Quartalsergebnis des Konzerns Google verblüfft mit Riesen-Gewinnsprung

Gesucht wird immer: Die Krise kann Google nichts anhaben. Der Suchmaschinen-Konzern steigert seinen Gewinn um mehr als ein Viertel, den Umsatz um ein Drittel. Anscheinend kann nur noch eines das Unternehmen aufhalten - die eigene Größe.

Bei Google gibt es keine Flaute. Der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber verblüfft in der Krise mit einem Quartalsergebnis sämtliche Experten. Denn es läuft noch besser als von den Analysten erwartet: 26 Prozent mehr Gewinn, 33 Prozent mehr Umsatz in den vergangenen drei Monaten.

Im dritten Quartal stieg der Gewinn auf mehr als 2,7 Milliarden Dollar, zuvor waren es noch 2,2 Milliarden Dollar gewesen. Seinen Umsatz steigerte der Branchenführer auf 9,7 Milliarden Dollar - und damit zum vierten Mal in Folge.

Grund für den Erfolg waren sprudelnde Werbeeinnahmen. Google finanziert sich durch Geld für Anzeigen, die neben den Ergebnissen der Suchmaschine geschaltet werden. Bei jedem Klick auf einen der Werbelinks verdient das Unternehmen Geld. Nach Bekanntgabe des Quartalsergebnisses schoss der Kurs der Aktie nachbörslich sechs Prozent nach oben.

Google-Gründer und Chef Larry Page erläuterte die künftige Strategie: Er will die Zahl der Produkte reduzieren und Geld in Geschäftsbereiche mit Aussicht auf höhere Renditen umleiten. Google hatte in den vergangenen Monaten damit begonnen, 20 seiner Angebote vom Markt zu nehmen, darunter das Festplatten-Suchprogramm Desktop und das soziale Netzwerk Aardvark. "Wir müssen harte Entscheidungen treffen, worauf wir uns konzentrieren wollen", sagte Page. "Aber wenn wir das nicht tun, dann enden wir mit Dingen, die nicht den Erfolg haben, den wir brauchen."

Der Konzern investierte in letzter Zeit nicht nur kräftig in sein soziales Netzwerk Google Plus, sondern auch in sein schnell wachsendes Mobilfunk-Geschäft, mit dem er iPhone-Hersteller Apple angreifen will. Googles Betriebssystem Android ist bereits die weltweit am meisten genutzte Software bei Smartphones. Nach den Worten von Google-Chef Page sind mittlerweile mehr als 190 Millionen Android-Geräte in Gebrauch - das ist ein Zuwachs von 55 Millionen binnen drei Monaten.

Streit wegen starker Marktposition

Am Quartalsende hatte der Konzern unglaubliche 42,6 Milliarden Dollar als Reserve. Mit diesem Geld will Google unter anderem den Kauf des Handy-Herstellers Motorola stemmen. 12,5 Milliarden Dollar liegen dafür auf dem Tisch. Damit verschafft sich Google Zugriff auf eines der größten Patent-Arsenale der Mobilfunkbranche und Fabriken zur Herstellung eigener Smartphones. Offen ist, wie bisherige Android-Kunden, etwa Samsung und HTC, auf eine solche neue Konkurrenz reagieren.

"Wir sind sehr zufrieden mit Android", sagte Page. Allerdings brachte der Vorstoß Google auch viel Ärger ein - der Konzern liegt mit einer ganzen Reihe von anderen Technologiefirmen wegen Patentfragen im Clinch, allen voran mit Apple. Den Kauf des Branchen-Urgesteins Motorola sieht Page als Abwehrmaßnahme: "Wir meinen es ernst damit, das Android-Ökosystem zu schützen."

Das Motorola-Geschäft steht aber auch für ein grundsätzliches Problem des Konzerns: Google wird langsam zu groß. Der Kauf sollte eigentlich zum Jahreswechsel abgewickelt sein; doch noch prüfen ihn die Wettbewerbsbehörden. Im Suchmaschinen-Geschäft ist Google schon lange die unbestrittene Nummer eins und hat an manchen regionalen Märkten mehr als 90 Prozent Anteil. Deshalb prüfen Kartellwächter in Europa und den USA, ob das Unternehmen seine Marktmacht missbraucht hat. Vor wenigen Wochen mussten Google-Manager sogar vor dem amerikanischen Senat aussagen. Dem Gewinn hat das nicht geschadet.