Prognose verweigert Konjunkturforscher kapitulieren

Viele Institute haben versucht, die künftige Entwicklung der Konjunktur in Zahlen zu fassen - und sind dabei oft gescheitert. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung verweigert nun die Prognose für das kommende Jahr.

Die Krise tobt, die Wirtschaft leidet - und die Konjunkturforscher überbieten sich mit Horrorszenarien. Versuche, die Rezession in Zahlen zu fassen, sind häufig kläglich gescheitert. Die meisten Institute sind mit ihren Prognosen weit an der Realität vorbeigeschrammt.

Erstmals hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) deshalb beschlossen, für das Jahr 2010 keine Prognose über die Wirtschaftsentwicklung abzugeben.

Bei Vorlage der Frühjahrsanalyse der Wirtschaft werde auf die Präsentation einer Wachstumsprognose für das Jahr 2010 verzichtet, teilte das DIW Berlin mit. In der gegenwärtig noch immer anhaltenden Situation extrem großer Unsicherheiten sei eine quantitative Prognose für das nächste Jahr derzeit nicht sinnvoll.

Selbstkritischer DIW-Chef

"Seit der Verschärfung der Finanzkrise laufen alle Vorhersagen der tatsächlichen Entwicklung drastisch hinterher", sagte DIW-Präsident Klaus F. Zimmermann laut Mitteilung. "Sämtliche Prognostiker - das DIW Berlin inbegriffen - haben die Entwicklung in all ihrer Dramatik so nicht vorausgesehen. Die Makroökonomik befindet sich in einem Erklärungsnotstand."

Das Institut reagiert mit dem Verzicht einer Prognose auf die jüngste Serie drastisch nach unten korrigierter Konjunkturprognosen aller Prognostiker. Dies hatte zu einer öffentlichen Debatte über Sinn und Funktion von Konjunkturprognosen geführt. Vor allem DIW-Chef Zimmermann hatte vor weiteren Prognosen gewarnt und vor einem Wettlauf der Horrormeldungen gewarnt. Sie könnten den Negativsog der Wirtschaft noch verstärken. Auf seinen Vorstoß hatte Zimmermann heftige Kritik erfahren - vor allem das konkurrierende Ifo-Institut aus München hatte den Aussagen des DIW-Chefs heftig widersprochen.