Zwei Investorengruppen wollen Quelle in abgespeckter Form weiterführen. Gleichzeitig wachsen die Zweifel, ob der staatliche Notkredit von 50 Millionen Euro zurückgezahlt werden kann.
Quelle könnte womöglich doch noch eine Zukunft haben. Die Quelle Deutschland GmbH war bis zuletzt der Kern des Versandimperiums und beschäftigte 1500 Mitarbeiter. Nun haben nach Informationen der Süddeutschen Zeitung zwei Investorengruppen Übernahmekonzepte vorgelegt. Beide bieten an, das Versandhaus mit den Sortimenten Möbel, Küchen, Haus- und Heimtextilien sowie Küchengeräte in abgespeckter Form fortzuführen. Im Zuge dessen sollen sowohl der Name Quelle, als auch die Untermarken Webschatz für Heimtextilien und Privileg (Küchengeräte) erhalten werden. Der Vertrieb der Ware soll, wie bisher, über Katalogversand, Internet und stationäre Läden stattfinden. Dem Vernehmen nach sieht das Konzept der Investoren vor, allein im Raum Nürnberg/Fürth 400 Quelle-Beschäftigte zu übernehmen.
Alles muss raus: Bei Quelle sind schon die Schnäppchenjäger unterwegs. (© Foto: dpa)
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Der Nürnberger Wirtschaftsreferent Roland Fleck bestätigte die Existenz eines entsprechenden Investoren-Angebots. Fleck sprach von einem "betriebswirtschaftlich hinreichend profitablen Konzept, das ohne große Anlaufschwierigkeiten umgesetzt werden könnte". Fleck appellierte daher an den Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, "diesem Vorhaben eine faire Chance zu geben".
Sorgfältige Prüfung
Görgs Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu dem Konzept ab. "Ich kenne es nicht", sagt er. Er erklärte lediglich, dass die Insolvenzverwaltung derzeit zahlreiche Angebote für alle möglichen Firmen aus der Primondo-Gruppe erhalte. Sie würden jetzt "jeweils einzeln und mit aller Sorgfalt" geprüft. Der Interessenverband der Quelle-Shop-Inhaber etwa bemüht sich um einen Fortbestand der Läden in Eigenregie.
In Nürnberg wächst die Sorge, dass Görg mit Blick auf die Primondo-Gläubigerversammlung am 11. November in Essen die zuletzt als nicht überlebensfähig eingestufte Quelle Deutschland GmbH vorschnell zerschlägt.Mit dem Investorenkonzept hätte das Unternehmen nun vermutlich "eine reelle Chance", erklärte Wirtschaftsreferent Fleck.
In der Region Nürnberg und Fürth verlieren 4000 Quelle-Mitarbeiter voraussichtlich bereits zum 1. November ihren Arbeitsplatz. Quelle-Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel sieht weitere 3000 Jobs an anderen Standorten gefährdet, etwa in Callcentern in Berlin, Magdeburg, Cottbus und Görlitz sowie im Logistikzentrum in Leipzig.
Unabhängig davon verdichten sich die Hinweise, dass Görg Probleme bekommen könnte, den von der Bundesregierung und den Ländern Sachsen und Bayern gewährten Notkredit in Höhe von 50 Millionen Euro vollständig zurückzuzahlen. Das Geld war als sogenannter Massekredit gewährt worden, das heißt, das Geld muss Görg vor allen anderen Forderungen zurückgeben. Das hat Görg zwar auch vor. "Der Massekredit wird in jedem Fall bedient werden", versichert sein Sprecher. Wie aus Kreisen der bayerischen Staatsregierung verlautet, wachsen jedoch in der Politik die Zweifel: "Es sieht danach aus, dass am Ende das Geld nicht ausreicht", sagte eine mit dem Verfahren befasste Person.
Dafür spricht, dass der Insolvenzverwalter mit dem Gedanken spielt, bei Gericht die sogenannte "Masseunzulänglichkeit" zu beantragen. Das Verfahren wird notwendig, wenn die Insolvenzmasse nicht oder nicht mehr ausreicht, um neben den Verfahrenskosten auch die fälligen sonstigen Verbindlichkeiten zu erfüllen. Letzteres würde bedeuten, dass auch Bestellungen, die die Insolvenzverwaltung in den vergangenen Monaten bei Lieferanten und Dienstleistern vorgenommen hat, schlimmstenfalls nicht oder nur zu einem Teil bezahlt werden können.
Görgs Sprecher bestätigte, dass ein entsprechender Antrag derzeit intern geprüft werde. Man könne "nicht ausschließen", dass er in der kommenden Woche gestellt werden müsse, sagte er. Der Massekredit ist mit Waren abgesichert, deren Wert in den Büchern noch mit mehr als 150 Millionen Euro angegeben ist. Die tatsächlichen Erlöse dürften dem Vernehmen nach nur bei etwa der Hälfte der Summe liegen. Görg muss die Waren günstig abgegeben, um nicht drauf sitzenzubleiben. Der Abverkauf kostet zudem jede Menge Geld.
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(SZ vom 24/25.10.2009/mel)
@ california vollhorst: Da sollten sie sich erstmal informieren, in welcher Rangfolge der Kredit aus der Restmasse befriedigt wird: GANZ GANZ ZUERST
Naja ich schätze mit dem Markennamen "Quelle" macht beim Ausverramschen noch jemand sein Schnäpchen - dass es dabei nicht um Arbeitsplätze geht ist klar.
Falls jemand mit "Quelle" wieder Versandhandel betreiben will, dann stellt er halt andere neu ein. Die haben dann
Probezeit,
befristete Verträge,
400 Jobs,
halbes Gehalt,
Aufstockung,
keinen Betriebsrat,
45 Stundenwoche,
keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall,
Überwachungskameras in den Umkleideräumen,
usw..
Aber als neuer "Quelle"-Besitzer kann man dann vielleicht noch nen Haufen Geld vom Arbeitsamt kassieren, weil man soviele neue "Arbeitsplätze" erschaffen hat.
Alles natürlich super "Unternehmertum" ala Metzgerwelle. Gibt bestimmt ne klasse Rendite für die "Investoren".
Nach dem Aus ist vor dem Aus, ist nach dem Aus ... usw. usf.
Hauptsache, es werden erstmal 4.000 Menschen zum 1. November arbeitslos.
Eine Art lässlicher Kollateralschaden beim Verschachern von Unternehmen.
Wieviel von den 50 Millionen Euro für die Katalogdruckerei sind denn als verdeckte Spenden an eine ganz bestimmte Partei gegangen?
Ob und wie der Ausverkauf organisiert wird, läßt sich bestimmt nicht so schnell regeln.
Ausverkauf bedeutet z. B., dass keine Ratenzahlungen mehr genommen werden, dass das Eigentum an der Ware erst einmal festgestellt werden muß (Eigentumsvorbehalt!) und verschiedenes anderes, was bei einem Verkauf von Insolvenzware besonders ist. (Z. B. kein Rückgaberecht, keine Gewährleistung, nur Nachnahme usw.)
Wer jetzt noch im Internet oder aus dem Katalog normal bestellt, darf sowieso nicht davon ausgehen, dass er Ware erhalten wird. Insofern ist es im Moment egal, wie die Ware im Internet angeboten wird.
Quelle ist pleite und die Produkte werden im Internet dennoch zu Wucherpreisen verkauft. Was soll das, dachte es wäre Ausverkauf bei Quelle? Möchte man so noch aus der Krise?
Es ist nicht nur, das Quelle den "Fortschritt" über das Internet verschlafen hat, es sind auch die hohen Preise und das schlechte Sortiment. Genauso schlecht wie bei Karstadt. Quelle braucht einfach nur fähige Einzelhändler im Managment und keine BWL-Schnösel die nur Zahlen - aber keinen Verstand - im Kopf haben.
PS: Nicht beledigit sein, gibt selbstverständlich auch fähige BWL-"Schnösel" :-)
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