Ein Kommentar von Henrik Bork

"Buy Chinese": Mit einer Protektionismus-Klausel entsetzt Peking seine Handelspartner - und spielt ein gefährliches Spiel. Auch für China selbst.

Den Bumerang hat China nicht erfunden, anders als den Kompass, das Schießpulver und das Papier. Und doch wird gerade der Einschlag eines rhetorischen Bumerangs in Peking erwartet. Als in Washington kürzlich von "Buy America" die Rede war, sprachen chinesische Politiker von einem "Gift" für den Kampf gegen die Weltwirtschaftskrise. Nun aber hat Peking seinen eigenen "Buy China"-Ukas erlassen. Chinesische Produkte seien strikt zu bevorzugen, wenn Anschaffungen im Rahmen des nationalen Konjunkturpaketes getätigt werden, so die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

China, Reuters

China bevorzugt inländische Produkte - und spielt damit ein gefährliches Spiel. (© Foto: Reuters)

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Möglicherweise hat da irgendein chinesischer Journalist aus Versehen die interne und externe Sprachregelung durcheinander gebracht. Chinas Nationale Reformkommission, eine dem ehemaligen japanischen Superministerium MITI vergleichbare Zentrale des Dirigismus, hat seit einigen Jahren ohnehin eine unsichtbare chinesische Mauer errichtet, allen WTO-Verpflichtungen zum Trotz. Nur wird das selten so öffentlich artikuliert.

Der neue Erlass wird in Kreisen ausländischer Geschäftsleute in China neue Verärgerung auslösen. Wieviel schwieriger "Buy China" das Verkaufen von Gütern in der Volksrepublik wirklich machen wird, muss zwar abgewartet werden.

Aber dieser Reflex des Protektionismus verschärft die ausländerfeindliche und reformfeindliche Stimmung, die in China auf dem Vormarsch ist. Warum dreht ausgerechnet ein Land wie China, das so sehr vom Export abhängig ist, an dieser gefährlichen Spirale? Könnte es sich um eine Panikreaktion handeln, die auf einen stärkeren wirtschaftlichen Einbruch verweist, als bisher angenommen? Dann könnte der Bumerang weiter hin- und herfliegen.

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(SZ vom 18.06.2009/tob)