Der US-Milliardär Haim Saban steht nun doch vor der Übernahme der ProSieben-Gruppe. Auf eine Hängepartie wie beim letzten Anlauf wollen sich die Banken dieses Mal aber nicht einlassen.

Haim Saban hat seine Hausaufgaben offenbar gemacht. Zwei Monate nach seinem spektakulären Scheitern steht der US-Milliardär nun doch wieder vor der Übernahme von Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSat.1.

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Banken, Insolvenzverwaltung und KirchMedia-Geschäftsführung wollen sich aber nicht noch einmal auf eine Hängepartie mit dem gewieften Unternehmer einlassen. "Das muss jetzt ruck-zuck gehen", hieß es am Montag in Verhandlungskreisen.

Schnelles Happyend möglich

Wenn Sabans Offerte wirklich wasserdicht sei, werde der Gläubigerausschuss auf seiner Sitzung am Dienstag den Zuschlag erteilen. Damit käme der Verkauf doch noch überraschend schnell zu einem Happyend.

Der Verkauf von ProSiebenSat.1 mitten in der bisher größten Medienkrise gestaltete sich ausgesprochen schwierig. Zunächst bekam der Hamburger Bauer-Verlag den Zuschlag, ehe Saban in letzter Minute überbot.

Anfang Juni platzte der Verkauf dann überraschend an finanziellen Details. Von dem Hin und her haben nun alle Seiten genug. "Ich glaube, wir haben alle die Nase voll", hieß es am Montag bei einer Gläubigerbank.

Ursprünglich war die Lust bei Banken und Insolvenzverwaltung gering, sich noch einmal auf Saban einzulassen. Mit einer Kapitalspritze wollten sie ProSiebenSat.1 aufpäppeln und fein herausgeputzt in ein bis zwei Jahren an Investoren verkaufen.

Stehaufmännchen

Saban erwies sich aber als Stehaufmännchen. Sein altes Gebot für ProSiebenSat.1 von 7,50 Euro je Aktie erneuerte er, diesmal aber kann er auf starke Finanzinvestoren im Hintergrund verweisen. Saban selbst will nur 26 Prozent der Anteile übernehmen. Auch dies erleichtere es den Banken, ihm den Zuschlag zu erteilen, hieß es in Verhandlungskreisen.

"Saban ist nicht mehr der große Obermufti." Das Geschäft soll diesmal zudem bedeutend einfacher ablaufen als bei der ersten Einigung. Saban bietet nur für die ProSiebenSat.1 Media AG und nicht mehr für den Filmrechtehandel der KirchMedia.

Der Anhang im Kaufvertrag für den Rechtehandel war beim ersten Anlauf 40.000 Seiten stark. "Vielleicht haben Insolvenzverwaltung und KirchMedia-Geschäftsführung anfangs zu viel gewollt", heißt es in Verhandlungskreisen. Auch sei der Zeitplan möglicherweise zu eng gewesen.

Saban hat sich von dem schweren Rückschlag im Juni nicht entmutigen lassen. Der gebürtige Ägypter ist in der Branche für seine Hartnäckigkeit und sein Verhandlungsgeschick bekannt.

Titelmelodie von "Dallas"

Sein Vermögen schuf er unter anderem, indem er die US-Version der "Power Rangers" schuf. Zuvor hatte der Sohn eines Kaufmanns und einer Näherin unter anderem die Titelmelodie von "Dallas" produziert und als Konzertagent in Israel gearbeitet. Wie Leo Kirch, dessen Erbe er nun antreten will, hat sich Saban aus eigener Kraft nach ganz oben gearbeitet.

Sollte Saban den Zuschlag bekommen, müsste er zunächst einmal Ruhe in das Unternehmen bringen. Für die Mitarbeiter von ProSiebenSat.1 waren die vergangenen Monate ein Wechselbad der Gefühle.

"Alles ist besser als diese blöde Unsicherheit", sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch, wenn alle Beteiligten zu einem Abschluss bereit sind, sind allerdings in den kommenden Wochen weitere Überraschungen nicht ausgeschlossen.

"Bei Kirch bin ich vorsichtig", heißt es bei einer Bank, "da haben wir einfach schon zu viel erlebt."

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(sueddeutsche.de/dpa)