Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Der Weg des Infineon-Ablegers Qimonda an den Kapitalmarkt ist Ausdruck von Ratlosigkeit. Es entsteht der Eindruck, dass die Börse mal wieder als Abladeplatz für einen hoffnungslosen Fall missbraucht wird.

Manchmal werden Aktionäre das Gefühl nicht los, sie würden auf den Arm genommen. Das geschieht etwa, wenn Unternehmen potenziellen Investoren ihre glänzenden Aussichten beschreiben. Oder es passiert, wenn ein schlecht laufendes Unternehmen, für den der Computer den seltsamen neuen Namen Qimonda erfunden hat, an die Börse gebracht werden soll.

"Fließende oder atmende Energie" - die Realiät ist weniger blumig: Qimonda-Chef Kin Wah Loh am Tag es Börsengangs an der Wall Street. (© Foto: AP)

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Dann werden Manager, die meist mit Träumereien wenig im Sinn haben, zu wortmalerischen Philosophen: "Qimonda", das stehe im Westen für den Schlüssel zur Welt, in Asien für fließende oder atmende Energie, erklärt der malayische Firmenchef Loh Kin Wah.

Die Wahrheit ist weniger blumig. Bei Qimonda handelt es sich um ein Münchner Unternehmen, das verlustreich elektronische Bauelemente, so genannte Speicherchips, herstellt, dessen Zukunft unklar ist und das sein Eigentümer, die Infineon AG, loswerden will.

Beschwörung der Freiheit

Also wurde beschlossen, Anteile der Gesellschaft über die Börse zu verkaufen. In der Freiheit des Kapitalmarktes könne sich das Unternehmen besser bewegen, hieß es.

Doch die potenziellen Investoren rochen den Braten, sie ahnten, dass sie Papiere eines Unternehmens kaufen sollten, das den verlangten Preis nicht wert ist. Sie kauften nur zögerlich. Infineon musste den Preis für die Qimonda-Aktien um ein Drittel senken. Zudem werden weniger Aktien auf den Markt geworfen.

Nicht so dumm wie gedacht

Statt einer Milliarde Euro spielt dieser Schachzug nur die Hälfte ein. Der Börsengang wurde zum peinlichen Fehlschlag. Die Aktionäre sind offenbar nicht so dumm, wie Firmenlenker gelegentlich glauben.

Das kann kaum überraschen. Im Jahr 2000 passierte etwas Ähnliches. Damals wollte der Siemens-Konzern seine Chip-Sparte loswerden. Das Geschäft mit den winzigen Bauelementen war ihm zu riskant geworden. Also ließ er einen Computer den neuen Namen Infineon ausspucken und plante einen Börsengang.

Umgedichtet

Der verzweifelte Abschied des Siemens-Konzerns von einem Verlustgeschäft, das er nie in den Griff bekam, wurde in eine Vorwärtsstrategie umgedichtet: Eine teure PR-Kampagne sorgte dafür, dass Millionen von Aktionären die Aktien der Firma kauften, die dem großen Konzern zu wenig aussichtsreich erschienen.

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