Man sagt, Madeleine habe die Fusion im Hintergrund mit angeschoben. Ob aus eigenem Antrieb oder auf Anraten von Einflüsterern, dies ist nicht bekannt. Eine Einheit wurde der Konzern jedoch nie. "Die Quelle-Leute sagten, wir haben Karstadt geschluckt", erinnert sich ein inzwischen pensionierter Manager. "Und die Karstadt-Leute dachten genau umgekehrt."

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Es begann eine Zeit, in der Manager und Strategien so atemberaubend schnell wechselten, dass die Mitarbeiter bisweilen nicht mehr wussten, wie ihnen geschah. Was heute galt, war morgen wieder anders.

Und dann war da das Problem Neckermann. Karstadt hatte den Quelle-Konkurrenten mit in die Firmenehe gebracht. Neckermann aber fischte die Kunden im selben Teich wie Quelle. Beide Marken wurden unter einem Management vereint - und kannibalisierten sich doch. Dazu kamen neue Probleme im Umgang mit preisaggressiven Discountern und Elektronikmärkten, deren Kampagnen viel pfiffiger waren als jene der braven Quelle.

Die "scheue Milliardärin"

Wie viel von alledem hat Madeleine Schickedanz überhaupt mitbekommen? Sie, die bis zuletzt Jeans, Pantoffeln und Küchengeräte bei Quelle bestellte? Wie viel wollte sie überhaupt wissen? Reicht es, wenn sie sich mit der Begründung aus der Verantwortung redet, die vergangenen Jahre ja nur Großaktionärin, aber keine klassische Eigentümerin mehr gewesen zu sein? Noch im Herbst 2000 hielt ihre Familie mehr als 49 Prozent der Aktien an der Karstadt-Quelle AG.

Für die Öffentlichkeit aber war sie in erster Linie die "scheue Milliardärin", als welche sie die Boulevardpresse bei den Salzburger Festspielen oder auf Wagners Grünem Hügel in Bayreuth entdeckte.

Die dabei entstandenen Fotos zeigen nicht selten eine merkwürdig verhuschte Person. Als wollte die Frau auf dem Bild am liebsten davonlaufen. Sie ist keine taffe, knallharte Geschäftsfrau wie Maria-Elisabeth Schaeffler, die andere reiche Witwe aus Franken.

Madeleine Schickedanz bleibt auch im Untergang von Quelle ein Rätsel. Kraft ihres Namens und ihres Aktienpaketes war sie bis zum Tag der Insolvenz am 9. Juni 2009 mehr als eine bloße Kulissenschieberin im Hintergrund. Die Regisseurin, die sie hätte sein sollen, war sie aber nie.

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  1. Das Phantom aus Fürth
  2. Die große tragische Figur
  3. Das Ideal einer fürsorglichen Familienmutter
  4. Sie lesen jetzt Bloße Kulissenschieberin im Hintergrund
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(SZ vom 21.10.2009/pak)