Forderung nach Lohnerhöhung Amazon-Arbeiter wollen streiken

Erst im Februar hatte eine Dokumentation den Online-Händler Amazon scharf für den Umgang mit seinen Mitarbeitern kritisiert. Nun haben Beschäftigte des Unternehmens dafür gestimmt, für Lohnerhöhungen zu streiken.

Mitarbeiter des Online-Händlers Amazon an den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld wollen für höhere Löhne streiken. Am Donnerstag stimmten im Leipziger Logistikzentrum 97 Prozent der Verdi-Mitglieder für eine Arbeitsniederlegung, bestätigte der Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago dem Sender MDR. Auch die Leipziger Volkszeitung hatte von dem erfolgreichen Votum berichtet.

Die Leipziger fordern eine Lohnuntergrenze von 10,66 Euro für die 2.000 Beschäftigten. Wann die Mitarbeiter in Leipzig genau streiken wollen und in welchem Außmaß die Arbeit niedergelegt werden soll, wolle die Gewerkschaft in den kommenden Tagen verhandeln, heißt es beim MDR. Sondierungsgespräche waren zuvor gescheitert.

Auch an den zwei Standorten in Bad Hersfeld wollen die Mitarbeiter bereits Anfang kommender Woche für höhere Löhne streiken. Am Montag werde nochmal mit Amazon verhandelt, sagte Gewerkschaftssekretär Heiner Reimann. "Wenn es genau so fruchtlos läuft wie in Leipzig, werden wir am Dienstag in den Warnstreik treten." Er rechnet nicht mehr mit einem Einlenken der Geschäftsführung.

Bad Hersfeld ist mit etwa 3700 Beschäftigten der größte der sieben Amazon-Standorte in Deutschland. Die Hessen fordern die Einhaltung des Tarifvertrages für den Versandhandel. Das bedeutet laut Reimann 11,69 Euro für Hilfsarbeiter im Lager und 12,18 Euro für reguläre Lagerarbeiter. Gemeinsam mit ihren Leipziger Kollegen fordern die Bad Hersfelder auch ein tarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Erst im Februar hatte eine ARD-Dokumentation scharfe Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Amazon geübt. In der Reportage wird der Vorwurf erhoben, dass Arbeiter in Bad Hersfeld zu Niedriglöhnen über Leiharbeitsfirmen beschäftigt worden seien, obwohl ihnen zuvor eine Anstellung direkt bei Amazon versprochen worden sei. Außerdem zeigt der Film, wie eine Sicherheitsfirma, die die maroden Unterkünfte ausländischer Leiharbeiter bewachte, sowohl das Filmteam als auch die Mitarbeiter schikanierte. Amazon feuerte daraufhin die Sicherheitsfirma und trennte sich von dem Dienstleister, der für die Unterbringung der Leiharbeiter verantwortlich war.