Zwei sich küssende Männer sorgen in England für Aufregung. Ein Werbespot des Ketchup-Konzerns Heinz rief wütende Proteste hervor. Nun wird der Film abgesetzt.
"Mum" trägt einen weißen Hut und einen Kochdress. Sie bereitet das Pausenbrot für die beiden Kinder zu, versorgt sie mit guten Ratschlägen und entlässt den Nachwuchs dann in die Schule. Ein Sandwich, dick mit Majonäse bestrichen, gibt es auch für den Herrn des Hauses. Schließlich verabschieden sich "Mum" und Dad mit einem Kuss und dem Satz: "Wir sehen uns heute Abend, Liebling." Morgenroutine - made in Britain.
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Ärger in Großbritannien: Der Ketchup-Konzern Heinz setzte einen TV-Spot mit einem sich küssenden Männerpaar wieder ab. (© Foto: AP)
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Es gibt nur ein Problem bei dieser Familienidylle: "Mum", die in ihrem Outfit auch in der Küche eines Edelrestaurants nicht negativ auffallen würde, hat eine ziemlich tiefe Stimme. "Mum" ist ein Mann.
Dieser Werbespot der Ketchup-Firma Heinz sorgt derzeit im Vereinigten Königreich für mächtig Ärger. Ausgerechnet in England, das so stolz auf seine Toleranz und so bekannt für gut gemachte und freche Werbung ist, bringen zwei sich küssende Männer die Gefühlswelt der Bevölkerung durcheinander.
Seit nicht einmal einer Woche läuft der Spot im britischen Fernsehen - und schon hat der Werberat rund 200 Beschwerden gesammelt. Die Zuschauer klagten, der Spot sei anstößig. Es sei "unangebracht, zwei sich küssende Männer zu sehen". Einige Eltern äußerten sogar die Sorge, wie sie ihren Kindern gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften erklären sollten.
In Deutschland hat die Sandwich-Familie prominente Vorbilder. Schon vor etlichen Jahren ließ der Unilever-Konzern das Pärchen Holger und Max Fischstäbchen brutzeln. Die beiden Hobbyköche fanden schnell eine große Fangemeinde. Im Internet schrieben User sogar die Liebesgeschichte des Paares zusammen. So hätten sich Holger und Max im Jahr 1993 auf einer Ballett-Premierenfeier von "Schwanensee" kennengelernt. Die Aufregung über ihre TV-Liebe hielt sich hierzulande ziemlich in Grenzen.
Ratlosigkeit bei Werbeagentur
Nicht so in England. Dort hat inzwischen der Heinz-Konzern angekündigt, die umstrittene Werbung zu stoppen. "Es ist unsere Firmenpolitik, auf unsere Kunden zu hören", sagte Heinz-Manager Nigel Dickie dem Guardian. "Wir haben festgestellt, dass sich etliche Verbraucher am Inhalt des Spots störten und haben ihn deshalb zurückgezogen." Eigentlich sollte der Film auf eine humorvolle Weise für Majonäse werben. Nun wolle sich der Konzern bei allen, die sich durch den Spot beleidigt fühlten, entschuldigen.
Bei der verantwortlichen Werbeagentur kann man die Aufregung überhaupt nicht verstehen. Ein Sprecher von AMV BBDO sagte, die Werbung solle lediglich verdeutlichen, wie gut die Majonäse schmecke. "Man fühlt sich, als ob man seinen eigenen Sandwich-Mann in der Küche stehen hätte."
Viele Briten sehen das anders. Doch die Gefahr, dass Kinder durch das küssende Männerpaar verunsichert werden, ist ohnehin recht gering. Im Umfeld des Kinderprogramms darf die Majo-Werbung gar nicht ausgestrahlt werden. Den Werbehütern ist das Produkt einfach viel zu ungesund.
(sueddeutsche.de/tob/jkr)
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@josss: "Nach Stiftung Warentest v. 29.05.2008 kostet das Ketchup von Heinz ~ das Dreifache dessen, was das ebenso gute Lidl-Ketchup kostet."
Na ja, aber kein Bürger, der auch nur etwas Anstand im Bauch hat, kauft nach all den LIDL-Skandalen noch dort ein, oder? ;o)
In diesem Fall kann der Bürger/Verbraucher aber einfach handeln:
Nach Stiftung Warentest v. 29.05.2008 kostet das Ketchup von Heinz ~ das Dreifache dessen, was das ebenso gute Lidl-Ketchup kostet.
Auch schlechte Werbung hat ihren Preis, in diesem Fall einen doppelten.
Heinz die Werbung bezahlen lassen und ein anderes Ketchup kaufen!
Dort wird sehr souverän und liebevoll Leben dargestellt. Dass er an der Kleingeistigkeit der so genannten Richtig-Macher scheitert, heisst nur, dass sich ganz viele Menschen nicht hinterfragen und sich nicht weiterentwickeln (wollen?). Aber wie sagt Herr de La Rochefoucauld so schön:
"Mittelmäßige Geister verurteilen gewöhnlich alles, was über ihren Horizont geht."
(Francois Duc de La Rochefoucauld, fr. Schriftst., 1613 - 1680)
Viel Kraft für Erkenntnis wünscht uns allen Brigitte-Sabina
Weltoffen, tolerant, niveauvoll, differenziert, gebildet, zur Selbstkritik fähig, Alkohol nur in Maßen, so sind sie halt, die Briten. Zumindest einige.:)
...ein Rückschritt ins letzte Jahrtausend. Ob diejenigen, die sich darüber beschweren das restliche TV Programm bezüglich Anstössigkeit und Moral jemals durchforstet haben? Ich glaube nicht, denn sonst wäre nicht einmal mehr Gordon Brown auf Sendung...
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