Qimonda-Pleite: Sorge um Infineon Im Katastrophen-Strudel
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Nach der Qimonda-Pleite sorgen neue Mutmaßungen für Angst: Experten befürchten das Ende des IT-Standorts Sachsen - und in München beginnt das Bangen um die Qimonda-Mutter Infineon.
Nicht einmal 24 Stunden sind die Horrormeldungen über die Pleite des Chipherstellers Qimonda alt - und schon setzt sich ein regelrechter Wettlauf in Gang: Wer ist Schuld an der Situation? Wer trägt die Verantwortung? Immerhin geht es um etwa 13.000 Menschen, die ihren Lebensunterhalt bei dem IT-Konzern verdienen.
Qimonda ist insolvent - jetzt beginnt das Bangen um die Muttergesellschaft Infineon.
(Foto: Foto: AP)Die deutlichsten Worte fand der bayerische IG-Metall-Bezirkschef Werner Neugebauer. "Eine schier endlose Serie von Managementfehlern" habe Qimonda in die Insolvenz geführt. Etwas vorsichtiger argumentierte der sächsische Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD): Der Konzern habe es nicht geschafft, einen geschlossenen Finanzierungsplan vorzulegen. Und die Bundesregierung klagte, Qimonda habe die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells "nicht hinreichend darlegen" können. Heißt konkret: Die Politik gibt die Verantwortung ab - und reicht den Schwarzen Peter weiter an die Konzernführung des Speicherchipherstellers. Und an dem glücklosen Vorstandschef Kin Wah Loh.
Jetzt geht Qimonda selbst in die Offensive - und weist die Vorwürfe zurück. "Wir haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt", sagte ein hochrangiger Konzernmanager der Welt am Sonntag. Er wies Äußerungen aus der Politik zurück, dass Qimonda von der öffentlichen Hand zusätzliche 300 Millionen Euro Hilfe gefordert habe.
Ärger um "Subventionsflut"
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"Wir brauchten eine Bürgschaft über 200 Millionen Euro. Die weiteren 100 Millionen Euro hätten wir aus selbst organisierten Finanzierungsmaßnahmen beschaffen können", sagte der Manager. Er glaubt, dass die Insolvenz des Speicherchipherstellers so hätte vermieden werden können. "Die Bürgschaft hätte uns Spielraum verschafft. Dann wäre Zeit gewesen, bis Ende Februar das Rettungspaket über 325 Millionen Euro zu schnüren", sagte er dem Blatt.
Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, sieht die Schuld dagegen in Brüssel. Blum wirft wirft der Europäischen Union vor, beim Schutz von Qimonda vor asiatischer Billigkonkurrenz versagt zu haben. "Die EU hätte mehr Druck machen müssen, damit die Subventionsflut in Asien gestoppt wird, eventuell mit Hilfe der Welthandelsorganisation", sagte Blum der Berliner Zeitung. "Unter Umständen hätte man auch Strafzölle auf die unter verzerrten Bedingungen hergestellten Chips erheben können."
Problematisch sei, dass viele asiatischen Hersteller - insbesondere in China und Indonesien - bis zu 70 Prozent ihres Kapitals als Subvention vom Staat bekommen hätten, sagte der IWH-Präsident. "Aufgrund europäischer Richtlinien waren diese Beihilfen bei Qimonda auf rund 30 Prozent beschränkt. Diesen Nachteil kann man nicht mehr wettmachen."
Dramatische Folgen für Dresden
Jetzt befürchten Experten massive Auswirkungen der Qimonda-Pleite. Besonders der IT-Standort Dresden, der sich selbstbewusst "Silicon Saxony" nennt, ist in Gefahr. Ausgehend von der Prämisse, dass Europa eine eigene Halbleiterindustrie brauche, sei die Insolvenz sicherlich eine Schwächung der Europäischen Union, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Ragnitz, stellvertretender Chef des ifo-Instituts Dresden.
Problematisch sei dies allein wegen des drohenden Verlusts an Forschungs- und Entwicklungskapazitäten, die dann möglicherweise die langfristige Existenz der Chipproduktion in Europa infrage stellen könnten.
Auch IWH-Chef Blum befürchtet dramatische Folgen für die Region um Dresden. Die Auswirkungen einer möglichen endgültigen Schließung von Qimonda seien "sehr groß". Jeder Fünfte der 50.000 Arbeitsplätze im "Silicon Saxony" hänge indirekt von Qimonda ab.
Lesen Sie im zweiten Teil, wie die portugiesische Regierung sich gegen die Qimonda-Pleite stemmt - und warum nun auch der Speicherchiphersteller Infineon ins Taumeln gerät.