Rabobank nach Libor-Skandal Chef weg, 774 Millionen Euro weg

Nächste Strafe gegen die Trickser des Referenzzinses Libor: Die niederländische Rabobank zahlt in einem Vergleich 774 Millionen Euro an Aufsichtsbehörden und entlässt vorzeitig ihren Chef.

Die niederländische Rabobank zahlt wegen ihrer Verwicklungen in den Libor-Skandal etwa 774 Millionen Euro in einem außergerichtlichen Vergleich. Auf diese Summe habe man sich mit den Aufsichtsbehörden geeinigt, teilte die Bank am Dienstag mit. Etwa 30 Angestellte der Rabobank seien in die Manipulationen verwickelt gewesen, hieß es. Aus dem Top-Management sei aber niemand betroffen gewesen.

Weltweit wird wegen Manipulationen des Leitzinses Libor gegen mehrere Banken ermittelt, darunter auch gegen die Deutsche Bank. Die Verwicklungen führten wohl auch dazu, dass Firmenchef Piet Moerland vorzeitig seinen Posten aufgibt, wie das die Bank an diesem Dienstag bekannt gab. Rinus Minderhoud aus dem Aufsichtsrat übernimmt vorläufig den Posten.

Die Rabobank ist eine von mehreren Banken, die wegen der Libor-Manipulation viel Geld zahlen muss. Im vergangenen Jahr war herausgekommen, dass Mitarbeiter mehrerer internationaler Großbanken den Satz für die wichtigen Referenzzinsen jahrelang mit falschen Angaben verschoben hatten, um höhere Gewinne einzustreichen.

Der täglich in London festgestellte Libor-Satz gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Schon winzige Veränderungen können dabei enorme Wirkungen haben, denn der Libor wird als Grundlage für viele Finanzgeschäfte herangezogen - von Häuserhypotheken bis zu komplexen Derivatgeschäften.

Als erste Bank weltweit musste die britische Barclays wegen Manipulationen etwa 450 Millionen Dollar zahlen. Die bisherige Rekordstrafe bekam die Schweizer UBS mit mehr als einer Milliarde Dollar von Aufsehern aufgebrummt.

Offen ist nach wie vor, wie viel die Deutsche Bank zahlen muss. Das Handelsblatt hatte zu Wochenbeginn berichtet, dass das größte deutsche Geldhaus eine interne Untersuchung zum Libor-Skandal ausweitet. Die Finanzaufsicht Bafin hat nach Angaben aus Branchenkreisen nach einer Sonderprüfung kein bewusstes Fehlverhalten im Top-Management entdeckt. Die Prüfer rügten demnach allerdings zu lasche interne Kontrollen. Die Deutsche Bank hat in diesem Sommer für mögliche Strafen nochmals eine Milliarde zusätzlich zurückgelegt. Insgesamt sind es nun mehr als vier Milliarden Euro.