Von Klaus Ott und Caspar Busse

Rote Zahlen, ungelöste Führungsfragen und ein Aktienkurs auf Talfahrt: Die Finanzinvestoren bei ProSiebenSat.1 stehen gewaltig unter Druck. Nun sorgt auch noch ein Analystenpapier für Unruhe in Unterföhring.

Der Münchner Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 scheint am Tiefpunkt angekommen zu sein. "Die Stimmung ist hier mindestens so schlecht wie der Aktienkurs", heißt es resigniert bei den Mitarbeitern. Und der Börsenkurs ist mittlerweile ganz unten: Am vergangenen Freitag legte die Aktie zwar auf 5,10 Euro zu. Doch in den vergangenen Monaten gab es einen beispiellosen Sturz: Noch vor einem Jahr notierte die Aktie bei knapp 30 Euro.

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Der Pfeil im Logo zeigt nach oben, der Aktienkurs nach unten: Die Senderkette ProSiebenSat.1 ist in der Krise. (© Foto: ddp)

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Die beiden Finanzinvestoren Permira und KKR, die den TV-Konzern Anfang 2007 mehrheitlich übernommen haben und sich angeblich nicht ganz einig sein sollen über den weiteren Kurs, dürften mittlerweile ziemlich nervös sein. Die Zahlen sind schlecht: Das erste Quartal ist katastrophal ausgefallen, für das zweite Quartal wird es möglicherweise nicht viel besser aussehen. Und im dritten Quartal werden voraussichtlich die Olympischen Spiele in Peking, die von ARD und ZDF übertragen werden, den Privatsendern das Geschäft verderben. Konzernchef Guillaume de Posch hatte Mitte Juni zudem überraschend seinen Rückzug bekannt gegeben. So viel Unsicherheit war noch nie bei den Mitarbeiter von ProSiebenSat.1, obschon sie bereits durch viele Krisen gegangen sind.

Man werde schnell einen Nachfolger für de Posch suchen, hatte Aufsichtsratschef Götz Mäuser, im Hauptberuf Partner bei Permira, versprochen. Doch die Personalsuche ist nicht einfach, denn der neue Mann muss sich im Mediengeschäft auskennen und gleichzeitig das Vertrauen der Finanzinvestoren haben. Es ist wohl einer der schwierigsten Jobs, den die Medienbranche derzeit zu vergeben hat, so verfahren, wie die Lage bei ProSiebenSat.1 ist.

Unsicherheit bei Banken

Immer wieder werden die Namen von einschlägig bekannten Managern gehandelt, doch die winken ab. So hieß es bei den Landesmedienanstalten, man habe etwa Thomas Middelhoff als neuen Vorstandschef für ProSiebenSat.1 im Auge gehabt. Middelhoff war früher Bertelsmann-Chef und führt derzeit Arcandor, zu dem auch Karstadt gehört. Doch Arcandor-Sprecher Jörg Howe sagt dazu: "Middelhoff ist weder angesprochen worden, noch würde er das machen. Er wird seinen bis Ende 2009 laufenden Vertrag bei Arcandor definitiv erfüllen." Auch der frühere Pro-Sieben- und Premiere-Chef Georg Kofler sagte kürzlich: "Derzeit kein Interesse." Der bei Constantin Film scheidende Fred Kogel und der aktuelle RTL-Chef Gerhard Zeiler werden es wohl auch nicht machen.

Eine interne Lösung gilt zudem als wenig wahrscheinlich. Der frühere SBS-Chef Patrick Tillieux kenne den deutschen Markt nicht gut genug, heißt es. Außenseiterchancen werden Marcus Englert eingeräumt, der frühere Unternehmensberater und Kirch-Manager betreut derzeit im Vorstand das Geschäftsfeld Neue Medien.

Unsicherheit herrscht bei den übrigen Investoren und den Banken: Erst vor kurzem hatte Axel Salzmann Finanzvorstand Lothar Lanz abgelöst. Dieser hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder geschafft, die Banken auch in schwierigen Situationen bei Laune zu halten. Salzmann, der vom Mobilfunkunternehmen O2 gekommem ist, wird das derzeit nicht zugetraut.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie eine Analyse der Deutschen Bank für Unruhe in Unterföhring sorgt und wieso ProSiebenSat.1 nun doch zerschlagen werden könnte.

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