leute, unmittelbarer Kontakt zu den Fans. Mehr Nähe geht nicht.

Dass er bei keinem dieser Konzerte Geld verdient, im Gegenteil, dass er sogar draufzahlt, ist Marteria egal. "Was nützt dir mal eben kurz eine Million, wenn du danach weg bist. Was ich mache, ist alles langfristig gedachtes Investment. Deine Fans bei dir zu haben und eine große Familie zu sein." Im Interview erzählt er außerdem von seiner harten Zeit als Model in New York, worin für ihn der Sinn des Lebens liegt und warum es sein bekifftes Alter Ego Marsimoto immer noch gibt.

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