Vor dem Beschluss über den ersehnten Massekredit für Quelle hoffen Tausende Mitarbeiter auf die Rettung. Konzernchef Hilbers und die SPD dringen massiv auf die rettenden Millionen.
Die Entscheidung naht. Bis zum Abend soll entschieden sein, ob der Versandhändler Quelle den ersehnten Massekredit bekommt - oder ob die Lichter in Fürth ausgehen. Am Montag treffen sich in Berlin die zuständigen Vertreter von Bund und Ländern, um über die Gewährung der Finanzhilfe zu entscheiden.
Quelle hofft auf einen Massekredit - noch am Montag soll die Entscheidung darüber fallen. (© Foto: AP)
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Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, bei einer Gesprächsrunde solle eine Entscheidung fallen. Bei der EU sei der Massekredit schon vorsorglich angemeldet worden. Brüssel habe zugesagt, möglichst schnell zu entscheiden. Es sei allerdings noch kein Beschluss ergangen.
SPD für Staatshilfe
Unterdessen hat der oberste Quelle-Manager noch einmal vehement auf staatliche Unterstützung gedrungen. Konrad Hilbers sagte im ZDF-Morgenmagazin, die Zukunftsfähigkeit von Quelle stehe "außer Frage". Es sei richtig, den Versandhändler Quelle mit staatlicher Hilfe zu retten. Zugleich wehrte sich der Quelle-Chef gegen Vorwürfe, unternehmerische Versäumnisse seien an der Pleite des Konzerns schuld. Das Unternehmen habe nichts verschlafen. So habe Quelle inzwischen einen festen Platz im Versandhandel über das Internet erworben.
Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gab sich jedoch zurückhaltend. "Wir werden sehen, ob wir die Fragen lösen können", sagte er. Die Gewährung des Massekredits hänge vor allem auch von den Sicherheiten für den diskutierten Staatskredit von 50 Millionen Euro ab.
Im Gegensatz dazu hat sich SPD-Generalsekretär Hubertus Heil noch einmal für eine staatliche Unterstützung von Quelle ausgesprochen. Heil sagte, er gehe davon aus, "dass bei gutem Willen der Beteiligten eine Lösung gefunden werden kann". Die Situation sei "nicht geeignet für ideologische Auseinandersetzungen zwischen den Herren Seehofer und zu Guttenberg". Die SPD gehe davon aus, dass Quelle "zukunftsfähig aufgestellt" werden könne.
Die Rettung, eine Hängepartie
Die Entscheidung des Bundes über Staatshilfen für Quelle hatte sich in den vergangenen Tagen zur Hängepartie entwickelt. Ursprünglich hatte der Versandhändler eine Rettungsbürgschaft von 50 Millionen Euro beantragt, damit das Unternehmen von seinen Banken wieder Geld bekommt. Nach tagelangem Ringen teilte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) vor wenigen Tagen aber mit, dass der Bürgschaftsausschuss dies abgelehnt hat. Stattdessen prüfte die Bundesregierung seitdem einen Notkredit für Quelle in gleicher Höhe. Von dem Darlehen verspricht sich der Bund einen besseren Schutz seines Geldes.
Dabei handelt es sich um einen sogenannten Massekredit. Das bedeutet, dass der Bund bei einem möglichen Aus von Quelle unter allen Geldgebern aus den verbliebenen Unternehmenswerten - der Insolvenzmasse - zuerst entschädigt wird.
Der Kredit soll zur einen Hälfte vom Bund und zur anderen Hälfte von den Ländern mit Quelle-Standorten kommen. Demnach soll der Bund 25 Millionen Euro beisteuern, weitere 21 Millionen Euro kommen aus Bayern, der Rest aus Sachsen. Quelle hat in Deutschland rund 10.000 Mitarbeiter, 6000 davon in Bayern. Bayern und Sachsen haben dem Kredit schon zugestimmt.
Quelle braucht das Darlehen unter anderem, um den Druck seines neuen Katalogs zu bezahlen. Die Konten des Versandhändlers sind leer, nachdem die Gelder am Tag vor dem Insolvenzantrag der Konzern-Mutter Arcandor auf deren Konten flossen. Der Konzern bezeichnete dies als übliches Verfahren und verwies angesichts der Geldprobleme Quelles auf die bisherige Bank des Versandhändlers. Diese stellte nach der Arcandor-Insolvenz die Zahlungen ein. Arcandor hatte Anfang Juni für sich selbst und mehrere Tochterfirmen Insolvenzantrag gestellt, darunter auch Quelle.
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(sueddeutsche.de/AFP/tob/pak)
Berliner Zeitung
"...und man eigentlich gar keinen Katalog benötigt."
Klingt plausibel, ist aber so nicht richtig. Ein großer Teil der Bestellungen im Internet
wird durch Printanstöße (z.B. Kataloge) erst ausgelöst. Zudem bestellen viele Kunden
(insbesondere die ältere Kunden und - ja, auch bei Otto &Co. ist es nicht anders)
immer noch zu einem sehr hohen Teil eben doch direkt aus den Katalogen.
Klingt für manchen vielleicht komisch, ist aber so
"So habe Quelle inzwischen einen festen Platz im Versandhandel über das Internet erworben."
Wo das ganze Waren-Angebot nochmal zu finden ist, und man eigentlich gar keinen Katalog benötigt.
Ergo werden zehntausende Quellekatologe im Papiermüll landen, die natürlich wir finanziert haben.
Konsum ist schließlich systemisch, selbst für Produkte Made in China.
Also ich muss sagen die Idee, dass der Staat dem armen systemrelevanten Quelle-Versandhaus den Druck der Kataloge bezahlt ist schon toll! Eine tolle Steilvorlage für die wahlkämpfenden Totalversager von der sPD und einige derVolksverwalter von der csU.
Denn der "Quellekatalog" ist dem dumpfen Wahlvolk ja
1. ein vertrautes und liebgewonnenes Symbol aus besseren deutschen Tagen
2. das startende Glied einer schöne Kausalitätskette: Kein Quellekatalog, keine Bestellungen, keine Arbeit, kein Quelle, keine "Arbeitsplätze".
Wer wollte dem armen darbenden Konzern dies schon verweigern? Der muss ja herzlos sein.
Also: Alles bestens.
Egal was die Regierung macht, sie kann nur verlieren.
Ist doch prima - dann braucht man diesen Haufen Papier auch gar nicht erst bedrucken. Oder welcher Onlinekäufer wälzt sich zuerst durch so ein Ungetüm?
Der hier ist auch nicht schlecht: "Die SPD gehe davon aus, dass Quelle 'zukunftsfähig aufgestellt' werden könne." - was ist der Mehrwert dieser Aussage? Prinzipiell gilt das für alle Unternehmen - man kann aus Preussag TUI machen oder aus einem Röhrenhersteller einen Mobilfunkladen (mannesmann). Die Frage ist doch - wer bezahlt das? Offenbar glaubt man aber auch bei der SPD nicht, dass Quelle momentan zukunftsfähig ist.
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