Nach dem Gewinnzuwachs im vergangenen Quartal gibt Konzernchef Löscher höhere Ziele vor: Siemens soll doppelt so schnell wachsen wie die Weltwirtschaft.

Vor allem der Einmalerlös aus dem Verkauf der Autozuliefersparte VDO blähte den Gewinn nach Steuern von Oktober bis Dezember auf 6,48 Milliarden Euro von 788 Millionen Euro im Vorjahr auf, wie Siemens vor der Hauptversammlung am Donnerstag in München mitteilte. Auf den Verkaufserlös für VDO entfielen davon allein 5,4 Milliarden Euro.

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Doch legte der von Korruptionsaffären gebeutelte Konzern auch im regulären Geschäft zu. Das operative Ergebnis kletterte um 16 Prozent auf 1,72 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um acht Prozent auf 18,4 Milliarden Euro zu.

Siemens-Chef Peter Löscher bekräftigte seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr, das bis Ende September geht. "Beim Umsatz wollen wir mindestens doppelt so schnell wachsen wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt", erklärte er.

Das operative Ergebnis solle mindestens doppelt so stark wachsen wie der Umsatz. Die Prognose galt eigentlich auch für das folgende Geschäftsjahr, was Löscher angesichts der US-Konjunktursorgen aber auch auf Nachfrage nicht mehr wiederholen wollte.

In der neuen Konzernstruktur setzte Löscher auch den beiden Großbereichen Industrie und Energie neue Renditeziele. Der Sektor Industrie müsse bis Herbst 2010 operativ 9 bis 13 Prozent abwerfen statt der bisher geforderten 9 bis 11 Prozent.

Kraftwerksbereich verfehlt Renditenziel deutlich

Für den Großbereich Energie gelte ein Margenziel von 11 bis 15 Prozent statt von bisher 9 bis 13 Prozent. Vor allem hier dürften die Ziele zunächst schwer zu erreichen sein.

Der Kraftwerksbereich Power Generation verfehlte sein bisheriges Renditeziel von mindestens zehn Prozent mit 4,5 Prozent deutlich.

Auch die Medizintechnik, die Gebäudetechnik sowie die Zug- und Verkehrstechnik blieben hinter den von Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld aufgestellten Vorgaben zurück.

In der schwelenden Korruptionskrise ist noch kein Ende in Sicht. Im Weihnachtsquartal habe Siemens intern 52 neue Untersuchungen aufgenommen, teilte Löscher mit.

Im Zuge des Kronzeugenprogramms habe der Konzern bisher 33 Anfragen von Mitarbeitern erhalten. Vier Beschäftigten sei Amnestie gewährt worden, bei zwei Angestellten sei dies abgelehnt worden.

Am Donnerstag stellt sich der Konzern der Diskussion mit seinen Aktionären. Zur Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle kamen rund 10.000 Anteilseigner. Siemens-Chef Löscher, der den Chefposten vor gut einem halben Jahr übernommen hatte, wiederholte am Morgen seine Forderung, den Korruptionsskandal lückenlos aufzuklären. "Wenn Fakten auf dem Tisch liegen, werden wir weiter konsequent handeln", sagte Löscher.

Das Geschäft des Konzerns sei von der US-Immobilienkrise "nicht unmittelbar" betroffen, sagte Löscher. Entsprechend rechne er auch nicht mit direkten Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung im laufenden Geschäftsjahr 2007/08.

Aktienrückkaufprogramm startet am 28. Januar

Siemens beobachte derzeit die Lage in den USA. Sollte sich in Folge einer allgemeinen Abschwächung der US-Konjunktur auch die Weltwirtschaft abkühlen, werde "das veränderte Rahmenbedingungen für alle bedeuten, auch für uns". Löscher rechnet damit, dass die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in den USA zumindest eine Verlangsamung für die Industrie dort bedeutet.

Der Konzern gab bekannt, Ende Januar mit seinem bereits angekündigten milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm beginnen zu wollen.

Vom 28. Januar an sollen in einer ersten Tranche Anteilsscheine für rund zwei Milliarden Euro erworben werden. "Dies ist der erste Schritt im angekündigten Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen bis zu zehn Milliarden Euro bis 2010, das umfangreichste in der Geschichte von Siemens", sagte Finanzvorstand Joe Kaeser. Der Konzern will den Großteil der Aktien einziehen und so seine Kapitalstruktur verbessern.

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(sueddeutsche.de/Reuters/ddp-bay/dpa/mah/woja/ckn)