Die hohen Energiepreise, der starke Euro und die Konsumschwäche machen Deutschlands Unternehmen zu schaffen. Die Konsequenz: Führende Wirtschaftsinstitute prognostizieren zwar noch ein robustes Wachstum, rechnen aber mit einer Abkühlung im Jahresverlauf.
"Der Aufschwung verliert in den kommenden zwölf Monaten deutlich an Fahrt", teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Montag in seiner aktuellen Konjunkturumfrage mit. Für 2008 erhöhte der DIHK nach dem starken ersten Quartal seine Wachstumsprognose von 2,0 auf 2,3 Prozent. "2009 wird es wohl nur noch für eine schwache eins vor dem Komma reichen", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.
Der Exportmotor gerät ins Stocken, die Aufwertung des Euro verteuert deutsche Ausfuhren. (© Foto: dpa)
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Ähnlich sieht das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI) die ökonomischen Perspektiven: Für 2008 wurde die Wachstumsprognose von 1,3 auf 2,2 Prozent erhöht, für 2009 dagegen von 1,3 auf 1,1 Prozent gesenkt.
Verschlechterte Rahmenbedingungen
Auch das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sowie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnen mit einem Wachstum von 2,5 beziehungsweise 2,3 Prozent.
Die günstigeren Aussichten für das laufende Jahr begründen die Experten vom HWWI vor allem mit dem starken Wachstum im ersten Quartal, obwohl sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtert hätten.
Auch sei die günstige Entwicklung zu Jahresbeginn durch Sondereffekte beeinflusst worden. Andererseits zeige sich die deutsche Wirtschaft bislang recht robust gegenüber dämpfenden Einflüssen wie der internationalen Finanzkrise, der Eurostärke und dem Anstieg der Energiepreise.
DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben verwies auf die nach wie vor positive Grundtendenz am Arbeitsmarkt. "Der Aufschwung zeigt sich bislang erfreulich widerstandsfähig", sagte Wansleben zu einer Umfrage seines Verbandes unter mehr als 20.000 Unternehmen. Auch wenn sich der Stellenaufbau verlangsame, nehme die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr um 500.000 zu.
Abkühlung im Jahresverlauf
Deutlich pessimistischer hingegen sind die Aussichten für das kommende Jahr. Das HWWI reduzierte daher die Prognose um 0,2 Prozentpunkte. "Immer mehr Indikatoren deuten auf eine Abschwächung im weiteren Jahresverlauf hin", schreiben die Ökonomen.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das DIHK. Um die Konjunktur zu beleben forderte Wansleben, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung schnell zu senken und den steuerlichen Grundfreibetrag zu erhöhen. Sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern, befürchtet der DIHK eine zunehmende Abwanderung von Unternehmen ins Ausland.
Export schwächt sich ab
Der Export als lange Zeit wichtigste Konjunkturstütze wird dem DIHK zufolge an Dynamik einbüßen. Hauptursache hierfür sei der steigende Euro. Der inländische Konsum, der im privaten Bereich allenfalls zaghaft anziehe, könne diese Lücke nicht schließen. Die Finanzmarktkrise habe zwar nicht zur befürchteten Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen geführt. Doch wirke sie sich auf wichtige Exportmärkte dämpfend aus - etwa Großbritannien, Spanien, Italien und Asien.
Die Wachstumsaussichten werden außerdem durch die steigende Inflationsgefahr getrübt. Nach Einschätzung der Experten des HWWI wird die Inflationsrate selbst bei einer Beruhigung der Ölpreise in diesem Jahr annähernd drei Prozent betragen. Auch 2009 dürfte sie kaum unter die Zwei-Prozent-Marke fallen.
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(sueddeutsche.de/dpa/Reuters/jpm/mel)