Prognose der Wirtschaftsweisen Wirtschaft wächst 2015 nur um ein Prozent

Die deutsche Wirtschaft ist besonders vom Export abhängig. Geopolitische Krisen und Unsicherheit treffen sie deshalb hart.

(Foto: dpa)
  • Im laufenden Jahr soll die Wirtschaft laut Jahresgutachten nur um 1,2 statt der bisher geschätzten 1,9 Prozent wachsen. 2015 soll das Plus sogar nur bei einem Prozent liegen.
  • Der Arbeitsmarkt soll aber stabil bleiben und die Erwerbstätigkeit sogar leicht zulegen.
  • Schuld an der Wachstumsdelle haben den Ökonomen zufolge die Krisen weltweit und die wirtschaftlichen Schwäche in der Eurozone, aber die deutschen Energie-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

Pessimistisches Jahresgutachten

Die fünf Wirtschaftsweisen rechnen nur noch mit einem verhaltenen Wachstum in Deutschland. Im kommenden Jahr werde das Wachstum nur noch ein Prozent betragen, heißt es im Jahresgutachten der Experten, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Auch Prognose für 2014 gekappt

Für das laufende Jahr senkten die Ökonomen ihre Wachstumsprognose von 1,9 Prozent auf 1,2 Prozent. Nach einem überraschend guten Start im Frühjahr 2014 habe die Konjunktur einen deutlichen Dämpfer erhalten, heißt es. Hierbei hätten die geopolitischen Risiken ebenso eine Rolle gespielt wie die ungünstige Entwicklung im Euroraum. Zudem meinen die Wirtschaftsforscher, dass sich der von der Bundesregierung eingeschlagene Kurs in der Energiepolitik sowie in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik negativ bemerkbar gemacht haben könnte.

Konstante Arbeitslosenquote

Die Zahl der Erwerbstätigen werde in den beiden Jahren weiter zunehmen, heißt es. Für 2014 rechnen die Wirtschaftsweisen mit 42,641 und für 2015 mit 42,795 Millionen Beschäftigten. Die Arbeitslosenquote bleibe in beiden Jahren konstant bei 6,7 Prozent. Der hohe Beschäftigungsstand stütze den Konsum, heißt es in dem gut 404 Seiten starken Gutachten mit dem Titel: "Mehr Vertrauen in Marktprozesse".

EU-Kommission hat Vorhersagen ebenfalls gekürzt

Bereits vor einer Woche hatte die EU-Kommission mitgeteilt, dass sie ihre Prognosen für die Eurozone gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) für dieses und kommendes Jahr ebenfalls stark nach unten revidiert. Die Wirtschaft in den 18 Euro-Ländern dürfte demnach 2014 nur um 0,8 Prozent statt wie zuvor angenommen 1,2 Prozent wachsen. 2015 soll es demnach nur noch um 0,7 statt 1,1 Prozent nach oben gehen. Erst für 2016 erwartet die Brüsseler Behörde wieder spürbare Besserung: Dann soll es ein Plus von 1,7 Prozent geben.

Auch für Deutschland hatte die Kommission ihre Prognose korrigiert: Der hiesigen Wirtschaft sagt sie für das laufende Halbjahr weitgehende Stagnation voraus, insgesamt wird das BIP 2014 um 1,3 Prozent statt 1,8 Prozent wachsen, schätzte die Brüsseler Behörde. Für 2015 hatte sie die Erwartung um beinahe einen Prozentpunkt auf 1,1 Prozent herabgestuft.