Obwohl es der Unternehmenskodex vorschreibt, legt nur ein Drittel der 30 Dax-Gesellschaften die Vorstandsgehälter einzeln offen. Aktionärsschützer untersuchten nun, wer wieviel verdient. Wenig überraschendes Ergebnis: Am meisten sahnte der Vorstand der Deutschen Bank unter Josef Ackermann ab.
Frankfurt - Deutsche Unternehmen sollten nicht nur die Einkünfte ihrer einzelnen Vorstände veröffentlichen, sondern auch über die Pensionsansprüche der Manager detailliert informieren. Darauf dringt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sie heizt damit die Debatte über Managerbezüge weiter an.
Kann sich über sein Gehalt nicht beklagen: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. (© Foto: ddp)
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Von Harald Schwarz Nach Meinung der Aktionärsschützer der DSW sind Pensionsanwartschaften "wichtiger Bestandteil des Gehalts" einer Führungskraft. Während bei britischen Gesellschaften diese Zahlen veröffentlicht würden, sei bei deutschen Unternehmen dazu nichts zu finden, rügt DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Hierzulande würden lediglich die Pensionszahlungen an bereits ausgeschiedene Vorstände oder deren Hinterbliebene als Gesamtsumme genannt. Hocker: "Das reicht uns nicht aus." Schließlich kämen bei den Pensionsansprüchen für Manager "ganz erkleckliche Summen" zusammen. Bei den Top-Zahlern unter den 30 im Deutschen Aktienindex (Dax) aufgeführten Konzernen seien für Vorstandsmitglieder Pensionszahlungen bis 600000 Euro im Jahr möglich. Hocker bemängelt, dass das Thema Managerpensionen in Deutschland bisher nicht diskutiert worden sei. Dabei belasteten diese Zahlungen die Unternehmen bereits in der aktiven Zeit der Manager, weil Rückstellungen gebildet werden müssten. Es sei daher nicht einzusehen, warum es auf diesem Gebiet "noch gar keine Transparenz" gebe. Die Anleger sollten die mit den Pensionsansprüchen verbundenen Belastungen der Firmen kennen, so der DSW-Mann.
Er ist zudem davon überzeugt, dass die Vorstände deutscher Aktiengesellschaften mittelfristig um die Veröffentlichung der einzelnen Einkünfte von Vorständen nicht herumkommen werden. Die zuletzt laut gewordene Kritik an den Verweigerern dieser Angaben zeige Wirkung. So habe inzwischen Adidas-Chef Herbert Hainer sein Gehalt von 1,5 bis 1,8 Millionen Euro offen gelegt. Und Allianz-Chef Michael Diekmann mache zumindest aus seinem Fixum von 900000 Euro kein Geheimnis mehr. Dessen Gesamtgehalt schätzt die DSW auf rund 2,8 Millionen Euro. Eine Studie der Aktionärsvereinigung soll zudem ergeben haben, dass die Firmen Eon, MAN, Schering, TUI und die Commerzbank mittlerweile über eine individualisierte Veröffentlichung der Vorstandsbezüge nachdenken. Kritik übt die DSW an den Konzernen BASF, BMW und VW. Diese hätten sich bei der Beantwortung der Fragebögen zu der Studie "wenig auskunftsfreudig" gezeigt. Insgesamt begnügten sich von den 30 Dax-Unternehmen zuletzt immerhin noch 19 Gesellschaften bei ihrer Berichterstattung nur mit dem Ausweis einer Gesamtsumme zu den Vorstandseinkünften im vergangenen Jahr.Nach den Recherchen der Aktionärsschützer sind die Gehälter der Manager 2003 kräftig gestiegen. Im Schnitt kassierte ein Vorstandsmitglied bei den DAX-Firmen 1,42 Millionen Euro und damit gut elf Prozent mehr als in der Vorperiode. Allerdings: Die Gewinne der Konzerne legten zugleich um 30 Prozent zu, wobei die DSW das Ergebnis je Aktie als Messgröße nimmt. Mit Blick auf die Entwicklung der Profite und der Gehälter meint die Organisation: "Insofern scheinen die Mechanismen der erfolgsabhängigen Bezahlung durchaus zu funktionieren." Den größten Gehaltssprung verbuchte im vorigen Jahr die Chefetage der Softwareschmiede SAP mit einem Plus von fast 147 Prozent, dem eine Steigerung des Ergebnisses je Aktie von 113,5 Prozent gegenübersteht. An zweiter Stelle dieser Hitliste folgt die Deutsche Bank mit einem Gehaltszuwachs von 80,6 Prozent und einem Ergebnisplus von 281,3 Prozent. Das größte Minus auf ihren Konten erlebten die Manager der Lufthansa. Die Überweisungen an sie fielen 2003 durchschnittlich um 45 Prozent niedriger aus als in der Vorperiode. Gehaltsplus trotz Verlust Nach Ansicht von Hocker darf es eines bei den Aktiengesellschaften nicht geben, nämlich steigende Gehälter bei schrumpfenden Gewinnen oder gar Verlusten. Leider habe sich diese Erkenntnis bei fünf Gesellschaften aus dem Dax noch nicht durchgesetzt, denn diese hätten wie etwa RWE und die Münchener Rück die Vorstandsbezüge trotz schlechterer Ergebnisse erhöht. Drei dieser fünf Unternehmen hätten dabei nicht nur geringere Gewinne, sondern sogar einen Verlust je Aktie wie die Münchener Rück für das vergangene Jahr melden müssen. Bei 20 der 30 Unternehmen hätten Ergebnis- und Gehaltsentwicklung hingegen zumindest "das gleiche Vorzeichen" gezeigt, so Hocker.
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