Ranking Links regiert? Runterstufen!

Nachdem eine Linke Präsidentin wurde, fiel das Land in einem wichtigen Ranking plötzlich zurück. Der Chefökonom der Weltbank entschuldigt sich nun und bemüht sich um eine versöhnliche Erklärung.

Von Janis Beenen

Eine Sozialistin als Regierungschefin in Chile? Das hat einigen Mitarbeitern der Weltbank offenbar nicht gepasst. Seit dem Amtsantritt von Präsidentin Michelle Bachelet im Jahr 2014 soll die Institution das südamerikanische Land in einem Ranking für Unternehmerfreundlichkeit absichtlich schlecht eingestuft haben. Das berichtet das Wall Street Journal. Der Chefökonom der Weltbank, Paul Romer, sagte dem Blatt: "Ich möchte mich persönlich bei Chile und bei jedem anderen Land, von dem wir einen falschen Eindruck erweckt haben, entschuldigen." Die Einstufungen der vergangenen vier Jahre würden erneut überprüft und korrigiert. Tatsächlich habe sich Chiles wirtschaftliche Lage unter der sozialistischen Regierung nicht verschlechtert, gab Romer zu. Nur habe sich die Methodik zur Berechnung des Rankings verändert.

Betroffen ist Chiles Präsidentin Michelle Bachelet

Das sogenannte "Doing Business"-Ranking gilt als eine der wichtigsten Veröffentlichung der Weltbank. Es beschreibt, wie attraktiv ein Land für Investitionen von Unternehmern ist. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie teuer und zeitintensiv es ist, ein Gewerbe anzumelden. Zuletzt lagen Neuseeland und Singapur dabei in Führung, Chile belegte Platz 55. Im Jahr 2014, also kurz vor dem Amtsantritt der Sozialistin Bachelet, stand das Land 21 Plätze weiter vorne. Damals war noch der Konservative Sebastián Piñera an der Macht.

Romer bedauerte, dass die Entscheidung politisch motiviert wirkt. Noch-Präsidentin Bachelet reagierte auf Twitter: Die Glaubwürdigkeit der Weltbank sei gefährdet, schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst. Rankings wie das zur Unternehmerfreundlichkeit müssten glaubwürdig sein. Bachelets Amtszeit endet im März - ihr Nachfolger wird ihr Vorgänger, der Konservative Sebastián Piñera.