Quelle-Erbin Schickedanz Ein Opfer ihrer selbst

Sie ist aufgewachsen im goldenen Käfig und geriert sich als angehender Hartz-IV-Fall. Dabei ist Madeleine Schickedanz an ihrem Desaster selbst schuld. Ihr öffentliches Jammern ist peinlich.

Ein Kommentar von Uwe Ritzer

Ihre Kinder würden ihr vorwerfen, sie hätte sich zu wenig um den Konzern gekümmert, sagt Arcandor-Großaktionärin und Quelle-Versandhauserbin Madeleine Schickedanz.

Man kann sie nur beglückwünschen zu solch klugen Kindern. Denn für das Desaster des Handelskonzerns trägt zu einem deutlichen Maß sie selbst Verantwortung, vor allem, soweit es um die Arcandor-Tochter Quelle geht.

Aufgewachsen im goldenen Käfig und mit Eltern, die nie Zeit für sie hatten, übernahm die Tochter später nie wirklich selbst Verantwortung für ihr Erbe. Sie schickte stets ihre Ehemänner vor, drei an der Zahl, und das ging schief. Privat wie geschäftlich.

Schickedanz hätte ihre Rolle als Erbin entweder konsequent annehmen und sich dann intensiv um das Unternehmen kümmern müssen. Oder sie hätte den Laden frühzeitig verkaufen und einen Trennungsstrich ziehen müssen. Stattdessen lavierte sie jahrzehntelang herum.

Umso seltsamer ist es, wie die Quelle-Erbin jetzt in ihrem ersten Interview seit Jahren zu Jammern beginnt. Gewiss, sie hat Milliarden verloren. Aber wie sie sich von ihrer abgeschirmten Villa im Fränkischen aus als angehender Hartz-IV-Fall geriert, ist peinlich.

Mit ihrer Klage, beim Discounter einkaufen und beim Italiener um die Ecke Pizza essen zu müssen, verhöhnt sie die Tausenden Quelle-Mitarbeiter, die wirklich um ihre Existenz fürchten müssen. Das sind die Menschen, für die Schickedanz als Arbeitgeberin eine Verantwortung hat, der sie jedoch nicht gerecht geworden ist.

Sie ist kein Opfer. Ihr Gejammer lässt nur einen Schluss zu: Schickedanz hat in ihrer abgekapselten Luxuswelt bis heute nicht begriffen, was Arcandor und seine über 80.000 Beschäftigten wirklich bewegt.

Ein großer Gemischtwarenladen

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