Radfahren EU will Versicherungspflicht für alle E-Bikes

E-Bikes werden rechtlich wie Mofas behandelt - sie brauchen ein Kennzeichen und müssen versichert werden. Für Pedelecs gilt das bisher nicht.

(Foto: dpa)

Experten befürchten, dass dies die Mobilitätswende empfindlich bremsen könnte. Eine Versicherung sei zwar sinnvoll - aber nicht die geforderte.

Von Anne-Christin Gröger

Der Sommer ist da, und das Fahrradfahren macht wieder Spaß. Neben den klassischen Zweirädern steigt die Zahl der Räder mit zusätzlichem Antrieb, also Pedelecs, die beim Pedaletreten den Elektromotor zuschalten, oder E-Bikes, bei denen der Motor auch ohne Treten Energie liefert.

Damit können Radler respektable Geschwindigkeiten erreichen. Deshalb und weil es mehr Elektrofahrräder gibt, steigt die Zahl der Unfälle. Im Jahr 2016 - aktuellere Zahlen des Statistischem Bundesamtes gibt es noch nicht - verunglückten in Deutschland 3901 Personen bei einem Unfall, an dem ein Pedelec oder E-Bike beteiligt war, davon 62 tödlich. Zwei Jahre zuvor waren es 2223 Personen, von denen 39 starben. Die Zahlen zeigen: Bei Unfällen mit Pedelecs können Beteiligten schwer verletzt werden - aber nicht immer hat der Verursacher eine Haftpflichtversicherung. Diese Police springt zum Beispiel ein, wenn ein Radfahrer einem Dritten einen Schaden zufügt und der dadurch körperlich eingeschränkt ist, beispielsweise längere Zeit nicht mehr arbeiten kann.

Vernetzt auf dem Fahrrad

Auf der Eurobike-Messe müssen die Neuheiten viel transportieren können - oder einen Elektromotor haben. Und die Digitalisierung kommt nun auch bei den Radlern an. mehr...

Eine Haftpflichtversicherung lohnt sich in jedem Fall

Die EU-Kommission will nun entschiedener gegen Fahrer vorgehen, die ohne eine entsprechende Police unterwegs sind. Sie schlägt eine Versicherungspflicht für Elektrofahrräder vor, ganz unabhängig davon, wie schnell sie fahren können.

Radfahrerverbände protestieren: "Mit ihrem Vorschlag versucht die EU-Kommission, Millionen von E-Bike-Fahrern zu kriminalisieren", schimpft etwa die European Cyclists Federation. Außerdem würden "Millionen von Europäern entmutigt, mit E-Bikes zu fahren". Das sei nicht im Sinne einer nachhaltigen, also möglichst umweltschonenden Mobilität.

Andere Fachleute geben dagegen Entwarnung: "In Deutschland fallen Modelle, die schneller als 25 Stundenkilometer fahren und deren Motor auch ohne Treten arbeitet, in dieselbe Kategorie wie Mopeds. Sie gelten als Kleinkrafträder und unterliegen deshalb ohnehin schon jetzt der Versicherungspflicht", sagt der Erfurter Versicherungs- und Verkehrsrechtler Michael Burmann. Für S-Pedelecs oder schnelle E-Bikes gilt also: "Sie brauchen ein Versicherungskennzeichen, das der Fahrer beim Kfz-Versicherer erhält", wie Burmann erläutert. "Außerdem unterliegen die Fahrer denselben Promillegrenzen wie andere Kraftfahrzeugfahrer."

Für die schnellen Elektroräder gilt übrigens auch die Helmpflicht. "Wer keinen Helm trägt und in einen Unfall verwickelt wird, dem kann eine Mitschuld von bis zu 50 Prozent gegeben werden, auch wenn er den Unfall nicht verursacht hat", sagt Burmann. Und: Schnelle E-Bikes dürfen nicht auf Radwegen unterwegs sein. Darauf weist der Allgemeine Deutsche Fahrradclub hin.