Der Protektionismus ist in die Weltwirtschaft zurückgekehrt - und Deutschland marschiert dabei mit voran: Die Rettung Opels etwa wird als ur-nationales Projekt durchgezogen.
Ausgerechnet die Deutschen. Ausgerechnet jenes Land, das mit seiner starken Exportwirtschaft in guten Zeiten wie kaum ein anderes von offenen Grenzen und weltumspannenden Wirtschaftsbeziehungen profitiert hat.
Deutschland profitiert als Exportnation von offenen Grenzen. Doch im Fall von Opel vertritt Berlin nichts anderes mehr als die eigenen Interessen. (© Foto: Reuters)
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Ausgerechnet eine unionsgeführte Bundesregierung, deren Minister in den Parlamentsreden regelmäßig vor Protektionismus warnen: Sie alle kennen jetzt nichts anderes mehr als die eigenen Interessen. Die Rettung des hochverschuldeten Autokonzerns Opel betreiben die Deutschen als ur-nationales Projekt und ohne Rücksicht auf die europäischen Nachbarn. Mag doch jeder selbst sehen, wie er seine Arbeitsplätze rettet.
Hinter den Verhandlungen mit dem Mutterkonzern GM stand die nicht ausgesprochene Bedingung: Wenn Opel gesundgeschrumpft werden muss, dann bitte so wenig wie möglich zu Lasten deutscher Arbeitsplätze - schließlich finanzieren ja auch deutsche Steuergelder das Rettungspaket.
Jetzt ist die Rede davon, dass das Opel-Werk in Antwerpen geschlossen werden könnte, obwohl es moderner ist als der deutsche Konkurrenzstandort Bochum. Auch das spanische Werk ist gefährdet, während die Arbeiter in Eisenach durchatmen können. Es lautet das Motto: Was schert uns Brüssel, was Spanien, wenn es um deutsche Interessen geht, zumal in Wahlkampfzeiten.
Staatliche Intervention zugunsten der eigenen Industrie und der eigenen Arbeitsplätze nennt man Protektionismus. Protektionismus aber, das ist wissenschaftlich erwiesen und eigentlich von verantwortlichen Politikern auch akzeptiert, bringt allenfalls kurzfristig Erfolg.
Schon auf mittlere Sicht schadet er nicht nur der Weltwirtschaft, sondern auch dem eigenbrötlerischen Land selbst.Die Abschottung des Marktes gaukelt eine Lösung vor, tatsächlich aber werden die Probleme immer größer. Ohne Protektionismus wären weder die amerikanische Stahl- noch die Autoindustrie in jene Existenzkrise geraten, aus der sie jetzt der US-Steuerzahler retten muss.
Abschottung provoziert zudem Gegenreaktionen; das Ganze mündet dann möglicherweise gar in Handelskriege. Es wurde eigens eine internationale Institution gegründet, die Welthandelsorganisation (WTO), um der Machtpolitik Einhalt zu gebieten. Eben diese WTO registriert bereits seit einiger Zeit einen wachsenden Protektionismus.
Die aktuellen Fälle verstärken den Trend: Die Regierung des Reformpräsidenten Barack Obama knöpft sich wie eh und je die erstarkende Volksrepublik China vor und belegt deren Autoreifen mit einem 35-prozentigen Einfuhrzoll; zuvor schon war das große Konjunkturpaket mit einer "Buy American"- Klausel versehen worden: Infrastrukturprojekte werden grundsätzlich nur dann gefördert, wenn heimischer Stahl verwendet wird. Peking verhält sich nicht besser und vergibt Aufträge aus seinem Konjunkturpaket bevorzugt an chinesische Firmen. Russland hat den Importzollsatz für Autos auf 30 Prozent erhöht; die Liste wird immer länger.
Dabei hatten sich die Regierungen doch im ersten Schock der großen Finanzkrise gegenseitige Hilfe und Unterstützung versprochen. Aus der traditionellen Gruppe der acht wichtigen Industriestaaten wurden die G20, um die Probleme der Weltwirtschaft gemeinsam anzugehen. Jetzt hält nicht einmal der unmittelbar bevorstehenden G-20-Gipfel im amerikanischen Pittsburgh Obama von seinen Handelssanktionen ab.
In der EU wächst der Unmut über Deutschland, das Europäische Parlament debattiert, und die Kommission ist beunruhigt. Weil Brüssel es sich mit den mächtigen Deutschen nicht verscherzen will, wird man sich wohl bis nach der Bundestagswahl ruhig halten, und die Deutschen können sich weiter im Bewusstsein ihrer Unantastbarkeit sonnen. Doch heute wird das Fundament gelegt für einen neuen Egoismus in der Gemeinschaft, der am Ende der deutschen Wirtschaft am meisten schaden wird.
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(SZ vom 15.09.2009/hgn)
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der des Protektionismus und Egoismus bezichtigt wird, mit Falschgeld bezahlt wurde, mit Dollars, die nach Belieben von der FED gedruckt und in unvorstellbaren Mengen auf den Markt geworfen werden.
Wie dieser Dollar in den letzten Jahren und Jahrzehnten an Kaufkraft verloren hat und was er angesichts der zunehmenden Druckerpressenrotation noch an Kaufkraft verlieren wird, lässt Herr Beise leider unerwähnt. D liefert als Ware in die Welt und bekommt Buntpapier zurück - toll!
Der Euro ist nebenbei bemerkt auch nicht wesentlich besser, wenn man seinen Verfall seit 2002 bis heute anschaut.
Dass sich die EU und ihr diktatorisches Politbüro in Brüssel Sorgen um die bösen Deutschen machen, ist verständlich. Es wird ohne D keine EU in ihrer heutigen Form mehr geben und dass wissen diese - ach so demokratischen - Damen und Herren. Wenn die Zahlkuh D wegbricht, können sie ihren Laden zumachen (womit auch nebenbei bewiesen wäre, dass die EU lediglich ein Instrumentarium ist, den Kriegsverlierer einzubinden, auszunehmen und klein zu halten)...
Diese Typen in der EU bekommen zurecht langsam Angst, aber das ist angesichts des Horrors den sie unter den Mitgliedsstaaten ihres illustren Bundes verbreitet (vgl. Lissabon-Vertrag) mehr als gerecht!
"In der EU wächst der Unmut über Deutschland, das Europäische Parlament debattiert, und die Kommission ist beunruhigt"
Im Allgemeinen heißt es: Wer bezahlt, der bestimmt!
Lasst Die EU unmutig und beunruhigt debattieren, solange Deutschland immer noch größter Nettozahler ist, haben sich die anderen Länder nicht zu beschweren, wenn Deutschland die deutschen Arbeitsplätze nun mal wichtiger sind als die in anderen Ländern. Das können die leicht ändern, wenn sie ihre EU-Beiträge auf deutsches Niveau anheben.
... die andere Hälfte des Satzes vergessen : " - und Gott für uns alle !"
Für "Gott" müßte man allerdings hier "Die unsichtbare Hand des Marktes" einsetzen , oder schlicht : "Der Kapitalismus" . Und wenn Sie dann noch hinzusetzen : "in seinem voraussichtlichen Endstadium" , dann kämen Sie der Sache schon näher .
Und noch eines : dieser "Gott" hat sich bisher durch psychotherapeutische moralistische Schwurbeleien seiner "Theologen" (sprich : "Wirtschaftswissenschaftler" und Logenbrüder der INSM ) noch nie beeindrucken lassen .
Meine Prognose : kannibalistische Vernichtungskonkurrenz ist unter den global agierenden Konzernen angesagt , und , davon abgeleitet , auch unter ihren "Standortgebern" , den Nationalstaaten . Die "Unsichtbare Hand" ist taub gegen gutgemeinte Beschwörungen ...
Regierungen, Gewerkschaften, selbst die ach so internationalistische Linke schreit nach Steuergeldern und "Schutz" vor der bösen Konkurrenz. Autistische Wirtschaftspolitik. Mit Volldampf gegen die Wand.
Die "freien Kräfte des Marktes" vernichteten Volksvermögen in bislang ungekanntem Maß. Kaum traut sich dann die Politik aus dem Loch und versucht, wieder einmal ihrer Pflicht nachzukommen, beweist sie ihre absolute Unfähigkeit und setzt die kaputte Karre gleich nochmal mit Anlauf an die Wand. Obama, Merkel, Steinmeier, Sarkozy, etc. pp. mit ihrem populistischen Geschrei. Nur immer weiter so! Und dann simultan schön die Zensur hochfahren und die Überwachung - es wird nötig werden!
Hallo Python11: wenn Sie mal wirklich richtig ablachen wollen, besorgen Sie die SZ vom letzten Wochenende. Auf Seite 29 schreibt Marc Beise einen rückblickenden Artikel über die Finanzkrise mit der Überschrift "Und die Medien haben nichts gemerkt". Der Artikel gipfelt in dem folgenden Schlusssatz: "Man darf nie nachlassen, die Dinge begreifen zu wollen, muss auch noch den verborgensten Winkel des Wirtschaftslebens durchforschen – es könnte der alles Entscheidende sein." Ich sehe gerade, dass der Text auch im Internet verfügbar ist: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/485460
Nun ist es leider so, dass Marc Beise das beste Beispiel ist für oberflächlichen, unreflektierten und undistanzierten Journalismus. Der vorliegende Artikel ("Jeder für sich") zeigt dies. Ich wünsche Herr Beise alles Gute bei seinem Bemühen, "die Dinge begreifen zu wollen".
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