Die Politik schaltet sich in die Rettung der taumelnden Infineon-Tochter Qimonda ein, doch im Unternehmen wächst die Verzweiflung.
Die Angst hat bei Qimonda in Dresden einen festen Ort. Am südlichen Zufahrtstor des Werkes am weltweit größten Qimonda-Standort trafen sich Mitarbeiter in den vergangenen zwei Wochen immer wieder, um gegen die radikalen Einschnitte des Managements zu demonstrieren. Die Sorge machte die Treffen zum stillen Protest: Kerzen und Windlichter statt Trillerpfeifen. Ein bisschen sei das schon wie bei einer Beerdigung, sagt ein Qimonda-Betriebsrat.
Mitarbeiter der Dresdner Mikroelektronik-Firmen Qimonda und Infineon -demonstrieren seit einigen Tagen gegen den geplanten Job-Abbau. (© Foto: dpa)
Anzeige
Die gut 13.000 Beschäftigten des Unternehmens wissen: Die Zukunft des verlustreichen Chipkonzerns Qimonda hängt am seidenen Faden. Wenn nicht bald doch noch ein Investor gefunden wird, drohe dem Unternehmen mit seinen Hauptstandorten München und Dresden die Zahlungsunfähigkeit, verlautete am Dienstag in München.
Aus Gewerkschaftskreisen hieß es, der Konzern drücke beim Sparprogramm aufs Tempo, um möglichst lange über die Runden zu kommen. Es seien bereits Kündigungen in hoher Zahl ausgesprochen worden. So müssten 500 Leiharbeitern bei Qimonda zum 30. November gehen. Mit weiteren Entlassungen wird gerechnet.
Politik macht sich bereit
Angesichts der dramatischen Situation rüstet sich nun die Politik für eine Rettungsaktion. Mehrfach hat sich Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in den vergangenen Tagen mit Vertretern der Konzernleitung getroffen. "Wir stehen in ständigem Kontakt mit der Firma", bestätigt ein Ministeriumssprecher und kündigt an: "Wir werden das uns zur Verfügung stehende Instrumentarium nutzen".
Was das sein könne - ob Landesbürgschaft, Kredithilfe oder neue Fördermillionen - wollte der Sprecher nicht näher erläutern. Eine Sprecherin des bayrischen Wirtschaftsministeriums äußerte sich am Dienstag nicht dazu, ob auch Bayern ähnliche Hilfsaktionen plane und erklärte lediglich: "Wir haben ein großes Interesse daran, Arbeitsplätze zu erhalten."
Die Konzernmutter Infineon versuchte, Investoren und Mitarbeiter nach drastischen Kursverlusten infolge der Sorge um Qimonda am Dienstag zu beruhigen: Infineon verhandele weiter mit möglichen Käufern, sagte Infineon-Chef Peter Bauer. "Wir glauben, wir haben gute Chancen, die Verhandlungen abzuschließen", erklärte er am Rande der Branchenmesse Electronica in München.
"Zeiten sind schlechter als je erwartet"
Über die Anzahl der Interessenten wollte sich Bauer nicht äußern. Ob Qimonda angesichts der hohen Verluste und der dramatischen Branchenkrise die Insolvenz drohe, ließ Bauer unbeantwortet. Er räumte ein, die Krise habe Qimonda und seine Konkurrenten schwer erwischt. "Die Zeiten sind schlechter als wir je erwartet haben." Der Kurs der Infineon-Aktien hatte am Dienstag zeitweise um neun Prozent nachgegeben. Die Aktien der Tochter Qimonda fielen um bis zu 20 Prozent.
Die Angst bei Qimonda aber bleibt. Denn Infineon will sein Tochterunternehmen nicht um jeden Preis erhalten. "Aus unserem Cash heraus werden wir Qimonda nicht finanzieren", kündigte Bauer an. Auch eine Bürgschaft lehnte er ab. "Wir brauchen dieses Cash selber."
Auf der nächsten Seite: Warum die Halbleiter-Industrie in Europa sterben könnte
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Am 11.11. bekamen die Mitarbeiter von Nokia Siemens Networks einen netten Brief der Geschäftsleitung. Die Hofmannstraße wird mittels Betriebsschließung exakt nach dem Nichtkündigungsabkommen mit der IGM nach dem September 2009 geschlossen.
Zwar sollen angeblich 500 MA an den Standort St. Martinstraße umziehen, aber diese Salamitaktik ist seit Jahren bekannt. Die Firmenleitung hofft, dass auch von diesen wieder viele abspringen.
In der St. Martin-Straße sollen ca. 200 MA aus dem F&E-Bereich nach Ulm versetzt werden. Die kamen - soweit ich weiß sowieso von Ulm.
Und alle wichtigen Technologien werden in Ulm entwickelt....und Dr. Scholz und die gesamte Nokia Siemens Networks Chefetage bauten einen riesigen Entwicklungsstandort in Bangalore, Indien auf. Dorthin wird alles vermutlich abwandern.
Also München - das ist das, was auf Euch zu kommt. Eine Menge Ingenieure, IT-Fachleute und kaufmännische Ausgebildete, die demnächst beim Arbeitsamt erscheinen. Auf der Homepage der Firmenleitung, die zu diesem Personalabbau informiert, ist bereits der ALG I - Rechner des Arbeitsamtes verlinkt. Ein Schelm, wer da böse denkt.
Details: http://www.nci-br.de
Nachweislich kamen diese Mitarbeiter aus der Telekommunikationssparte, die mittels Missmanagement, Gier, Selbstbereicherung (Prämien für die Chefs) und Korruption in den Sand gesetzt wurde.
.. das Infineon und Qimonda nur deshalb entstanden sind, weil sie als Verlustbringervon Siemens nicht zu reorganisieren waren. Also neue Gesellschaft gründen, kapitaliseren und ab an die Börse. Warten bis der Markt sich im Hoch befindet und Aktien zu Geld machen.
So und unter dieser Zielsetzung wurde Infineon durch Siemens gegründet und Qimonda durch Infineon.
In Deutschland lassen sich Halbleiter, wie viele andere Produkte auch, nicht profitabel produzieren. Das ist sehr bedauerlich, vor allem für die Mitarbeiter. Aber es hätten sich viele die Frage schon früher stellen können, warum Siemens es nicht konnte.
Die Finanzblase ist geplatzt und einige Unternehmen, die mit ihrem Geschäfstmodell nicht erfolgreich waren und sind, können leider die Bilanzen nicht mehr mit Spekulationserträgen verschönern. Konsequenz Insolvenz.
Bitte verschont uns alle mit weiteren Subventionen der öffentlichen Hand. Schiebt diese Milliarden lieber in den Dienstleistungsmarkt und schult Arbeiter zu Pflegekräften um.
Managerschelte hilft hier auch nicht viel, denn was nicht geht, geht eben kaputt. Da kann der Manager ausnahmsweise nicht mehr dafür wie der Arbeiter am Band.
Können Sie Ihren Beitrag auch in verständliche Sätze packen?Wollen Sie Siemens teilverstaatlichen oder Infineon oder Quimonda? Und was hat Siemens überhaupt noch mit Infineon oder Quimonda zu tun? Fragen über Fragen....
Das Geschäft mit Halbleiterspeichern war immer schon ein sehr bewegtes Auf- und Ab-Geschäft.
Nur, bevor die Turbo-Finanzkapitalisten aus Controllern, Analysten, BWLern, Bankern und Aktionären das Ruder in den Unternehmen übernahmen, wurde dieses Geschäft während unprofitabler Phasen durch Quersubventionen aus anderen Produkten gestützt. Die Technologie von Speicherchips ist nämlich eine absolute Kerntechnologie und ein Technologie-Treiber. Wer dieses technologie beherrscht verfügt über ein industrilles Kern - Know-How! Anders als z.B. bei Windmüllen und erneuerbaren Energien die jedes 3. Welt Land sehr schnell produzieren kann.
Mit dem endgültigen Abgang der Halbleiterindustrie nach Asien verliert Deutschland und Europa wieder ein Stück mehr von eh kaum noch vorhandener Kerntechnologie und damit auch an zukunftsfähigen, hochqualifizierten, Arbeitsplätzen mit guten Verdienstmöglichkeiten. In Asien floriert die Industrie, in Europa wird sie durch die Finanz- und Börsenirrsinn unseres Systems und unserer Manager abgewirtschaftet!
Warum sollen also in Deutschland junge Menschen noch ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium aufnehmen? Wo doch unsere Wirtschaft die HighTec Arbeitsplätze zugunsten der Börsen opfert - aber dbei ständig über fehlenden Nachwuchs jammert!
Siemens unmissverständlich klar machen, dass für die nächsten 10 bis 20 jahre keine Fördermittel mehr erhält in Deutschland. In Dresden sind irrwitzige Fördersummen ausgegeben worden. Und nun noch mehr. Angesichts des Vorgehens bei den banken, ist wogl eher eine Teilverstaatlichung angesagt. Der Staat kann dann über den Verkauf oder aber über die Abwicklung mitbestimmen und Siemens mal kräftig in den Schritt greifen. Sorry.
Paging