Von Varinia Bernau

Punkte für Understatement: Ein neues Ranking über die Leistung von Konzernchefs bescheinigt uneitlen Managern gute Leistungen. Deutsche Konzernchefs bekommen schlechte Noten.

Kritik musste Harry Roels immer wieder einstecken - vor allem für das, was er als Chef des Energiekonzerns RWE verdient hat: Kurz bevor er seinen Posten im Jahr 2007 abgab, lag sein Jahresgehalt bei gut vier Millionen Euro. Doch die vier Jahre an der Spitze des Unternehmens haben sich offenbar nicht nur für den Manager selbst gelohnt, sondern auch für die Aktionäre: Roels hat die Aktienrendite und den Börsenwert von RWE so stark erhöht wie kein anderer Vorstandschef in Deutschland.

Apple-Chef Steve Jobs, Foto: AP

Steht an de Spitze der internationalen Liste: Apple-Chef Steve Jobs, der den Börsenwert des Computerherstellers um 150 Milliarden Dollar und die Aktienrendite um 3000 Prozent steigerte. (© Foto: AP)

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Das hat eine Untersuchung von drei Wissenschaftlern der französischen Wirtschaftsschule Insead ergeben. Im Auftrag der Harvard Business Review haben sie knapp 2000 Konzernchefs darauf untersucht, wer über die gesamte Dauer seiner Amtszeit hohe oder besser gesagt: sehr hohe Wertsteigerungen für sein Unternehmen erbracht hat.

Der Befund: Wie eine Aktiengesellschaft wirtschaftlich dasteht, hängt weitaus stärker vom Chef ab als von anderen Einflussfaktoren wie etwa der Branche, dem Firmensitz oder Konjunkturschwankungen.

Steve Jobs unangefochten vorne

An der Spitze der internationalen Liste steht Apple-Chef Steve Jobs: Seit seinem Amtsantritt im Jahr 1997 hat er den Börsenwert des Computerherstellers um 150 Milliarden US-Dollar gesteigert und die Aktienrendite um 3000 Prozent empor getrieben. Selbst den Zweitplatzierten, Yun Jong-Yong, Chef von Samsung Electronics, lässt Jobs mit solchen Glanzleistungen ziemlich blass aussehen: Bei der Steigerung der Aktienrendite hat es der Südkoreaner nicht einmal halb so weit gebracht wie das Talent aus dem Silicon Valley.

Zum Vergleich: Harry Roels hat den Börsenwert von RWE um 52 Milliarden US-Dollar, die Aktienrendite um 250 Prozent gesteigert und kommt damit gemessen an den internationalen Spitzenmanagern nur noch auf Platz 34.

Ohnehin schneiden die Deutschen im weltweiten Vergleich schlecht ab, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Aktienkultur hier weniger ausgeprägt ist als in den USA: Roels ist der Einzige, der es in dem Harvard-Ranking unter die ersten 50 geschafft hat. Unter die ersten 100 kommt nur noch Manfred Wennemer, der den Automobilzulieferer Continental bis 2008 führte.

Auch die Frauen in der Liste kann man an einer Hand abzählen, für Einwanderer braucht man immerhin schon zwei Dutzend Hände.

So mancher Konzernchef, der immer wieder im Licht der Scheinwerfer steht oder die Titelblätter der Wirtschaftsmagazine ziert, schneidet bei der langfristigen Erfolgsmessung nur unterdurchschnittlich ab - so etwa Carlos Ghosn von Renault-Nissan oder Sergio Marchionne von Fiat.

Dass einige berühmte Manager wie Warren Buffett oder Bill Gates nicht in der Untersuchung vertreten sind, liegt allerdings auch an der Auswahl der Kandidaten: Berücksichtigt wurden nur jene Konzernchefs, die ihr Amt nach 1994 und vor 2008 angetreten haben.

BWL-Kenntnisse kein Muss

Dagegen überraschten weitgehend unbekannte Manager aus Schwellenländern wie Russland, Indien oder China: Alexej Miller, der den russischen Energiekonzern Gazprom leitet, kommt auf Platz drei, Mukesh Ambani, der den indischen Textil- und Chemiekonzern Reliance Industries führt, landet auf Platz fünf der Harvard-Liste.

Wenn es offenbar nicht das Charisma ist, was ist dann das Erfolgsrezept? Darauf geben die Autoren der Studie nur wenig Antworten: Auf den Spitzenposten sollte ein Manager, der aus dem Unternehmen kommt, weil er es lange und damit besser kennt.

Betriebswirtschaftliche Kenntnisse können nicht schaden, sind aber kein Muss: Konzernchefs mit einem Master in BWL liegen im Schnitt 40 Plätze vor jenen ohne solch einen Abschluss. Und: Wenn der Vorgänger den Konzern in eher miserablem Zustand verlässt, hat es sein Nachfolger leichter, den Unternehmenswert zu steigern.

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(SZ vom 27.01.2010/pak)