Von Uwe Ritzer, Thomas Öchsner und Mike Szymanski

Quelle muss 50 Millionen Euro Staatshilfe zurückzahlen. Was geschieht, wenn die letzten Erlöse nicht ausreichen?

Am Ende könnte der Steuerzahler die eine oder andere Million aus dem Staatskredit für Quelle abschreiben müssen: Denn bei der Rückzahlung des staatlichen Notdarlehens über 50 Millionen Euro für das insolvente Versandhaus ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung noch eine Reihe von Fragen ungeklärt. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verlangt offenbar vom Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg Auskunft darüber, zu welchen Bedingungen und auf welche Weise er die Lagerbestände verkaufen will. Entsprechende Gespräche sollen jetzt geführt werden. Der Massekredit soll aus den Gewinnen des Warenverkaufs zurückgezahlt werden, und es besteht die Sorge, dass die Erlöse am Ende nicht ausreichen könnten.

Quelle, Abverkauf, AP

Quelle wird aufgelöst - und was wird aus dem Staatskredit? (© Foto: AP)

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Am Mittwoch hatten Vertreter des Bundes und des Freistaates Bayern erklärt, man rechne fest mit der Rückzahlung der 50 Millionen Euro, die als sogenannter Massekredit ausgereicht worden waren. Daran hatten sich der Bund über die KfW mit 25 Millionen Euro, Bayern mit 21 Millionen Euro und Sachsen mit vier Millionen Euro beteiligt. Die Bundesregierung hatte nach tagelangem Ringen durchgesetzt, dass der Bund im Falle eines Scheiterns der Rettung als erster Geld zurückbekommt. Deshalb müssen vor allem Bayern und Sachsen bangen. In Berliner Regierungskreisen zeigte man sich hingegen zuversichtlich, die 25 Millionen Euro zurückzubekommen.

Millionen Teile im Abverkauf

Ein Expertenteam bei Quelle ist damit beschäftigt, den Abverkauf von etwa 18 Millionen Warenteilen zu organisieren. Die Menge entspricht dem Ladevolumen von 1000 großen Lkw. Die auf 25.000 Paletten gestapelte Ware aus den Lägern zu den Versand- und Verkaufsstellen zu transportieren, erfordert einen entsprechend hohen Aufwand bei Logistik und Personal.

Nach Angaben der Insolvenzverwaltung sind für den Ausverkauf 3000 Beschäftigte notwendig - das wird teuer und verringert den Gewinn bei den Verkäufen. Ein erheblicher Teil der Ware, mit der der Massekredit abgesichert ist, steht zudem unter Eigentumsvorbehalten der Lieferanten, gehört also denen, wenn ihre Rechnungen nicht beglichen werden. Um nicht auf der Ware sitzen zu bleiben, kalkuliert Görg außerdem mit hohen Rabatten.

All das schmälert die Chancen, dass am Ende genug Geld für den Kredit zusammenkommt. Ein Sprecher Görgs dementierte aber etwaige Probleme. Die anstehenden Gespräche nannte er einen "völlig normalen Abstimmungsprozess". "Wir gehen davon aus, dass der Massekredit von uns bedient werden kann wie es sich gehört", sagte er.

Spekulieren auf die Filetstücke

Parallel zum Lagerabverkauf sondiert Insolvenzverwalter Görg erste Kaufangebote für Teile der Primondo-Gruppe. Dabei fängt er nicht bei Null an. 32 Interessenten haben sich in den vergangenen Wochen gemeldet, die meist nur einzelne Firmen aus dem Primondo-Verbund übernehmen wollten. Als Filetstücke gelten die Quelle-Auslandsgesellschaften, der TV-Shoppingsender HSE 24, der technische Kundendienstleister Profectis sowie Spezialversender wie Baby Walz. Auch einigen Call-Centern werden gute Überlebenschancen eingeräumt.

Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz wird vermutlich nicht mitbieten. Die 66-Jährige hat durch den Zusammenbruch von Quelle und dem Mutterkonzern Arcandor dem Vernehmen nach mehrere Milliarden Euro verloren. Angeblich sollen auch private Immobilien verpfändet sein. Ihr Ehemann Leo Herl sagte der Bild-Zeitung, seine Frau wolle das Aus von Quelle nicht kommentieren.

Unterdessen richtet sich die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg für den Ansturm von bis zu 4000 Menschen ein, die schon zum 1. November ihre Jobs verlieren. Das Ende bei Quelle wird auch bei der Deutschen-Post-Sparte DHL zu Stellenverlusten führen - unter anderem in Nürnberg. Es sei geplant, drei Logistik-Standorte mit etwa 400 Mitarbeitern zu schließen, sagte ein DHL-Sprecher. Es handele sich um Standorte in Bochum, Lehrte und Nürnberg. Damit erhöht sich die Zahl der von der Pleite des Handelskonzerns betroffenen DHL-Mitarbeiter auf 960. Insgesamt seien ehemals 3000 DHL-Mitarbeiter mit der Logistik des Arcandor-Konzerns befasst gewesen.

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(SZ vom 23.10.2009/mel/dmo)